Diese Fichten haben den idealen Durchmesser für das Woody H40 von Konrad Forsttechnik
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Heimpremiere für das Harvesteraggregat Woody H40

25. April 2018

Die Fachbesucher der Luzerner Forstmesse 2017 staunten nicht schlecht: Stand doch da auf dem Stand von Konrad Forsttechnik ein ganz neuer Harvesterkopf. Etwas weniger Getöse gab es dann einige Wochen später auf den Ossiacher Forsttagen, wo das Aggregat Woody H40 sein Heimpremiere feierte. Forst & Technik war im Februar beim ersten Praxiseinsatz dabei.

Solche Ausstellungen sind wie die Winterfütterungen der Jäger: Sie locken die Besucher an, man pflegt auf ihnen bestehende Kontakte und stellt neue her. Besteht kein Interesse am neuen Produkt, kann man es relativ unauffällig in der Versenkung verschwinden lassen. Bei diesem Aggregat wird das definitiv nicht passieren. Forst & Technik war die erste Fachzeitschrift, die den Woody H40 bei der Arbeit sehen konnte. Mit entsprechend hohen Erwartungen ging es nach Preitenegg, denn wenn Konrad etwas baut, hat das normalerweise Hand und Fuß.

Ideale Probefläche

Der Wald von Markus Konrads Nachbar ist die ideale Probefläche: Fichte, etwas dicht stehend, BHD zwischen 15 und 35 cm, stark beastet, ein klassischer Fall von Durchforstungsrückstand. Das sollen der Bagger und das neue Aggregat bearbeiten. Gleich auf den ersten Blick ist die Verwandtschaft des neuen Kopfes mit seinem großen Bruder, dem H61, erkennbar. Der Querbalken des Aufhängebügels ist groß dimensioniert, weil er auch den Steuerblock beherbergt. Damit ist am Rücken des Aggregates Platz für den Schwenkzylinder, der den unteren Teil des Kopfes für das Sortieren hochzieht. So können die Messer das Holz besser manipulieren – noch immer ein Alleinstellungsmerkmal der Konrad-Köpfe. Zwei schmale Metallrollen ziehen den Stamm durch die Messer. Deren Druck auf das Holz kann der Fahrer verstellen, um auch in der maischäligen Zeit Leistung zu haben. Die kompakte Bauform zwang zur Verwendung nur eines Zylinders für beide Walzen.

Der Kopf hat vier Messer, wobei immer drei in eine der Richtungen arbeiten. Die Hauptmesser- und Haltearme sind gleich angeordnet wie beim H61, also einmal zwei auf einer und dann eines auf der anderen Seite oberhalb der Walzen. Die Messer öffnen 75 cm weit, also kann der Fahrer schon mal einen ganzen Baum auf einmal fassen und sauber für den Rücker ablegen. Beim Fällen ist der Kopf auf 40 cm begrenzt, da sollte aber eine passende Maschine dahinterstehen. Schließlich haben solche Bäume auch mehr als einen Festmeter und das will man als Fahrer im Griff haben, ohne dass das Basisfahrzeug eine Verneigung vor dem Baum macht, wenn man ihn beizieht.

Hydraulik

Die Säge als Leistungsfresser profitiert natürlich von höheren Pumpenvolumen und Durchflüssen. Beim kleinen Wacker Neuson ET 90 und seinen 70 PS scheint die Grenze schon fast unterschritten. 70 PS bloß? Das klingt mutig. Und tatsächlich, beim Trennen stärkerer Abschnitte bleibt die Säge ab und an stecken. Sepp Konrad meint aber, dass eine Anpassung des Sägemotors dieses Problem beseitigen wird. „Der Harvester hat noch keine 100 Fm geschnitten. Wir schauen, was es zu verbessern gibt. Aber wir werden das bald alles im Griff haben.“ Erste Einsätze auf einem Noe-Schlepper zeigten, dass 170 PS auch passen. Das mit dem korrekten Schnitt wird also funktionieren, wenn der Kopf in den Verkauf geht. Mit rund 600 kg ist der Woody H40 recht leicht geworden. Hochwertige Stähle helfen, das Gewicht niedrig zu halten. Das macht ihn für viele Forstgeräte interessant.

Wacker-Neuson-Bagger

Jetzt kommt die von Konrad gewählte Basismaschine ins Spiel. Markus Konrad hat einen neuen Wacker-Neuson ET 90 gekauft, eine waschechte Baumaschine – frisch vom Fließband des größten Kleinbaggerherstellers der Welt. „Wir wollen neue Kundenkreise erschließen“, erläutert er. Es gäbe viele mittelgroße Waldbesitzer, die für einen Bagger immer etwas zu tun haben, im Winter das Gerät aber nicht nutzen könnten. Da bietet der kleine Kopf eine Möglichkeit, das Basisgerät über das ganze Jahr auszulasten.

Ein ET 90 ist für rund 70 000 € zu haben. Der Woody kommt ohne Steuerung mit rund 38 000 € netto dazu. „Dann hat der Kunde eine Maschine, mit der er günstig in schwachen Beständen arbeiten kann.“ Klar, die Hybridketten mit ihrer Gummiauflage begrenzen das Einsatzgebiet. Mit dem angebauten Stützfuß, der in der Profiversion auch teleskopierbar sein wird, ist manch steilerer Hang doch gut zu bearbeiten. Die Reichweite von etwas über 7 m scheint erstmal nicht so toll. Der Bagger ist mit 2,25 m bei 45 cm breiten Ketten aber recht schmal, sodass er auch entferntere Stämme mit kleinen Stichfahrten erreichen kann.

Die Anpassung des Baggers an den Kopf sei kein Problem. Für den Woody programmieren die Konrads noch eine vereinfachte Steuerung und wollen als Display einen kleinen Windows-Tablet einsetzen. Konrad will das Trägerfahrzeug und Harvesterkopf zusammen anbieten.

Fazit

Nach rund einer Stunde Zuschauen bleibt der Eindruck, dass Konrad Forsttechnik ein sehr ordentliches Gerät in den Wald schicken will. Das Aggregat ist recht schnell, entastet gut und kann vieles, was die größeren Köpfe herausragend macht. Der Bagger ist standfest, der Kran kommt mit den Belastungen scheinbar gut zurecht. Etwas mehr Leistung könnte der Deutz-Motor für die Säge bereithalten. Den Kommentar „Zu wenig Power“ hört man aber von den meisten Fahrern, die im Wald arbeiten. Man darf gespannt sein, wie der Markt das neue Konzept aufnimmt.

Anton Friedrich