Holzindustrie, -verbände

Hauk: Heimische Wertschöpfungsketten unterstützen

Bearbeitet von Marc Kubatta-Große

Der baden-württembergische Forstminister Peter Hauk appelliert an alle Holzmarktteilnehmer, die heimischen Wertschöpfungsketten bis hin zu den Holzbaubetrieben bestmöglich zu unterstützen. Angemessene Rundholzpreise für die Waldbesitzer seien dafür die Grundvoraussetzung.

„Baden-Württemberg ist ein ausgesprochenes Waldland mit einer leistungsfähigen Forst- und Holzwirtschaft. Die aktuell sehr große Nachfrage nach Nadelschnittholz in Übersee und die damit einhergehende Exporttätigkeit vieler europäischer Nadelschnittholzproduzenten und -händler vor allem nach Nordamerika verändert auf den liberalen und globalisierten Märkten temporär bestehende Lieferströme. Dieser Umstand trifft auf eine sehr gute Binnennachfrage nach Nadelschnittholz“, sagte der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk MdL, am Freitag, 30. April in Stuttgart. Bei Gesprächen mit Branchen- und Verbandsvertretern sei klar zum Ausdruck gekommen, dass aufgrund der temporär hohen Nachfrage jeder gefordert sei, seinen Teil dazu beizutragen, die hiesigen Wertschöpfungsketten bis hin zu den Holzbaubetrieben bestmöglich zu unterstützen.

Generell kein Holzmangel

Da Wälder nachhaltig bewirtschaftet und nicht wie endliche Materialien abgebaut werden, besteht generell kein Holzmangel. Die derzeitige Lage an den Nadelschnittholzmärkten in Europa sei eine Gemengelage verschiedener Faktoren. Um die Dynamik der aktuellen Sondersituation zu entspannen, wird den Holzbauunternehmen empfohlen, keine Doppelbestellungen vorzunehmen oder unnötige Schnittholzlager zu bilden, was zu einer weiteren Anspannung am Markt führen kann.

Die Waldbesitzer werden dazu aufgerufen, das noch in den Nasslagern zur Konservierung zwischengelagerte Holz rasch den Sägewerken bereitzustellen und bei der Vermarktung die regional ansässigen Betriebe ausreichend zu versorgen. Frischholzmengen und Kalamitätshölzer seien zudem zügig anzudienen. „Die Waldbesitzer sollten die sich aktuell bietenden Marktchancen in Abstimmung mit den heimischen Sägewerken und im Rahmen der jeweiligen Möglichkeiten nutzen“, betonte Forstminister Hauk. Angemessene Rundholzpreise für die Waldbesitzer seien eine wichtige Grundvoraussetzung für die langfristige Versorgung der heimischen Märkte.

Auch andere Rohstoffe betroffen

Die aktuelle Situation beschränke sich nicht nur auf das Nadelschnittholz. Auch andere Bau- und Rohstoffe würden derzeit weltweit stark nachgefragt. Längere Lieferzeiten und anziehende Preise seien in einem solchen Marktumfeld die Folgen.

„Insgesamt ist die Branche gefordert, die künftigen Entwicklungen im Blick zu behalten. Eine Stärkung der heimischen Holzwirtschaft und der heimischen Holzbaubetriebe ist eine gute Investition in die Zukunft“, betonte Minister Hauk. Die verstärkte Einrichtung von Nasslagerplätzen zur Lagerung von Rundholz sowie längerfristige Lieferverträge würden dazu beitragen, immer wiederkehrende Marktspitzen zu glätten. Wichtig sei es, laufend im Gespräch zu bleiben und sich auszutauschen. Der Landesbeirat Holz e.V. sei hierfür eine geeignete Plattform.

US-Markt treibt die Preise

Die allgemeine europäische Marktsituation war die letzten drei Jahre (bis Herbst 2020) geprägt durch einen europaweiten großen Anfall von klimawandelbedingtem Kalamitätsholz. Ursachen waren mehrere aufeinander folgende Trockensommer und eine gravierende europäische Borkenkäferkalamität. Durch die großen Mengen an Schadholz war die europäische Sägeindustrie auch auf den Überseemarkt angewiesen, um die angefallenen Kalamitätshölzer zügig zu vermarkten.

In den letzten Monaten wurde der internationale Holzmarkt insbesondere zunehmend von der stark gestiegenen Schnittholznachfrage auf dem US-Markt beeinflusst, was sich spürbar auf den hiesigen Markt auswirkt. Weltweit gesehen besteht derzeit eine sehr große Nachfrage nach Nadelschnittholzprodukten. Die Gründe hierfür hängen u.a. stark mit der anhaltenden Niedrigzinspolitik, der Corona-Pandemie bzw. dem Lockdown und der damit verstärkten Beschäftigung der Menschen in und um Haus und Garten zusammen. Der nordamerikanischen Holzindustrie gelingt es zudem nicht, den inländischen Holzkonsum der USA zu befriedigen. Dies liegt unter anderem an Strafzöllen, die Ex-Präsident Trump gegen kanadische Holzimporte verhängt hat, die allerdings von der neuen US-Regierung deutlich gesenkt wurden, von durchschnittlich über 20 % auf rund 9 %. Zeitgleich kommt es im asiatischen Raum mehr und mehr zu einer Rohstoffverknappung (Bsp. China mit gestiegenen Rohstoffimportraten). Die deutschen Exporte von Nadelschnittholz nach China sind nach den letzten Daten des Statistischen Bundesamtes allerdings rückläufig zugunsten der Exporte in die USA.

Quelle: MLR