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Hessen investiert in einen gesunden, klimastabilen Wald der Zukunft.

Hessen: Weitere Maßnahmen für klimastabilen Wald

Hessens Umweltministerin Priska Hinz hat am 6. November ein weiteres Maßnahmenpaket zum Schutz und Erhalt der hessischen Wälder vorgestellt. Insgesamt soll noch stärker in einen gesunden und klimastabilen Zukunftswald investiert werden.

Hinz: „In weiten Teilen Hessens ist der Zustand des Waldes in diesem Jahr schlecht wie nie zuvor. Zu diesem Ergebnis kommt der diesjährige Waldzustandsbericht. Das bedeutet: Wir müssen weiterhin alles tun, um den Klimawandel zu begrenzen. Und wir müssen den Wald weiter stärken. Er ist ein Opfer des Klimawandels, aber zugleich auch von großer Bedeutung für den Klimaschutz. Im vergangenen Jahr haben wir den 12-Punkte-Plan für einen Wald der Zukunft auf den Weg gebracht. Nun gehen wir noch einen Schritt weiter und werden mit einem umfangreichen Maßnahmenpaket den Waldschutz noch weiter intensivieren.“

Die Ministerin ergänzte: „An vielen Orten in unserem Land sieht man abgestorbene Waldflächen, wo einst geschlossene Wälder standen. Die Kronenverlichtung, ein wichtiger Indikator für den Gesundheitszustand der Bäume, hat in diesem Jahr noch einmal zugenommen. Auch die Absterberate und der Anteil starker Schäden weisen die höchsten Werte seit Beginn der Zeitreihe auf. Der dramatische Zustand des Waldes bestimmt unser aktuelles Handeln.“

12-Punkte-Plan: Alle Punkte in der Umsetzung

Umweltministerin Hinz erklärte: „Von unserem 12-Punkte-Plan sind alle Punkte bereits in der Umsetzung: Für den Staatswald wurde ein fundiertes Wiederbewaldungskonzept erarbeitet, an dem sich die Arbeit der Försterinnen und Förster nun orientiert. Ergänzend entstehen Klimarisikokarten, die helfen sollen die richtige Baumart für den entsprechenden Standort zu wählen. Private und kommunale Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer werden bei der Bewältigung der Folgen aus den Stürmen und Dürren unterstützt und auch für den Staatswald steht mehr Geld zur Verfügung. Daran knüpfen wir an und reagieren auf die aktuellen Ergebnisse der Waldzustandserhebung mit weiteren Anstrengungen.“

Hessen investiert mehr Geld in den Wald

Die Beseitigung von Waldschäden, Wiederbewaldung und Waldumbau kosten viel Geld. Die Corona-Pandemie hat mit einem Zusammenbruch der Auslandsnachfrage auf dem Holzmarkt die prekäre Situation von Waldbesitzenden weiter verschärft. „Neben den Mitteln, die für den 12-Punkte-Plan bereitstehen, haben wir auch bei unserem Corona-Sondervermögen an den Wald gedacht“, ergänzte Hinz. „Wir investieren bis 2023 eine Rekordsumme von über 250 Mio. € in unsere Wälder. Wir unterstützen Waldbesitzer, schützen bestehende und pflanzen neue klimastabile Wälder.“

Für den Staatswald wird mehr Personal zur Verfügung stehen

Hinz: „Mein großer Dank gilt in diesen Zeiten den Försterinnen und Förstern von HessenForst, die sich Tag für Tag mit großem Engagement für den Schutz des Waldes einsetzen. Sie kümmern sich um die Aufarbeitung und Abfuhr von Schadholz, um die Wiederbewaldung von Kahlflächen, um die Beratung von kommunalen und privaten Waldbesitzenden sowie um zahlreiche Maßnahmen des Artenschutzes. Der Klimawandel stellt sie vor nie da gewesene Herausforderungen: Um diese besser zu meistern, haben wir entschieden, beim Landesbetrieb HessenForst deutlich mehr Personal vorzusehen. Außerdem werden wir dafür sorgen, dass alle Forstämter erhalten bleiben.“ Bis 2025 sollen 220 Stellen mehr zur Verfügung stehen, als ursprünglich geplant waren. So wird das Personalkonzept 2025 grundlegend geändert.

