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Hessen: Bundesforstbetrieb Schwarzenborn ausgezeichnet

Staatsministerin Priska Hinz verlieh am 12. Mai die Auszeichnung „UN-Dekade-Projekt Biologische Vielfalt“ für das Beweidungsprojekt „Wildpferde Campo Pond“ in Hanau.

„Hufe statt Panzerketten – das ist eine nachhaltige Änderung einer Flächennutzung, die ich als Umweltministerin natürlich nur begrüßen möchte“, sagte Ministerin Priska Hinz in Hanau. Dort würdigte sie ein besonders erfolgreiches Projekt zum Erhalt der Biodiversität und verlieh dem Bundesforstbetrieb Schwarzenborn und seinen Projektpartnern die Auszeichnung „UN-Dekade-Projekt Biologische Vielfalt“ für das Beweidungsprojekt „Wildpferde Campo Pond“.
Im Hanauer Schutzgebiet „Campo Pond“ wird seit dem Jahr 2009 eine Herde der seltenen Przewalski-Wildpferde eingesetzt, um den Artenreichtum auf den ehemaligen Militärflächen zu erhalten. Das FFH-Gebiet mit dem offiziellen Namen „US-Militärgelände bei Großauheim 5819-309“ ist in der Region weithin als „Campo Pond“ bekannt und Teil des europäischen Schutzgebiete-Netzes NATURA 2000.
Grund für die Ausweisung als FFH-Gebiet sind die großflächig vorkommenden Sandrasen des FFH-Lebensraumtyps „Dünen mit offenen Grasflächen mit Corynephorus und Agrostis“ sowie sehr nährstoffarme Kleingewässer mit entsprechend seltener Flora und Fauna. Da Sandrasen typische Pionier-Lebensräume sind, die frei von Gehölzen bleiben müssen, war es notwendig für das Fehlen der militärischen Nutzung durch Panzer und schwere Fahrzeuge einen Ersatz zu finden. Die zunächst angestrebte Schafbeweidung, die sich andernorts gut bewährt hat, ließ sich mangels einer geeigneten Schäferei nicht umsetzen. So kam die Idee auf, auf der Fläche Wildpferde einzusetzen.
Der Ansatz, das Europäische Erhaltungszuchtprogramm für Przewalskipferde mit dem Erhalt europaweit bedeutsamer Lebensräume des FFH-Schutzgebietes Campo Pond zu verknüpfen, fand schnell Freunde und Unterstützer, lobt Hessens Umweltministerin Priska Hinz. Heute sorgen die einst fast ausgestorbenen Wildpferde in Hanau dafür, dass andere seltene Arten eine Überlebenschance bekommen, in dem sie neue Baumtriebe verbeißen, das Gelände von Unterholz freihalten und so die Sand-Magerrasen offen halten.
Dass die Beweidung mit Wildpferden sehr gut funktioniert, zeigt das jährlich vom Regierungspräsidium Darmstadt in Auftrag gegebene Monitoring der Pflanzenwelt. Besonders erfreulich ist die Zunahme der seltenen Sand-Strohblume, die stark von der Pferdebeweidung profitiert. Gleiches gilt für die sich ebenfalls ausbreitende Besenheide. Mit Hilfe spezieller Nistkästen soll zudem in den kommenden Jahren der in Hessen vom Aussterben bedrohte Wiedehopf in das Schutzgebiet gelockt werden.
Neben den Wildpferden kann das Schutzgebiet noch mit einer weiteren Sensation aufwarten. Im Jahr 2014 wurden zwei Urzeitkrebs-Arten, der Sommer-Feenkrebs (Branchipus schaefferi) und der Kiemenfuß (Triops cancriformis) im FFH-Gebiet nachgewiesen. Beide Arten haben Millionen Jahre als sogenannte lebende Fossilien überdauert. In ganz Hessen gab es seit dem Jahre 1906 keinen einzigen Nachweis dieser hochgradig vom Aussterben bedrohten Tiere. Deutschlandweit gibt es aktuell nur noch rund 20 Vorkommen. Die Tiere brauchen ungedüngte, nährstoffarme Kleingewässer ohne Fische, um zu überleben.
Neben dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm für Przewalskipferde und den am Projekt beteiligten Zoologischen Gärten Köln, Hellabrunn und Nürnberg gilt das Lob der Ministerin vor allem dem Einsatz des Bundesforstes. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben/Sparte Bundesforst stellt als Grundstückseigentümer das Gelände für das Wildpferde-Projekt zur Verfügung und hat die Koppeln für die Tiere errichten lassen. Der Bundesforst trägt auch die Kosten für den Transport der Tiere und die tierärztliche Versorgung durch den Zoo Frankfurt. Die Deutsche Bahn steuert Ökopunkte (naturschutzrechtliche Kompensationsmittel) zur Projektfinanzierung bei. Dank gilt auch der Stadt Hanau, sie unterstützte alle wichtigen Projektabschnitte und sorgt für die Betreuung der Pferde. Wichtig für den großen Erfolg sei, betonte Ministerin Hinz, dass die Bevölkerung das Areal aktiv nutzen kann. Das Schutzgebiet werde jetzt naturverträglich als Ort für Umweltbildung und Umweltlernen genutzt.
Umweltministerium Hessen

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