Waldschutz

Hat die Esche eine Zukunft?

Bearbeitet von Jörg Fischer

Das Eschentriebsterben ist mittlerweile flächendeckend in der Schweiz und vielen anderen Ländern Mitteleuropas verbreitet – und am Horizont droht der Eschenprachtkäfer. Trotzdem gibt es Hoffnung für die Esche. So das Fazit der Tagung „Zukunft der Esche“ an der Eidg. Forschungsanstalt WSL.

Nach dem Sturm „Lothar“ vor gut zwanzig Jahren sorgte man sich um eine „Vereschung“, nicht nur in der Schweiz: Die konkurrenzstarke Esche, damals der zweithäufigste Laubbaum der Schweiz, wuchs auf vielen der Windwurfflächen auf. Das ist mittlerweile Geschichte. „Man freut sich über jede gesunde Esche“, fasste ein Teilnehmer der internationalen Tagung „Zukunft der Esche“, zu der sich Fachleute aus Wissenschaft, Behörden und Praxis an der WSL zu einem Austausch trafen, die aktuelle Situation des Baums zusammen.

Denn die Esche leidet massiv unter dem „Falschen Weißen Stängelbecherchen“ (Hymenoscyphus fraxineus). Dieser aus Asien eingeschleppte Pilz kommt hierzulande wie in weiten Teilen Mitteleuropas flächendeckend vor und löst das Eschentriebsterben aus. Infizierte Eschen verlieren ihre Blätter, Triebe sterben ab, die Kronen lichten sich. Manche entwickeln Verletzungen im unteren Bereich des Stammes, die eine Eintrittspforte für andere Schadorganismen bilden.

Großteil der Eschen infiziert

Sogenannte Stammfussnekrosen bedrohen die Standfestigkeit der Bäume.
Sogenannte Stammfussnekrosen bedrohen die Standfestigkeit der Bäume.
Foto: D. Rigling/WSL

Während ältere Bäume dem Pilz lange widerstehen können, sterben junge Eschen oft innerhalb weniger Jahre ab. Der größte Teil der Eschen sowohl in der Schweiz wie in den meisten Teilen Europas ist infiziert und zeigt Symptome der Krankheit. Heute hierzulande bereits nur noch dritthäufigster Laubbaum der Schweiz, dürfte die Esche in Zukunft noch weiter zurückgehen.

„Aber wir sehen in ganz Mitteleuropa, dass ein paar Prozent der Eschen tolerant gegen das Eschentriebsterben sind“, fasste Eckehard Brockerhoff von der WSL zum Abschluss der Tagung eine wichtige Erkenntnis zusammen. „Man kann aber nicht genug betonen, wie wichtig es ist, dass gesund erscheinende Bäume stehen bleiben“, unterstrich er eine mehrfach geäußerte Forderung.

Anreize zur Erhaltung gesunder Eschen

Möglichst viele gesunde Eschen im Wald zu lassen ist hauptsächlich wichtig, damit potenziell pilz- und käfertolerante Individuen erhalten bleiben. Solche Bäume könnten den Fortbestand der Esche sichern. Zudem sind sie wesentlich für die Resistenzforschung und die Zucht toleranter Bäume. Allerdings kann es aus Sicht der Förster wirtschaftliche oder sicherheitstechnische Gründe geben, auch diese Bäume zu fällen. Gezielte Anreize für die Erhaltung und Förderung der Bäume könnten daher helfen, lautete ein Vorschlag.

Programme zur Rettung der Esche laufen nicht nur in der Schweiz, sondern in vielen europäischen Ländern. „Das gibt Hoffnung, dass die Esche ihre regionalen Anpassungen behält“, sagte Valentin Queloz, einer der Organisatoren der Tagung. Ein von allen verfolgter Ansatz ist die Resistenzforschung. In Österreich etwa plant man, in etwa 15 bis 20 Jahren Eschenplantagen mit resistenten Elternbäumen für die Samenproduktion zu haben – sogenannte Samenplantagen.

Mit Viren gegen Pilze

Gut zu erkennen: eine Esche mit einem kranken Trieb
Gut zu erkennen: eine Esche mit einem kranken Trieb
Foto: V. Queloz/WSL

Zudem gibt es weitere Ansätze: An der WSL etwa untersucht man Viren, die den krankheitserregenden Pilz infizieren. Möglicherweise könnten sie diesen ungefährlicher für die Esche machen und dereinst als biologische Waffe gegen das Eschentriebsterben dienen. Andere Forschende suchen nach Ersatzbaumarten, die in einem „worst case-Szenario“ die „Eschen-Lücke“ füllen könnten – für die Biodiversität wie die Holzwirtschaft.

Selbst in Bezug auf den asiatischen Eschenprachtkäfer (Agrilus planipennis) gibt es Hoffnung. Die Larven dieses Käfers fressen hauptsächlich in der Rinde der Eschen. Wie das eingeschleppte Stängelbecherchen schadet er asiatischen Eschen kaum. Andere kann er töten. Der Käfer hat sich bereits in weiten Teilen der USA sowie im Westen Russlands und angrenzenden Gebieten der Ukraine etabliert.

Einerseits sollen gewisse Vorsichtsmaßnahmen seine Einschleppung verhindern. Andererseits deuten neue Resultate von WSL-Forschenden darauf hin, dass bei manchen Bäumen eine sogenannte Kreuzresistenz zwischen Eschentriebsterben und -prachtkäfer bestehen könnte: Eschen, die ersterem gegenüber tolerant sind, scheinen auch den Käfer besser in Schach halten zu können.

Es besteht also Hoffnung

Brockerhoffs Fazit: „Es besteht Hoffnung für die Esche.“ Auch wenn diese Hoffnung bei den Forschenden stärker ausgeprägt scheint als bei den Praktikern, die mit den kranken und sterbenden Bäumen direkt konfrontiert sind. Doch auch dort sehen manche Licht im Dunkel: Der Ausfall der Eschen kann beispielsweise die natürliche Durchforstung und andere Baumarten fördern.

Laufende Projekte zum Eschentriebsterben:

  • RESISTASH: Resistenzmechanismen der Esche gegenüber dem Eschentriebsterben und dem asiatischen Eschenprachtkäfer
  • DEFENDASH: Die multi-tropischen Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Eschen-Genotypen, ADB, EAB und deren natürlichen Feinden unter verschiedenen klimatischen Bedingungen verstehen
  • SURVIVASH: Tolerante Schweizer Eschen gegen neue Schädlinge testen
Quelle: WSL