Waldbau

Heimische Traubeneiche bewährt sich als Klimabaumart

Bearbeitet von Jörg Fischer

Die Zwischenergebnisse des Thüringer Klimabaumartenversuchs mit fünf bisher unerforschten Exoten zeigen momentan einen Gewinner: Die heimische Traubeneiche. Dagegen scheint die bulgarische Silberlinde keine Option für Thüringens klimaresiliente Zukunftswälder zu sein. Weitere nicht heimische Arten sind dagegen noch im Rennen, trotz einzelner Nachteile im Vergleich.

Seit 2012 forscht ThüringenForst auf einer Versuchsfläche in Nordthüringen an künftigen Klimabaumarten. „KLIP-18“ nennt sich dieser länderübergreifende Baumartentest mit rund 26.000 Pflanzen, der zeitgleich auch in Bayern, Österreich und der Schweiz durchgeführt wird. Die Dürrejahre 2018 bis 2020 haben die im Freistaat untersuchten fünf Nadel- und Laubbaumarten (Orientbuche, Türkische Tanne, amerikanische Westl. Hemlocktanne, Libanonzeder, Bulgarische Silberlinde) aus Osteuropa, Eurasien und Nordamerika und die als Vergleichsbaumart gepflanzte heimische Traubeneiche schon nach wenigen Versuchsjahren auf eine erste harte Probe gestellt. Die Versuchsauswertung nach nunmehr acht Jahren zeigt: Fast alle Baumarten überlebten und wuchsen trotz Dürre und hartem Winterfrost akzeptabel. Die vorläufig beste Performance zeigt jedoch momentan die heimische Traubeneiche, die Bulgarische Silberlinde verliert dagegen. Nach der Dürrephase treten jetzt erste Waldschutzprobleme mit Pilzen und Borkenkäfern auf. Es bleibt also spannend, auch für den derzeitigen Gewinner im Versuch.

ThüringenForst-Strategie: Das eine tun und das andere nicht lassen

„Die vorliegenden ersten Auswertungen bestärken uns, beim Waldumbau – neben anderen heimischen, trockenheitsertragenden Baumarten auch und gerade – auf die Traubeneiche in Mischung mit heimischer Winterlinde, Hainbuche und z. B. Wildkirsche zu setzen. Gleichzeitig behalten wir mögliche exotische Alternativen im Auge“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. In die Forstpraxis gelangen jedoch nur solche Kandidaten, die sich in strengen und langjährigen Versuchsserien behaupten konnten und keine Risiken für unsere heimischen Wälder aufwiesen.

Dass die sechs Baumarten noch einige Herausforderungen vor sich haben, liegt u. a. an der Versuchsfläche. Diese liegt in einer bereits heute trocken-warmen Klimaregion im Regenschatten des Harzes mit einer milden Jahresdurchschnittstemperatur von inzwischen schon über 11 °C und langjährig nur etwa 450 mm Niederschlag pro Jahr. Ein klimatisches Extrem, was bei voranschreitendem Klimawandel viele Waldorte der Hügellagen Thüringens künftig prägen wird. Schon in den ersten Jahren nach Versuchsbeginn fielen die Libanonzeder und die Türkische Tanne mit sehr hohen Pflanzausfällen auf, die nachgebessert werden mussten. Stärkstes Höhenwachstum mit rund 4,4 m zeigt die amerikanische Westl. Hemlocktanne, gefolgt von einem kaum differenzierten Mittelfeld, einzig die Silberlinde bildet abgeschlagen das Schlusslicht.

Interessanter Aspekt für die Forscher: In den Dürrejahren 2018 bis 2020 legte die Orientbuche mit einem mittleren Höhenzuwachs von 38,7 cm pro Jahr noch vor der Hemlocktanne mit 35,5 cm den stärksten Zuwachs hin. Mit zunehmendem Alter der Bäume nahmen die abiotischen Schäden zu: Sturm und Schnee setzen der Hemlock-Tanne und der Libanonzeder zu, beide plagt auch ein erster Befall durch heimische Fichten- und Tannen-Borkenkäferarten. Spätfrostschäden zeigten die Türkische Tanne und die heimische Traubeneiche, die allerdings den Zuwachsverlust durch den jährlich auftretenden Johannistrieb im August ausgleichen konnte.

Die heimische Traubeneiche zeigt sich wettbewerbsstark

Die heimische Traubeneiche zeigt in dieser ersten Versuchsauswertung keine entscheidenden Schwächen und hält sich bislang in den Vergleichskriterien überall stabil im guten Mittelfeld. „Nicht ganz überraschend für uns Forstleute: Die heimische Traubeneiche hatte rund 10.000 Jahre Zeit, sich an das hiesige Klima zu gewöhnen und selbst trocken-warme Regionen Nordeuropas zu besiedeln. In dieser Zeit wurde sie von der ebenfalls heimischen, wuchsstarken Buche von den besser wasserversorgten auf die trockeneren Standorte verdrängt. Das scheint ihr jetzt zum Vorteil zu gereichen“, so Gebhardt abschließend. Auf gut erprobte nicht heimische Baumarten wie Douglasie, Roteiche, Küstentanne oder Schwarzkiefer will ThüringenForst daher auch künftig nur selten setzen und wenn, dann stets in ausgewogener Baumartenmischung.

Quelle: ThüringenForst