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Hausdurchsuchungen nach Überladung

Hausdurchsuchungen nach Überladung

Am 27. Februar 2013 fand bei der Egger Holzwerkstoffe Wismar GmbH & Co. KG eine vom Amtsgericht Bad Segeberg genehmigte Hausdurchsuchung statt, veranlasst hatte dies der Polizei-Verkehrsüberwachungsdienst Schleswig-Holstein. Auch bei einzelnen Fuhrunternehmen gab es Durchsuchungen zur Beweissicherung. Sichergestellt wurden bei Egger u. a. Wiegeprotokolle der Werkseingangsvermessung. 45 Fuhrunternehmen aus dem norddeutschen Raum und bis nach Sachsen wurde auf diese Weise Überladung nachgewiesen. Bis auf ein dänisches waren sämtliche kontrollierten Fuhrunternehmen deutsche Firmen.

Egger ist laut eigener Mitteilung „in diesem Verfahren Zeuge“ und kooperiert mit den Behörden. „Unsere Lieferanten weisen wir bei der Warenannahme grundsätzlich auf die geltenden gesetzlichen Bestimmungen hin. Deren Einhaltung muss jedoch durch die Speditionen sichergestellt werden“, so Ralf Lorber, Geschäftsführer Finanzen/Verwaltung bei Egger Wismar.

Der „Rekordhalter“ war mit 59 t Gesamtgewicht in Wismar auf den Hof gerollt. Doch gab es auch eine „unglaublich hohe Zahl“ von Transporten mit Gewichten zwischen 45 und bis über 50 t, sagte Hauptkommissar Ingo Paßlack, der Leiter des Ermittlungsdienstes Vermögensabschöpfung beim Verkehrsüberwachungsdienst. Eine ähnliche Situation habe man in den vergangenen Jahren auch bei Schüttgut-Transporten erlebt.

Den Anlass lieferten laut Paßlack mehrere Holzspediteure, die in Schleswig-Holstein über Jahre hinweg immer wieder, teils sogar fast ausschließlich mit überladenen Fahrzeugen angetroffen wurden und oft auf dem Weg zum Egger-Werk waren. Als Gespräche und Verwarnungen nicht fruchteten, entschloss sich die Polizei zu dieser länderübergreifenden Aktion. Einen Durchsuchungsbeschluss zu bekommen, sei vor diesem Hintergrund „relativ einfach“ gewesen. Die anschließenden Verfahren wegen Ordnungswidrigkeit wurden teils selbst bearbeitet, teils an andere Länder abgegeben, um die dreimonatige Verjährungsfrist für solche Verstöße nicht zu überschreiten.

Paßlack kennt die Branche, er hat sich über Jahre mit Lkw-Fahrern zu informativen Stammtischen getroffen, bei denen manche Fahrer bekannten: „45 t müssen einfach sein.“ Paßlack weiß um den rechtlichen Rahmen der Sanktionen: „Die Firmen sollen nicht ruiniert werden durch die Vermögensabschöpfung.“ Die Angst in der Branche ist möglicherweise denoch nicht unberechtigt, dass dies drastische Kontroll-Verfahren Schule machen könnte: „Wenn sich nichts ändert, wird der Druck aufrecht erhalten“, warnt Hauptkommissar Paßlack.

Axel Jönsson

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