ABO
Rottenburg, HFR Japan

Japanisch-deutsches Forstsymposium in Japan

Vom 5. bis zum 10. November 2017 fand in Gifu (Japan) das 2. Japanisch-deutsche Forstsymposium statt. Das Interesse daran war in ganz Japan so groß, dass die mehr als 350 Teilnehmerplätze bei weitem nicht ausgereicht haben. Die eintägige Auftaktveranstaltung mit Vorträgen und Diskussionsforen war ebenso aus- und überbucht wie alle anschließenden Workshops, die jeweils in enger Abstimmung von je einem Rottenburger Professor und einem japanischen Kollegen gemeinsam vorbereitet und angeboten wurden.

Rottenburuku“ in aller Munde. Vermutlich wurde noch nie in Japan so oft versucht, den Namen „Rottenburg“ möglichst fehlerfrei auszusprechen, wie in diesen Tagen: Im Rahmen eines großen japanisch-deutschen Forstsymposiums in der Stadt Gifu in Zentraljapan wurde die besondere Rolle der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg (HFR) für den Wiederaufbau der japanischen Forstwirtschaft deutlich.

Was 2007 mit einem Besuch des damaligen Oppositionsführers und späteren Ministerpräsidenten Japans, Naoto Kan, begann, ist längst zu einer etablierten Zusammenarbeit zwischen der HFR, mehreren japanischen Universitäten und der staatlichen Forstagentur Japans geworden. Der Besuch des Gouverneurs der Provinz Gifu in Rottenburg 2014 sowie der Gegenbesuch von Ministerpräsident Kretschmann waren zusätzliche Impulse für das umfassende Engagement der Rottenburger Forsthochschule.

Lernen bei jeder Begegnung

In Japan hatte man die eigene Forst- und Holzwirtschaft mehrere Jahrzehnte lang völlig vernachlässigt und den gesamten Holzbedarf des Landes durch Importe gedeckt. Erst zu Beginn dieses Jahrtausends fasste die japanische Regierung den Entschluss, sich wieder auf die Potenziale der eigenen Wälder zu besinnen, die mehr als zwei Drittel der Insel bedecken und damit eine etwa doppelt so große Ausdehnung haben wie die Wälder Deutschlands. Seit zehn Jahren lässt man sich bei der Rückkehr zu einer eigenen Forst-, Wald- und Holzkultur von der HFR beraten.

„Auch wir lernen bei jeder Begegnung“, betont der wissenschaftliche Leiter der Japanaktivitäten an der HFR, Prof. Sebastian Hein, „so haben die Japaner ganz andere Lösungsstrategien in Konflikt- und Problemfällen und viel mehr Erfahrungen mit extremen Wetterereignissen, die angesichts des Klimawandels auch bei uns zunehmen werden.“

2016 gelang es im Rahmen des 1. Deutsch-japanischen Forstsymposiums in Rottenburg auch die Forst- und Holzindustrie beider Länder in die Kooperation mit einzubeziehen. Dieses Bemühen dient der Beschleunigung nötiger Entwicklungen und der besseren Verzahnung aller beteiligten Branchen. Unterstützt wird es immer wieder von der Baden-Württemberg-Stiftung, vom Land Baden-Württemberg sowie vom Bundes-Landwirtschaftsministerium und den diplomatischen Vertretungen beider Länder.

Das 2. Japanisch-deutsche Forstsymposium fand nun vom 5. bis 10. November 2017 in Gifu (Japan) statt. Das Interesse daran war in ganz Japan so groß, dass die mehr als 350 Teilnehmerplätze bei weitem nicht ausgereicht haben: Die eintägige Auftaktveranstaltung mit Vorträgen und Diskussionsforen war ebenso aus- und überbucht wie alle anschließenden Workshops, die jeweils in enger Abstimmung von je einem Rottenburger Professor und einem japanischen Kollegen gemeinsam vorbereitet und angeboten wurden. Teilnehmer waren Forstleute, Waldbesitzer sowie Studierende beider Länder. Zur „Rottenburger Delegation“ gehörten neben Rektor Bastian Kaiser, Prof. Sebastian Hein und dem Projektkoordinator Christoph End, vier weitere Professoren, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Geschäftsführer sowie Gesellschafter heimischer Unternehmen und Institutionen.

Forstsymposium bietet ausgezeichnete Kontakte

„Es gelingt uns zunehmend, auch die Rolle eines Wirtschaftsförderers für heimische Unternehmen aus ganz Deutschland, aber auch aus dem Landkreis einzunehmen“, freut sich Christoph End. „Außerdem hatten wir zwei Vertreter der Bayerischen Staatsforsten mit dabei sowie des von Bund und Ländern getragenen Kuratoriums für Wald- und Forsttechnik, dem Veranstalter der größten Forstfachmesse weltweit. Sie alle profitieren von den Erfolgen und ausgezeichneten Kontakten der HFR in Japan. Und unsere Studenten profitieren umgekehrt von der Einbindung der Wirtschaft in solche Projekte.“

Eine der teilnehmenden Studentinnen war die aktuelle Waldkönigin Baden-Württembergs, Ramona Rauch, deren Namen die japanischen Gastgeber vor ähnlich große Probleme stellte wie der der Hochschule. Die Waldkönigin und ihr japanisches Pendant, Aoi Nonake gaben dem Symposium eine zusätzliche Note, für die man im Land des Tenno, der Ästhetik und der Kirschblüte ein feines Gespür hat.

Die Themen der Workshops dieses zweiten Symposiums reichten von waldbaulichen Fragen, über forsttechnische Herausforderungen, die Wald- und Umweltpädagogik, die Jagd und das Wildtiermanagement, den Pflanzenschutz, den Holzbau, bis hin zur Personalentwicklung und Personalfindung.

Projekt „Rottenburuku“ langfristig ausbauen

„Es ist sehr beeindruckend, welche Anerkennung sich meine Kollegen in Japan inzwischen erarbeitet haben“, stellt Rektor Bastian Kaiser fest. „Daraus erwachsen aber auch Erwartungen unserer Partner – hier und in Japan – und ein große Verantwortung dafür, wichtige Entwicklungen nicht nur anzustoßen, sondern auch über Jahre hinaus zu begleiten. Wir müssen deshalb Wege suchen, um das was als Projekt der großen Politik begonnen hat, aus der mühsamen Finanzierung kleiner Schritte heraus und in eine langfristige Struktur zu überführen.“

Dafür werden die Rottenburger Wissenschaftler das Gespräch mit denen führen, die sie zu diesem Engagement aufgefordert haben – mit der Landesregierung Baden-Württembergs, mit der Staatsregierung Japans und der Präfektur Gifu. Sie wollen aber auch den eingeschlagenen Weg weiter beschreiten, Unternehmen mit ins Boot zu holen. Vielleicht gelingt es, Japan für das Jahr 2020 zu einer Teilnahme an der KWF-Tagung als offizielles Partnerland zu bewegen.

„Es wäre schön, wenn dies nicht ein befristetes `rottenburuker Projekt´ bleiben würde, sondern eine langfristige Zusammenarbeit beider Länder“, schmunzelt Bastian Kaiser, „das wäre dann auch leichter auszusprechen.“

Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg

Auch interessant

von