Die Wiederbewaldung von Kahlflächen wird noch gezielter gefördert

Die Ministerin erläuterte: „Bei der Extremwetterrichtlinie gehen wir nun deutlich über unsere Ziele des 12-Punkte-Plans hinaus, um private und kommunale Waldbesitzenden noch gezielter zu fördern. Neu hinzu kommt nun, dass wir auch die Wiederbewaldung und Verkehrssicherung fördern. Besonders für kleinere Waldbesitzende bieten wir gute Konditionen: Sie können mit einer Förderquote von bis zu 95 % unterstützt werden.“ Als fundierte wissenschaftliche Grundlage für die Förderung der Wiederbewaldung dienen nun außerdem neue, an die künftigen standörtlichen Wasserbilanzen angepasste, Waldentwicklungsziele, die die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt erarbeitet hat.

Fundierte Konzepte für den klimastabilen Wald der Zukunft

„Unser Ziel ist es, einen klimastabilen Mischwald aufzubauen. Klimarisikokarten, Waldentwicklungsziele und Wiederbewaldungskonzepte geben allen Waldbesitzenden hier eine wichtige Hilfestellung, um den Waldumbau in den nächsten Jahren zu gestalten. Wir werden auch weiterhin die Untersuchungen in diesem Bereich vorantreiben. Dabei hilft auch das gerade ausgewiesene Klimaschutzforstamt in Burgwald, das uns wichtige Erkenntnisse liefern wird“, erklärte Hinz.

Der Waldzustandsbericht weist auch auf eine erhebliche Stresssituation bei der Buche, der Hauptbaumart in Hessen, hin. Um die Buchenbestände bestmöglich zu stabilisieren, wurde bereits 2019 die waldbauliche Behandlung der Buchenbestände im hessischen Staatswald an das seit 2018 fortdauernde Kalamitätsgeschehen angepasst. „Zur Stärkung der Biodiversität haben wir nun zusätzlich beschlossen, den Holzeinschlag in über 100-jährigen geschlossenen Buchenbeständen in Natura2000-Gebieten zunächst für die Dauer eines Jahres auszusetzen“, erklärte Hinz.

Biodiversität im Wald erhalten

„Der Klimawandel hat auch Auswirkungen auf Tiere und Pflanzen. Arten, die es kalt und feucht mögen verlieren ihren Lebensraum, Vögel beginnen früher zu brüten. Dies müssen wir bei der Waldnutzung und dem Waldschutz berücksichtigen. Deshalb werden wir nun die Naturschutzleitlinie für den Staatswald von 2010 überarbeiten und an die Anforderungen des Klimawandels anpassen. Wichtig ist dabei zum Beispiel, den Wasserrückhalt im Wald zu verbessern, durch Renaturierungen von Mooren, das Anlegen von Teichen oder die Beseitigung von Fließhindernissen. Außerdem wollen wir gezielt Habitatbäume erhalten, also Bäume mit Bruthöhlen oder Fledermausquartieren. Unser Biodiversitätsforstamt Hofbieber wird dafür wichtige Hinweise geben“, erklärte Hinz abschließend.

Waldbesitzerverband: „Waldzustand ist besorgniserregend“

Der Gesundheitszustand der hessischen Wälder war seit Beginn der Waldschadensinventur in den 1980er-Jahren noch nie so besorgniserregend wie jetzt, so die Einschätzung des hessischen Waldbesitzerverbandes. Drei Dürrejahre und eine massenhafte Vermehrung von Schadorganismen haben in den Jahren 2018 bis 2020 zu einem flächenhaften Absterben großer Wälder geführt. Am schwersten betroffen sind demnach die Fichten, die von Borkenkäfern regelrecht „totgefressen“ werden. Schwer geschädigt seien in weiten Teilen Hessens vor allem auch Buchen, Eschen, Lärchen, Kiefern, aber auch Eichen.

