Holzverkauf und Holzpreise

Historische Tiefstpreise für Rundholz 2020

Bearbeitet von Marc Kubatta-Große

DI Felix Montecuccoli, Präsident der Land&Forst Betriebe Österreich, hat Bilanz zum Forstjahr 2020 gezogen. Dürre und Borkenkäfer ließen Waldschutzkosten steigen und der Wald ist durch die Coronakrise mehr denn je Erholungsort. Die Rundholzpreise waren zwischenzeitlich auf einem historischen Tief. Inzwischen erholt sich der Holzmarkt wieder.

Die Land&Forst Betriebe Österreich ziehen Bilanz über die Forstwirtschaft 2020: Klima- und Corona-Krise, erschwerte Marktbedingungen und ein zunehmender Hype um den Erholungsraum Wald machen heimischen Waldbesitzern das Leben schwer. „Das Jahr 2020 war von zwei weltweiten Krisen geprägt: Die Klima- und die Covid-19-Krise. Hinzu kommt ein sehr volatiler Markt. Einerseits haben wir es mit steigenden Kosten für Käferbekämpfung, Wiederaufforstung, Waldhygiene etc. zu tun, andererseits mit niedrigen Holzpreisen. Zudem steigen massiv die Anforderungen der Gesellschaft an die vielfältigen Waldfunktionen – vor allem die Erholungsfunktion hat den Wald 2020 mit einem regelrechten Ansturm an Freizeitnutzern an seine Grenzen gebracht. Im Kampf gegen den Klimawandel brauchen wir mehr denn je eine nachhaltige, aktive Waldbewirtschaftung“, resümiert DI Felix Montecuccoli, Präsident der Land&Forst Betriebe Österreich.

Anfang des Jahres 2020 mussten heimische Forstwirte vom Schlimmsten ausgehen – das Frühjahr 2020 war geprägt von enormer Trockenheit und fehlendem Niederschlag. Früher Borkenkäferflug, schlechte Wasserversorgung der Böden sowie Waldbrandgefahr hielten Waldbesitzer in Atem. 2020 zählt abermals zu den wärmsten Jahren der österreichischen Messgeschichte, aber der Sommer brachte zum Glück den so notwendigen Niederschlag für die Wälder. Das war eine kurze Verschnaufpause für Wald und Waldbesitzer.

Zwei Krisen im Jahr 2020

Zur Klimakrise kam 2020 die Corona-Krise hinzu. Zu Beginn der Pandemie war die gesamte Wertschöpfungskette Holz betroffen. Im ersten Lockdown kam es zu Produktionsrückgängen der Säge-, Papier und Plattenindustrie mit negativen Auswirkungen auf die Urproduktion. Die Nachfrage nach heimischem Frischholz ging zurück und die Preise sind massiv gesunken. Hinzu kamen erschwerte Aufarbeitungsbedingungen und Arbeitskräftemangel durch den Lockdown. Ab Mai 2020 ging es zumindest für die Holzverarbeiter wieder bergauf. Die Sägeindustrie konnte ihren Betrieb wieder aufnehmen und erlebt seitdem einen Aufwärtstrend, von dem die Forstwirtschaft durch das anhaltenden Rundholz-Überangebot nur begrenzt profitieren kann. In den Borkenkäfergebieten kommt die Urproduktion aus dem Talboden nicht heraus.

Die Corona-Krise hatte zudem einen unerwarteten Effekt auf den Freizeit- und Erholungsraum Wald. In Zeiten der Ausgangs- und Reisebeschränkungen strömen deutlich mehr Menschen auf der Suche nach Erholung und Bewegung in die Wälder. In manchen Regionen werde man künftig um Lenkungsmaßnahmen und klare Spielregeln für die Freizeitnutzung nicht herumkommen, so Montecuccoli.

Holzeinschlag – Schadholzaufkommen halbiert

Im Jahr 2020 betrug die österreichische Gesamt-Holzernte rund 16,4 Mio. Fm (2019: 18,9 Mio). Der Niederschlag im Sommer brachte Entspannung bei den Käferkalamitäten. Somit halbierte sich die Schadholzmenge 2020 im Vergleich zum Vorjahr auf 5,8 Mio. Fm (2019: 11,7 Mio.). Die Schadholzsituation in den Nachbarländern Deutschland und Tschechien sei jedoch nach wie vor auf Rekordniveau. Das führt weiterhin zu Mengendruck und Preisreduktionen. Viele Waldbesitzer, die nicht von Kalamitäten betroffen waren, haben sich deshalb vom Markt zurückgezogen.

