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Hessen-Forst legt Nachhaltigkeitsbericht für 2010 vor

Hessen-Forst legt Nachhaltigkeitsbericht für 2010 vor

Staatssekretär Mark Weinmeister und Landesbetriebsleiter Michael Gerst stellten am 1. Dezember den Nachhaltigkeitsbericht (NB) für das Geschäftsjahr 2010 im Forstamt Rüdesheim vor. Weinmeister und Gerst blickten auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2010 zurück: „Es ist uns gelungen, in allen Geschäftsfeldern unserer Ziele erfolgreich zu erreichen“, so der Landesbetriebsleiter. „Bedingt durch die allgemein gute Wirtschaftslage im Zuge der konjunkturellen Erholung nach der weltweiten Finanz- und Wirtschaftkrise der Vorjahre schloss die Staatswaldbewirtschaftung mit einem Überschuss von 21,6 Millionen Euro ab.“
Erneut waren Zwangsanfälle in Folge von Sturmereignissen zu verkraften. Die anfallenden Holzmengen konnten Dank einer lebhaften Nachfrage und zufriedenstellendem Preisniveau vermarktet werden. „Obwohl mit dem höheren Holzanfall hohe Aufarbeitungskosten verbunden waren, konnte ein positives Betriebsergebnis von rund 69 Euro je Hektar erzielt werden“, freute sich Gerst.
Staatswaldvermögen gesichert
Die Sturmschäden beeinträchtigen das Waldvermögen und erhöhten die betrieblichen Kosten. Die intensivierte Holzernte und die Wiederbewaldung von Windwurfflächen (rund vier Millionen gepflanzte Bäume) spielten hier ebenso eine Rolle wie Maßnahmen der Wegeinstandhaltung und der Waldpflege. Um das Vermögen zu erhalten wurden die aus den Sturmschäden erzielten Erlöse in das Staatswaldvermögen reinvestiert. „Damit wird die Ertragskraft des hessischen Staatswaldes auch für künftige Generationen gesichert“, führte Staatssekretär Mark Weinmeister aus.
Ein Teil dieser erforderlichen Reinvestitionen konnte unmittelbar im laufenden Geschäftsjahr in die Wiederaufforstung und Pflege sturmgeschädigter Waldbestände erfolgen. Darüber hinaus wurde der zum Ende des Geschäftsjahres verbliebene Überschuss der Risiko- und der Waldrücklage von Hessen-Forst zugeführt. Diese Rücklagen finden in künftigen Jahren entsprechend den Vorgaben des Hessischen Forstgesetzes und der Betriebssatzung ebenfalls zweckgebunden Verwendung. Sie dienen dem Erhalt und der Verbesserung des Vermögenswertes des hessischen Staatswaldes sowie der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Landesbetriebs.
Bodennachhaltigkeit bei erhöhter Energieholzgewinnung
Der Trend einer steigenden Nachfrage von Industrie und privaten Haushalten nach Energieholz setzte sich auch 2010 fort. Auf diesen reagierte der Landesbetrieb mit wald- und bodenschonenden Maßnahmen und Belassen von nährstofflieferndem Feinmaterial im Bestand. Darüber hinaus werden nährstoffarme Böden von der Energienutzung ausgenommen. Diese Maßnahme führt dazu, dass die Stoffkreisläufe im Wald nicht beeinträchtigt werden.
Der Bodenschutz spielt im betrieblichen Ablauf von Hessen-Forst eine bedeutende Rolle. Michael Gerst verwies auf die systematische Beachtung des Bodenschutzes auf allen Ebenen des Betriebs. Hierzu gehören die Kartierung von Bodenschutzwäldern im Rahmen der 10-jährigen Betriebsplanung und eine Befahrbarkeitskarte für den Staatswald ebenso wie der bodenschonende Maschineneinsatz, die Bodenschutzkalkung und die Schulung der Beschäftigten beim Umgang mit Bodendenkmälern. „Nur bei einer landesweiten, bodenschonenden Bewirtschaftung der Wälder können die Produktionsbedingungen dauerhaft auf gleichem Niveau gehalten werden. Dies liegt sowohl im öffentlichen wie auch im Betriebsinteresse von Hessen-Forst. Aktiver Bodenschutz ist somit eine Verpflichtung für Generationen“, fasste Staatssekretär Mark Weinmeister die Position des Landes zusammen.
Waldpädagogik trotz Kalamitätsaufarbeitung intensiv umgesetzt
Als größter Anbieter und landesweit präsenter Partner in der außerschulischen Umweltbildung konnte Hessen-Forst auch in 2010 sein Angebot auf hohem Niveau umsetzen: 85.000 Schulkinder kamen zu Bildungsveranstaltungen in den Wald, ca. 22.000 Kindergartenkinder und mehr als 50.0000 Teilnehmer gemischter Gruppen nahmen an entsprechenden waldpädagogischen Veranstaltungen von Hessen-Forst teil.
Betriebsergebnis aller betreuten kommunalen Betriebe gesteigert