Seit Beginn der Dürre sind in Hessen geschätzt zwischen 6 und 10 % der Waldfläche kahlgefallen und müssen wiederbewaldet werden, so der Verband weiter. Die Vermögensschäden der hessischen kommunalen und privaten Waldeigentümer seien mit weit mehr als 1 Mrd. € zu beziffern. Der Ertragsausfall auf den Flächen für die nächsten 20 Jahre könne mit mehreren Millionen Euro pro Jahr veranschlagt werden. Für die Wiederbewaldung würden in den nächsten zehn Jahren jedes Jahr hohe zweistellige Millionenbeträge fällig, doch Geld, Personal und Pflanzen seien knapp. Der Verband betonte, selbst wenn auf erheblichen Teilen der Flächen durch natürliche Aussaat wieder ein junger Baumbewuchs entsteht, bedarf es spätestens in drei Jahren der pflegenden Hand der Waldarbeiter und Arbeit der Förster und Waldbauern, um daraus stabile und artenreiche Mischwälder zu entwickeln.

In der Stellungnahme heißt es weiter: „Die hessischen Waldeigentümer sind dankbar für jedes vom Bund und dem Land Hessen angebotene Förderprogramm. Die verfügbaren Mittel reichen jedoch nicht annähernd aus. Zudem dauern Bewilligung und Auszahlung der Förderanträge wegen chronischer personeller Unterbesetzung der Bewilligungsbehörden bis zu neun Monate. Wie wichtig es ist, die Finanzmittel schnell und direkt der Forstwirtschaft zur Verfügung zu stellen, hat die Hessische Landesregierung erkannt. Denn sie finanziert den Landesbetrieb HessenForst seit zwei Jahren mit hohen zweistelligen Millionenbeträgen in Nachtragshaushalten. Vollkommen unverständlich und ohne jede sachliche Begründung ist daher die einseitige Unterstützung von HessenForst aus dem Corona-Sondervermögen des Landes Hessen mit 45 Mio. €, von denen 12 Mio. € zur Entlastung der von HessenForst betreuten kommunale und Waldeigentümer verwendet werden sollen. Alle waldbesitzenden Kommunen und privaten Waldeigentümer, die ihren Wald selbst bewirtschaften oder andere Dienstleister damit beauftragt haben, gehen leer aus.“

Abgeltung der CO2-Senkenleistung des Waldes gefordert

Die Erhaltung des Waldes mit seinen vielfältigen Funktionen ist eine Leistung der Waldeigentümer für den Umwelt-, Klima- und Naturschutz, von der die gesamte Wirtschaft und die Allgemeinheit profitieren. Die Bundesregierung hat sich die CO2-Senkenleistung der deutschen Wälder im Kyotoprotokoll anerkennen lassen und verkauft ab dem Januar 2021 Verschmutzungszertifikate an die Industrie, die einen CO2-Ausstoß nicht vermeiden kann. Laut dem hessischen Waldbesitzerverband ist es folgerichtig und gerechtfertigt, den kommunalen und privaten Waldeigentümern aus diesen Verkaufserlösen, die im Klimafonds der Bundesregierung vereinnahmt werden, die CO2-Senkenleistung der Wälder zu honorieren.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner unterstütze dieses Anliegen der Waldeigentümer. Sie werde jedoch von den Forst- und Umweltministerinnen und -ministern der Länder ausgebremst. Dabei geht es nicht um eine Flächenförderung aus Steuermitteln, wie in der Landwirtschaft. Es gehe um die Abgeltung einer Leistung der Waldeigentümer, die sich die Bundesregierung von der Industrie bezahlen lasse, die Mittel aber den Waldeigentümern vorenthalte. Die Zurückhaltung der hessischen Umweltministerin Priska Hinz in dieser Frage sei für den Verband nicht nachvollziehbar. Die kommunalen und privaten Waldeigentümer fordern die hessische Umweltministerin daher auf, sich für eine Honorierung der CO2-Senkenleistung der Wälder einzusetzen.

Lesen Sie auch unsere Meldung zum Waldzustandsbericht 2020 für Hessen sowie den Bericht „Hessen: 12-Punkte-Plan zum Schutz der Wälder“.

Quelle: HMUKLV/WBV Hessen/Red.

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