2020 brachte über alle Sortimente eine weitere deutliche Preisreduktion im Vergleich zu 2019. Die Holzpreise befinden sich zudem bereits seit mehreren Jahren auf einer Abwärtsspirale. War zu Beginn des Jahres 2020 – also vor der COVID-19-Pandemie – bei den Nadelsägerundholzpreisen noch ein leichter Trend nach oben erkennbar (Jänner/Februar 2020: 75,6 Euro/fm), gingen die Holzpreise mit Beginn der Corona-Krise auf Talfahrt und erreichten im Sommer 2020 mit 61,3 €/Fm einen Rekord-Tiefstwert. Erst Ende des Jahres 2020 waren wieder positive Preissignale erkennbar. Der Jahresdurchschnittspreis 2020 betrug beim Nadelsägerundholz 68,8 €/Fm, das sei eine 30-prozentige Preisreduktion zu den eigentlich notwendigen Preisen von Mitte 2014. Im 3. Quartal 2020 lag der Sägerundholzpreisindex erstmals seit 2009 unter der 100-Prozent-Marke. Bei solchen Preisen sei kein positives Ergebnis mehr möglich, macht Montecuccoli klar. Ein Lichtblick bestehe darin, dass seit dem 4. Quartal 2020 die Preise leicht ansteigen, die Auftragsbücher der Sägeindustrie voll sind und von Seiten der Industrie auch große Investitionen angekündigt sind.

Außenhandelsbilanz 2020

Österreich importierte 2020 insgesamt 12,06 Mio. Fm Rohholz. Hauptimportländer waren Tschechien und Deutschland. Der Nadelschnittholzexport ist gleichzeitig um etwa 2,5 % zurückgegangen. Hier hat die Corona-Krise in einigen Ländern großen Einfluss gehabt, was aber Mitte des Jahres wieder ausgeglichen werden konnte. In dem bisherigen Hauptexportmarkt Italien ging der Export um 9,4 % zurück. Dies wurde durch einen verstärkten Export nach Deutschland (+13 %) und USA (+26 %) ausgeglichen. Aus einem Gesamt-Rohholzimport von 12,06 Mio. Fm und einem Gesamt-Rohholzexport von 0,63 Mio. Fm ergibt sich somit ein Netto-Rohholz-Import 2020 von 11,43 Mio. Fm.

Unter den Unsicherheiten des Klimawandels und den schwierigen Marktbedingungen sei der Waldfonds, dessen Mittel seit Februar 2021 beantragt werden können, eine wichtige Hilfe für die Waldbesitzer. In Sachen Biodiversität spricht sich Montecuccoli gegen Außer-Nutzen-Stellen aus und fordert eine Stärkung des Vertragsnaturschutzes. Nur proaktiv von Landbewirtschaftern und Grundbesitzern mitgestaltete und mitgetragene Biodiversitätsmaßnahmen werden nachhaltigen Erfolg für die Zukunft bringen können. Die Energiewende sei ohne biogene Energieträger nicht zu schaffen, ist Montecuccoli überzeugt. Biomasse sei eine wichtige Ergänzung zu emissionsfreien Energiequellen wie Sonne, Wind, Wasser. Denn Strom aus Biomasse kann unabhängig von der Witterung immer und regelmäßig erzeugt werden.

Forderung nach Steuerentlastung

Außerdem fordert der Präsident der Land&Forst Betriebe Österreich für die Forstwirtschaft eine steuerliche Entlastung statt einer Belastung: „Steuern und Abgaben müssen aus Erträgen finanzierbar sein. Forstwirtschaft wird ein schlechtes Geschäft bleiben und soll trotzdem vielfältige Leistungen für Umwelt und Gesellschaft erbringen. Wer in Zukunft Waldbewirtschaftung betreibt, wird ein Arbeitseinkommen haben, aber eine sehr geringe Vermögensverzinsung. Steuern und Abgaben müssen aus Erträgen finanzierbar sein und keinesfalls aus der Substanz!“

Die Land&Forst Betriebe Österreich sind die freiwillige Vereinigung österreichischer Landbewirtschafter. Ihre Mitglieder bewirtschaften zusammen ein Drittel des österreichischen Waldes.

Quelle: LFBÖ