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Heinz-Harald Krauß †

Heinz-Harald Krauß †

Ofm. Dr. sc. Dr. hc. Heinz-Harald Krauß ist am 3.6.2010 im Alter von 90 Jahren gestorben. Der Forstwissenschaftler war über 40 Jahre lang am Institut für Forstwissenschaften in Eberswalde tätig. Heinz-Harald Krauß wurde am 13.11.1919 im thüringischen Saalfeld geboren. Er legte 1938 das Abi­tur ab und wurde zur Wehrmacht eingezogen. Nach Verwundung erhielt er ein halbes Jahr Fronturlaub, in dem er ein Studium für Forstwirtschaft an der Münchener Universität begann. Bald darauf wieder an der Front, wurde er in Russland verwundet.
Als Schwergeschädigter setzte er sein Studium­ in München fort, absolvierte die letzten Semester an der Univ. Göttingen in Hann.-Münden. Dort graduierte er 1947 zum Diplom­forstwirt, ging dann zurück in seine Heimat Thüringen. Er war als Referendar im Forstamt Unterneubrunn tätig, wechselte an die Versuchsabteilung für forstliche Standortskartierung in Jena, wurde an das Landesforstamt in Weimar/Erfurt versetzt. 1950 wurde er in die Hauptabtei­lung Forstwirtschaft des Ministe­riums für Land- und Forstwirtschaft der DDR in Berlin berufen und war bis 1952 Referent für Waldbau. In diesen Jahren legte er die große Staatsprüfung in Eberswalde ab. Er wechselte an das neu gegründete Institut für Forstwissenschaften in Eberswalde und baute eine Abteilung Forstdüngung und -melioration auf.
Die Ergebnisse der Kalkungs- und Meliorationsversuche fasste Krauß in seiner Dissertationsschrift zusammen und promovierte zum Dr. rer. silv. Parallel zu den Arbeiten über die Kieferndüngung begründete er ein wissenschaftliches System optimaler Bodenkennwerte für Forstbaumschulböden. Im Rahmen dieser Arbeiten promovierte er 1971 zum Dr. sc. Außerdem erwarb er sich besondere Verdienste bei der Einführung von Nadelanalysen bei Wirtschaftsbaumarten. 1971 wurde aus politischen Gründen die Abteilung Forstdüngung und -melioration­ in ein Fachgebiet zurückgestuft.
Es kennzeichnet den Charakter von H.-H. Krauß, dass sein Enga­gement ungebrochen blieb. Auch nach seiner Pensionierung 1984 arbeitete er wissenschaftlich weiter und hatte wesentlichen Anteil an der Herausarbeitung der Ursachen für die „neuartigen Waldschäden“ im Thüringer Wald und den Maßnahmen zu deren Beseitigung.
Bis ins hohe Alter war H.-H. Krauß dem Neuen aufgeschlossen, aber auch kritisch gegenüber Bewirtschaftungsformen, die unter dem Begriff „Ökologischer Waldbau“ zu einer nicht hinzunehmenden Verminderung der Massen- und Flächenleistung führen.
Es mag für H.-H. Krauß eine große Genugtuung gewesen sein, als ihm nach der politischen Wende die Institution, an der er seine forstliche Laufbahn begann, die Forstliche Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München die Ehrendoktorwürde verlieh. Wir werden H.-H. Krauß in dankbarer Erinnerung behalten. Er hat sich durch seine wissenschaftlichen Ergebnisse ein bleibendes Denkmal gesetzt.
Prof. Dr. Dieter Heinsdorf

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