Holzernte

Umweltschützer brennen Harvester ab

Bearbeitet von Oliver Gabriel

Im Dezember 2018 und im Januar 2019 haben Umweltschützer in Baden-Württemberg einen Forstspezialschlepper beschädigt und in Nordrhein-Westfalen einen Harvester abgebrannt. Sie wollten damit offensichtlich ein Zeichen gegen den Maschineneinsatz
im Wald setzen. In Nordrhein-Westfalen fand die Polizei sogar ein Bekennerschreiben.

Forstunternehmer sind Kummer gewohnt. Sie lassen ihre Maschinen über Nacht und Wochenende meist an der Baustelle im Wald stehen. Aber selbst wenn sie versteckt und abseits abgestellt werden, bleibt der Schreck am nächsten Arbeitstag nicht immer aus. Unbekannte haben die Scheiben zertrümmert, Werkzeug entwendet, Reifen platt gestochen, Rückfahrkameras oder Scheinwerfer gestohlen. Besonders häufig pumpen sie Diesel ab und beschädigen dabei den Einfüllstutzen so, dass der ganze Tank ausgewechselt werden muss.

Die Schadsummen liegen in der Regel bei mehreren tausend Euro, auf denen die Unternehmer je nach Selbstbeteiligung bei ihrer Versicherung oft sitzen bleiben. Aber auch größere Beträge kommen leicht zusammen, wenn etwa der Feuerlöscher in der Kabine entleert, Sand in den Öltank gefüllt oder gleich die ganze Maschine abgefackelt wird.

Protestaktionen im Forst

Wer macht so etwas, fragt man sich?  Insider vermuten, dass ein Teil dieser Schäden auf das Konto von Unternehmerkollegen geht, die einem auswärtigen Wettbewerber schaden wollen oder so knapp bei Kasse sind, dass sie Ersatzteile und Diesel stehlen. Bei dem einen oder anderen Maschinenbrand ist  auch Versicherungsbetrug nicht ausgeschlossen.

Ganz anders gelagert sind zwei aktuelle Fälle, die kurz vor Weihnachten 2018 und Mitte Januar bekannt wurden. Sie bringen eine neue Qualität in das Geschehen, weil bei ihnen offenbar Täter am Werk waren, die gegen die Holzernte allgemein und den Forstmaschineneinsatz im Speziellen ein Zeichen setzen wollten.

Vandalismus im Eichwald

In der Nacht zum 26. Januar nahmen sich in Baden-Württemberg Unbekannte den Forstspezialschlepper Welte W130 eines Sulzburger Forstunternehmens vor. Sie schlugen zwei Seitenscheiben der Kabine ein, beschädigten eine weitere und demolierten auch den Bord-PC und die Steuerhebel. Der Unternehmer bezifferte die Schäden auf mehrere Tausend Euro.

Er rückte im Auftrag der Stadt Müllheim bei Freiburg Holz im Eichwald. Dort führte die Stadt Verjüngungshiebe aus, gegen die sich eine Bürgerintiative gegründet hatte, der die Eingriffe zu radikal erschienen. Nicht nur der Forstunternehmer bringt die Beschädigung der Maschine mit dem Protest gegen die Holzernte in einen Zusammenhang. Ende Februar haben dann zwei Jungen gestanden, die Maschine mit Steinen beworfen zu haben.

Brandstiftung im Naturschutzgebiet

Eindeutiger liegt der Fall beim Ponsse Ergo des Forstunternehmers Jens Heuel aus Sundern. Er hatte den Harvester am 19. Dezember südlich von Dortmund an einem Waldweg im Naturschutzgebiet „An der Panne“ abgestellt. Gegen 22 Uhr zündete ein unbekannter Täter die Maschine an. Laut Polizei entstand ein Gesamtschaden von rund 500 000 €. Wie uns das Unternehmen mitteilte, schloss die Polizei einen technischen Defekt als Brandursache aus, weil sie am Tatort ein Bekennerschreiben gefunden hat. Darauf stand nach Auskunft der Polizei: „Machst du unseren Wald kaputt, dann machen wir dich kaputt!“

Es trifft die Falschen

Nicht auszudenken, sollten solche Anschläge im Wald Schule machen. So wie in den Großstädten, in denen es sich scheinbar zum Sport entwickelt hat, Autos abzufackeln. In Berlin ist das bis Anfang Februar schon 25 Mal passiert. Dabei treffen die Täter ohnehin die Falschen, schließlich sind die Forstunternehmer nur Dienstleister und entscheiden gar nicht, ob und wie ein Wald bewirtschaftet wird. Die Anschläge haben aber in der Regel gravierende Folgen.

Man könnte jetzt sagen, das zahlt doch die Versicherung. Doch so einfach ist das nicht. Der Ärger und die Umstände sind nach einem solchen Ereignis gewaltig. Jens Heuel musste zwei Unternehmer beauftragen, um die abgebrannte Maschine bergen und auf den Tieflader verladen zu können. Der brachte sie zu Wahlers Forsttechnik nach Stemmen, wo sie nun mit großem Aufwand repariert wird. Acht bis zehn Wochen wird das voraussichtlich dauern. Eine Ersatzmaschine war nicht verfügbar, weil der Gebrauchtmaschinenmarkt leergefegt ist. Bis Ende März oder Anfang April kann das Unternehmen nun seine Aufträge nicht wie geplant abarbeiten – und kann außerdem den Fahrer nicht weiter beschäftigen. Während Einnahmen des Auftrages ausfallen läuft die Finanzierung des zwei Jahre alten Harvesters jedoch weiter.

Weitere Kosten entstehen, weil Heuel seine Maschinen in Zukunft verständlicherweise nur noch dort unterstellt, wo sie unter Aufsicht stehen. Sie müssen dafür umgesetzt werden, und die Fahrer müssen weitere Fahrtwege in Kauf nehmen. Nicht zuletzt untersucht ein Fachunternehmen, ob der Maschinenbrand zu Umweltschäden im Boden und im Grundwasser geführt hat und ob der Boden ausgetauscht werden muss. Auch das muss bezahlt werden.

Für Jens Heuel steht eines fest: „Diesen großen finanziellen Schaden können wir gar nicht wieder auffangen. Die emotionale Anspannung und die Existenzängste lassen sich ohnehin nicht beziffern.“

Die Polizei hat die Ermittlungen mittlerweile ohne Ergebnis eingestellt.

Oliver Gabriel