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Heinrich von Salisch – Vor 125 Jahren erschien seine „Forstästhetik“

Heinrich von Salisch – Vor 125 Jahren erschien seine „Forstästhetik“

Ein Beitrag von Albrecht Milnik.
In: Archiv für Forstwesen und Landschaftsökologie, Heft 4/2010 vom 30.12.2020, S. 188/189

1885 erschien beim Verlag von Julius Springer in Berlin ein Werk mit dem neuartigen Titel „Forstästhetik“, verfasst von dem schlesischen Gutsbesitzer und Forstmann Heinrich von Salisch (1846 – 1920). Zwar gab es Vorläufer, die sich zur Waldesschönheit geäußert hatten (u.a. Wilhelm Gilpin 1791, Wilhelm von der Borch 1824, Wilhelm Pfeil 1841, Voßfeldt 1855), aber erst Salisch fasste alle Gedanken systematisch zusammen, erweiterte  sie und begründete damit ein eigenständiges Lehrgebiet. 1902 und 1911 folgten weitere Auflagen des Buches. Überdies hielt er etliche ergänzende Vorträge. Er bewirkte, dass das Thema Forstästhetik auf die Tagesordnung der VI. Hauptversammlung des Deutschen Forstvereins in Darmstadt 1905 gesetzt wurde. Ein Beschluss der Versammlung enthielt zwei Leitsätze:
  1. „Die Bewirtschaftung der Waldungen nach Schönheitsrücksichten ist als ein in den wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen der Gegenwart begründetes Bedürfnis anzusehen.
  2. Die zuständigen Ministerien der Einzelstaaten sind zu ersuchen, die Abhaltung besonderer Vorlesungen über Waldschönheitslehre an Hochschulen in die Wege zu leiten.“
Es ist hier nicht der Raum, die Hemmnisse darzustellen, die sich der Umsetzung dieser Leitsätze in den Weg stellten. ­Salisch erlebte noch den Beginn der Katastrophen des 20. Jahrhunderts, die wenig Platz für forstästhetische Bestrebungen ließen (Weltkriege und Wirtschaftskrisen).

Heinrich von Salisch übernahm 1874 den Familienbesitz in Postel (poln. Postolin) bei Militsch (Milicz), etwa 50 km nördlich von Breslau (Wrozlaw) gelegen. Es war nach schlesischen Maßstäben ein kleines Gut von 910 ha (1920: 1 049 ha). Den größten Teil nahm der Wald ein (675 ha, 1920: 809 ha). Es gehörte zur Tradition der Familie, sich forstlich zu bilden. Auch Heinrich von Salisch studierte von 1869 bis 1872 an der preußischen Forst­akademie Eberswalde, unterbrochen durch Kriegsdienst in Frank­reich. Über die Studienzeit hinaus unterhielt er Beziehungen zu Akademiedirektor Bernhard Danckelmann. Er widmete seinem verehrten Lehrer später die Danckelmann-Linie, eine Schneise im Posteler Wald. Salisch entwickelte ein besonderes Durchforstungsverfahren entsprechend dem anfangs mangelhaften Zustand seines Waldes und dem beträchtlichen Holzbedarf für den landwirtschaftlichen Betrieb. Er förderte das Laubholz und führte Astungen zur Verbesserung der Holzqualität durch.

In seiner Rastlosigkeit betätigte er sich im Interesse des Gemeinwohls in seiner Gemeinde (u. a. Neubau einer Kirche), in der Region (Kreistag) und für den Staat (von 1893 bis 1903 Abgeordneter des Deutschen Reichstages). Mit besonderem Eifer wirkte er im Schlesischen Forstverein, dem er ab 1872  48 Jahre angehörte (Referent, zeitweilig Mitglied des Vorstandes, 1914 Ehrenmitglied). Einen Höhepunkt seines forstlichen Wirkens bildete die Exkursion des Schlesischen Forstvereins ins Revier Postel 1904.
Die Gedanken über Waldesschönheit erhielten 2005 einen Auftrieb durch das Buch „Waldästhetik“ von Wilhelm Stölb (Verlag Kessel). Darauf folgte 2009 eine neue Auflage von Salischs „Forstästhetik“ im Verlag Kessel mit einem Geleitwort von Wilhelm Stölb und einem Prolog von Jerzy Wisniewski. Als emeritierter Professor der Forstfakultät Poznan wandte sich Jerzy Wisniewski dem Leben und Werk Heinrichs von Salisch zu. Im Juni 2010 organisierte er anlässlich des 90. Todestages Salischs im Zentrum für Waldkultur in Goluchow ein internationales Symposium. Daran nahmen von polnischer Seite der Präsident der Polnischen Forstgesellschaft Prof. Dr. habil. Dr. h.c. Andrzej Grzywacz und der Direktor der Forstlichen Forschungsanstalt Warszawa Prof. Dr. habil. Tomasz Zawila-Niedzwiecki, weitere Wissenschaftler und viele Forstleute teil. Aus den USA war Prof. Walter L. Cook angereist (er hatte die Übersetzung der „Forstästhetik“ ins Englische veranlasst). Das Zentrum für Waldkultur bot sehr gute Bedingungen für den Ablauf des Symposiums. Mit dem Symposium verbunden war eine hervorragend organisierte Exkursion in den Posteler Wald (Oberförsterei Milicz). In diesem Rahmen fand die Enthüllung einer Gedenktafel für Heinrich von Salisch in der Posteler Kirche statt. Nach der Besichtigung des abwechslungsreichen Reviers wurden entsprechend den Traditionen des Schlesischen Forstvereins drei Erinnerungseichen gepflanzt. Zum Abschluss ehrten die Teilnehmer Heinrich von Salisch mit einem Gebinde an seinem Grab.
Im September 2010 gab Jerzy Wisniewski seine in deutscher Sprache geschriebene Salisch-Biographie heraus (Verlag Bogucki). Das Buch ist dazu angetan, das Interesse an dem Werk Heinrichs von Salisch zu beleben, insbesondere an seinen Gedanken zur Forstästhetik, die vielfache Beziehungen zum Naturschutz in sich birgt. Wisniewski hat mit seinem Buch einen weiteren Weg zur Annäherung an unseren polnischen Nachbarn geebnet. Es ist ein Gebot der Stunde.
Dr. habil. Albrecht Milnik

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