Die wirtschaftliche Situation der von Hessen-Forst betreuten kommunalen Forstbetriebe hat sich weiter positiv entwickelt. Neben einer marktgerechten Steuerung waren hierfür die hohe Nachfrage nach Holz und daraus resultierend höhere Holzpreise verantwortlich. Über alle betreuten kommunalen Betriebe konnte ein Betriebsergebnis von insgesamt ca. 31 Millionen Euro bzw. 109 Euro je Hektar erzielt werden. Somit wird die realistische und marktkonforme Planung übertroffen und den betreuten Kommunen in der Regel ein besseres Ergebnis präsentiert, als bei der Haushaltsaufstellung absehbar war.
Spitzenwert bei der Holzmobilisierung im betreuten Privatwald
Trotz und wegen der Schadensereignisse in 2010 haben die von Hessen-Forst betreuten privaten Waldbesitzer ihren hohen Standard bei der Holzmobilisierung halten können. Durch teilweise deutlich erhöhten lokalen Schadholzanfall wurden im betreuten Privatwald 7,3 Erntefestmeter / Hektar eingeschlagen. Dazu kommt noch etwa ein Erntefestmeter / Hektar für Eigenverbrauch – insbesondere Heizholz. Insgesamt ist dies ein Spitzenwert bei der Holzmobilisierung.
Schwerpunkt Naturschutz – Leitlinie für den Staatswald herausgebracht
Der Landesbetrieb Hessen-Forst hat in 2010 die „Naturschutzleitlinie für den Hessischen Staatswald“ (NLL) herausgebracht. „Mit den Kernflächen der NLL werden im hessischen Staatwald Bereiche entstehen, in denen auch zukünftige Generationen naturbelassene Wälder erleben können“, würdigte Staatssekretär Mark Weinmeister dieses zukunftsweisende Vorgehen des Landesbetriebes. Leitgedanke der Naturschutzleitlinie ist es, die für Hessen typischen Waldlebensräume in ihrer Vielfalt zu sichern und die dazu gehörende Arten- und Strukturausstattung zu erhalten sowie zu verbessern. Ein besonderes Augenmerk richtet sich auf die Arten der späten Waldentwicklungsphasen (Alters- und Zerfallsphase).
Die Naturschutzleitlinie hat dabei für verschiedene Naturschutzziele Module des Waldnaturschutzes entwickelt. Im Mittelpunkt stehen das Habitatbaumkonzept und die Kernflächenauswahl. Beide zielen insbesondere auf diejenigen Arten und Lebensräume, die durch einen Nutzungsverzicht gefördert werden können. Dies sind insbesondere die Arten, die von alten Waldbeständen, alten und abgestorbenen Bäumen sowie dem Totholz im Wald profitieren, wie Spechte, Fledermäuse, viele Waldpilze und Waldkäfer. Sie wurde in Zusammenarbeit mit den wichtigsten Naturschutzverbänden erarbeitet und kommt den Bedürfnissen der Menschen genauso entgegen wie sie den Anforderungen der Natur entspricht. „Auch und gerade im Internationalen Jahr der Biodiversität 2010 hat sich Hessen-Forst besonders für die Bewahrung der Artenvielfalt in den betreuten Wäldern eingesetzt“, ergänzte der Landesbetriebsleiter. Mit Artenpatenschaften unterstützten auch zukünftig die hessischen Forstämter die Biotopansprüche bedrohter Tier- und Pflanzenarten im Wald, wie beispielsweise für die seltene Wald-Orchideenart Frauenschuh oder Wald-Moore, den Luchs und die Wildkatze, den Biber, den Schwarzstorch oder die Mopsfledermaus.
CO2- Umsetzungsprojekt begonnen
Im Jahr 2010 wurde damit begonnen, die Erkenntnisse der vorjährigen Hessen-Forst CO2-Studie umzusetzen, um die Senkenleistung des Staatswaldes weiter zu verbessern und den „Carbon-Footprint“, also die Betriebsemissionen aus Gebäuden, Fahrzeugen etc., zu reduzieren. So wurden mehrere Aufforstungsprojekte durchgeführt, in die energetische Sanierung der betriebseigenen Gebäude rund zwei Millionen Euro investiert, die Beschaffung neuer Fahrzeuge an den Emissionswerten orientiert sowie betriebsintern Schulungen für energiesparendes Fahren und ein Spritspar-Wettbewerb eingeführt.
Die sechs Helsinki-Kriterien für Nachhaltigkeit als Messlatte
„Von jeher ist verantwortungsbewusstes Handeln für Forstleute, nicht nur in Hessen, das Leitmotiv und Markenzeichen ihres Wirkens“, betonte Gerst. Die „Ministerkonferenz über den Schutz der Wälder“ habe in Helsinki 1993 nachhaltiges Handeln mit sechs Kriterien konkretisiert: Die Ressourcen des Waldes und seine Gesundheit müssen erhalten sowie Holz und Dienstleistungen aus dem Wald bereit gestellt werden. Der Waldbau und die biologische Vielfalt müssen zukunftsfähig sein. Die Schutzfunktionen des Waldes müssen sichergestellt und sozioökonomische Kriterien erfüllt werden. Gerst konkretisierte: „Darunter fallen zum Beispiel die Organisation der Arbeitsprozesse, die Kommunikation mit Partnern oder die Umweltbildung sowie Öffentlichkeitsarbeit“.
 

Nachhaltigkeitsbericht (NB) für 2010 (pdf-Datei 11 MB)

 
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