Forstpolitik

Heereman übergibt Landtags-Weihnachtsbaum

Bearbeitet von Marc Kubatta-Große

Vielen Menschen ist in diesen Tagen aufgrund der allgemeinen Beschränkungen des täglichen Lebens gar nicht nach Weihnachten zumute. Dennoch hat der Waldbauernverband NRW auch in diesem Jahr rechtzeitig zum 1. Advent den Weihnachtsbaum für die große Eingangshalle des Landtags gestiftet.

Der Vorsitzende der Waldbauern, Dr. Philipp Freiherr Heereman, übergab in diesem Jahr mit viel Abstand und in sehr kleiner Runde die Weihnachtstanne an den Landtagspräsidenten André Kuper und die repräsentativ erschienenen Abgeordneten des Landtags.

Lage des Waldes äußerst ernüchternd

Mit im Gepäck hatte der Waldbauernvorsitzende diesmal neben dem Weihnachtsbaum viele orange 8en. Was es damit auf sich hat, erläuterte Heereman bei seinem traditionellen Bericht zur Lage des Waldes. Leider fiel dieser Bericht auch in diesem Jahr, angesichts des dritten Dürresommers in Folge, äußerst ernüchternd aus. Der gerade veröffentlichte Waldschadensbericht sowie ein Blick, zum Beispiel ins nahe gelegene Bergische Land, machen die Sorgen der Waldbesitzer überdeutlich.

Der Klimawandel sei im Wald voll angekommen, sagte Heereman. Die Wälder, so wie man sie kenne, werden sich wandeln. Der Waldumbau wurde bereits in den 80er Jahren begonnen. Doch aufgrund des rasanten Klimawandels mit seinen immer häufigeren Wetterextremen werde den Waldbauern gar keine Zeit mehr gelassen für einen behutsamen, ökologisch wie ökonomisch angepassten Umbau der Wälder. Aufgrund der seit 2018 entstandenen riesigen Kahlflächen sei es ein Waldumbau mit der Brechstange. Häufigere und größere Waldbrände sowie Unfälle durch unvermittelt umfallende Bäume waren schon dieses Jahr die Folge.

30 Jahre lang nur Kosten

Viele der 150.000 Waldbauern in NRW haben ein ganzes Lebenswerk verloren. Für eine ganze Menschen-Generation werden auf den Schadflächen 30 Jahre lang nur Kosten entstehen. Einnahmen der Familien, Einkommen im ländlichen Raum werden fehlen.

Das habe die Politik erkannt und Hilfsgelder für den Waldbesitz bewilligt. Dafür bedankte sich der Waldbauernvorsitzende. Gleichzeitig appellierte er an die Abgeordneten, jetzt nicht nachzulassen. „Wir sind noch nicht über den berühmten Berg“, stellte Heereman fest. Neben den vielen ökologischen und sozialen Leistungen des Waldes stehe auch die Versorgung mit dem Ökorohstoff Nummer 1 auf dem Spiel.

Appell für mehr Fördergelder

Die Aufarbeitungsarbeiten müssen unvermindert fortgeführt werden. Gleichzeitig werden im nächsten Jahr die Wiederaufforstungen anlaufen. Daher appellierte Heereman an die Politik, die Fördergelder für das kommende Jahr schnellstmöglich aufzustocken und die bereits eingestellten Gelder auch von Beginn des nächsten Jahres an zur Verfügung zu stellen. Nach aktuellem sei in NRW eine Schadfläche von ca. 85.000 ha wieder zu bewalden. Es bedürfe der Anstrengung aller, die Wälder im Klimawandel so zu erhalten und weiterzuentwickeln, dass sie auch weiterhin alle gesellschaftlichen Aufgaben wie bisher erfüllen können, so Heereman.

Klimaschutzbeitrag anerkennen und entlohnen

Der Waldbauernvorsitzende erklärte, dass die Walbesitzer in NRW durch aktive Waldbewirtschaftung ihren Beitrag leisten werden. Denn „Nichtstun“ sei keine Option, wenn der wichtigste Klimaschützer, der Wald, seine Klimaschutzfunktion, also die Aufnahme von Kohlendioxid aus der Atmosphäre, optimal erfüllen soll.

Damit kommt die orange 8 ins Spiel: Der deutsche Wald kompensiert im Jahr durchschnittlich 8 Tonnen Kohlendioxid pro Hektar. In weiten Teilen Nordrhein-Westfalens liege dieser Wert, gerade bei den Nadelbäumen, sogar noch deutlich darüber. Diesen Klimaschutzbeitrag gelte es jetzt anzuerkennen und gerecht zu entlohnen. Heereman bat die Abgeordneten, sich auch weiterhin auf Bundesebene hierfür einzusetzen: „Damit die Waldbauern weiterhin ihre Flächen bewirtschaften und durch die Bewirtschaftung aktiv den Klimawandel bekämpfen können, brauchen sie endlich eine faire Honorierung ihrer Klimaschutzleistungen – der CO2-Bindung.“

Zuletzt wünschte der Waldbauernvorsitzende den Abgeordneten besinnliche Weihnachtstage und bald wieder frohe Botschaften – den Menschen in dieser ganz außerordentlichen Zeit und dem Wald im kommenden Jahr.

WBV-NRW/Red.