WaldÖkologie

Eberswalder Elch steht jetzt in wildbiologischer Sammlung

Er ist die größte heimische Säugetierart und vermutlich der erste Elch, der sich seit der Ausrottung freilebender Elche im späten Mittelalter erstmalig wieder längere Zeit im Raum Eberswalde (Brandenburg) aufgehalten hat. Nun steht das Präparat als Anschauungsobjekt für Lehre und Forschung auf dem Waldcampus der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE).

Der junge Elchbulle wurde erstmalig am 4. August 2019 im Eberswalder Stadtforst gesichtet und hielt sich die darauffolgenden Wochen im nördlichen Gebiet um Eberswalde auf. Er war zu dieser Zeit eineinhalb Jahre alt. „Vermutlich handelte es sich um den ersten Elch, der sich seit der Ausrottung freilebender Elche im späten Mittelalter erstmalig wieder längere Zeit (raumstabil) im Gebiet um Eberswalde aufgehalten hat“, sagt Dr. Frank-Uwe Michler, der das Elch-Präparat am Montag, dem 14. Dezember, in Empfang genommen hat. Spätere molekularbiologische Analysen ergaben, dass der Elch sehr wahrscheinlich aus Ostpolen eingewandert war. „Der Elch trug den Haplotyp H2, der unter europäischen Elchen insbesondere in Nordostpolen verbreitet ist“, berichtet der HNEE-Wissenschaftler.

Verletzung durch Kollision mit einer Bahn

Am 11. September 2019 wurde der Elch dann am westlichen Rand des Stadtteils Nordend in Eberswalde nahe der Bahngleise bewegungsunfähig gesichtet und der Polizei gemeldet. Frank-Uwe Michler und zwei Tierärzte, darunter der Amtstierarzt, machten sich ein Bild von der Situation und vom Zustand des Tieres, welches sie ursprünglich narkotisieren und anschließend untersuchen wollten. Doch dazu kam es aufgrund der Schwere der Verletzungen nicht mehr. „Das Tier musste vor Ort erlöst werden. Die Verletzungen zog sich der Elch sehr wahrscheinlich durch die Kollision mit einer Bahn zu“, berichtet Michler.

Von großem Wert für wildbiologische Sammlung

Aufgrund dieser wildbiologischen Besonderheit bemühte er sich zusammen mit Prof. Dr. Siegfried Rieger, dem Leiter des Fachgebiets für Wildbiologie, Wildtiermanagement und Jagdbetriebskunde (FWWJ) der HNEE, sofort darum den Elch für die wildbiologische Sammlung an der Hochschule zu sichern. Dafür stellte er einen Antrag zur Überlassung des Tierkörpers an den Stadtforstbetrieb. Nicht zuletzt ist die Wildart Elch ein Forschungsschwerpunkt des FWWJ und deshalb von besonderem Interesse für die Wissenschaft an der HNEE.

Anschauliches Lehrmaterial

So wurde das Tier zunächst aufwendig durch die Präparatoren Frommholz und Bresk (Wild- und Fischpräparationen Eberswalde) präpariert, um am 14. Dezember in den Besitz der wildbiologischen Sammlung am Fachbereich für Wald und Umwelt auf dem Waldcampus überzugehen. Dort steht er nun als Standpräparat im Sammlungsraum, der in den letzten Jahren grundlegend erneuert und der Tierbestand zunehmend erweitert wurde. „Der Elch, als die größte heimische Säugetierart, wertet die Sammlung noch einmal enorm auf, vor allem da es sich bei diesem außergewöhnlichen Wildtierpräparat um ein Tier handelt, was eine besondere lokale Geschichte mit sich bringt“, sagt Frank Michler. Der „Eberswalder Elch“ wird als anschauliches Lehrmaterial in Zukunft viele Studierende während ihrer Ausbildung an der HNEE begleiten.

Quelle: HNEE