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Das Projekt „Biodiversität und Schalenwildmanagement in Wirtschaftswäldern“ der ANW wird mit 2,6 Mio € vom BfN gefördert.

Halbzeit beim BioWild-Projekt der ANW

Über sechs Jahre wird auf bundesweit 248 Weisergatterpaaren der Einfluss des Schalenwildes auf die krautige und holzige Vegetation erfasst. Am 14.11.2019 hatte die Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft, Träger des BioWild-Projektes, zu der Halbzeitveranstaltung in das Hotel „Saarschleife“ eingeladen.

Die Entwicklung dieser Biodiversität hat maßgeblichen Einfluss auf die Stabilität des gesamten Ökosystems Wald. Vor dem Hintergrund der aktuell besorgniserregenden Waldschäden darf nicht nur der klimastabilere Mischwald, sondern muss das Gesamtgefüge „Wald“ in den Fokus genommen werden – und das wird im BioWild-Projekt in vorbildlicher Weise getan, so Jakob Pöllath vom BfN. Er überreichte dem Projektverantwortlichen Hans von der Goltz, sowie den Wissenschaftlern der Universitäten Göttingen, Dr. Torsten Vor, der TU Dresden, Prof. Dr. Michael Müller und Claudia Jordan-Fragstein und der TU München Kai Bödeker die Auszeichnung der UN Dekade „Biologische Vielfalt“. In seinen Dankesworten betonte der Bundesvorsitzende der ANW, Hans von der Goltz: „Die Biodiversität hat großen Einfluss auf die Stabilität des Ökosystems Wald. Je weiter sich die Artenzusammensetzung von den natürlichen standörtlichen Möglichkeiten entfernt, desto größer wird das Waldverlustrisiko. Daher müssen wir speziell jetzt im Klimawandel alles dafür tun, so naturnah wie möglich zu wirtschaften.“

BioWild-Projekt der ANW präsentiert erste Ergebnisse

Die aktuell besorgniserregenden Waldschäden durch Trockenheit, Hitzerekorde und Stürme haben Wald und seine Funktionen uns Nutzern plötzlich ins Bewusstsein gerückt. Unser Wald steht uns nicht wie selbstverständlich zur Verfügung. Er hat sich in seiner gewohnten Form bereits auf über 200.000 ha in Deutschland verabschiedet. Verantwortlich handelnde Politik muss rasch und konsequent alle vom Menschen beeinflussten Hindernisse auf dem Weg zum klimastabileren Wald ausräumen. Ein nicht ganz unwichtiger Faktor hierbei ist das Wild.

Die Pilotregion Saarland zwischen Mettlach und Losheim am See umfasst Staats- und Privatwald. Weil fast überall Rot-, Reh- und punktuell Muffelwild in unterschiedlich hohen Stückzahlen vorkommen hat es die nächste Waldgeneration aufgrund teilweise starker Verbissbelastung nicht leicht.

Aus den Halbzeit-Ergebnissen

Am 14.11.2019 hatte die Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft, Träger des BioWild-Projektes, zu der Halbzeitveranstaltung in das Hotel „Saarschleife“ eingeladen.

Hans von der Goltz begrüßte die im Projekt beteiligten Jäger und Waldbesitzer, Landtagsabgeordnete, Spitzenvertreter des NABU, des Landesjagdverbandes, des ökologischen Jagdverbandes und des Saarforst Landesbetriebes mit den Worten: „Ich freue mich sehr, dass so viele verschiedene am Wald interessierte Gruppen unserer Einladung gefolgt sind. Die Herausforderungen des Klimawandels und den Waldumbau werden wir nur gemeinsam meistern.“

Stellvertretend für Minister Jost begrüßte die Veranstaltungsteilnehmer Helga May-Didion, Abteilungsleiterin Naturschutz. Sie unterstrich in ihren Worten, dass überhöhte Schalenwildbestände keinesfalls den für die Gesellschaft so wichtigen klimaresistenten Wald gefährden dürfen. Alle waren sich darin einig, dass man die Wildbestände weiter reduzieren müsse, wenn sich ein zukunftsfähiger Mischwald ohne Zäune entwickeln soll.

Wissenschaftler der Universitäten Göttingen, Dresden und München präsentierten erste Zwischenergebnisse. Aus den Ergebnissen der Untersuchungen können Waldbesitzer und Jäger, aber auch die verantwortlich handelnde Politik, Konsequenzen für die zukünftige Wald- und Wildbewirtschaftung ziehen. Zur Halbzeit des auf sechs Jahre angelegten BioWild-Projektes kann man folgende Tendenzen erkennen:

  • TU München: Das betriebliche Risiko in Bezug auf Holzertrag und Stabilität des Waldes wird durch größere Baumartenvielfalt und ungleichaltrigen und strukturreichen Wald gesenkt. Um die Wasserversorgung in Trockenperioden zu optimieren, müsste ein Wechsel von Fichten- zu Buchen- dominierten Wäldern erfolgen.
  • TU Dresden: Es ist grundsätzlich möglich über konsequente Jagd habitatangepasste Wilddichten herzustellen. Durch Synchronisation von Bejagungs-, Erlegungs- und Ruhezeiten kann die Jagd mit weniger Beunruhigung des Wildes effizienter gestaltet werden. Deckung und Nahrungsangebot werden durch forstliche Maßnahmen, vor allem aber durch gegebene bzw. nicht gegebene Balance von Wilddichte und Vegetation beeinflusst.
  • Universität Göttingen: In Wäldern mit hohem Wildbestand beginnt die holzige und krautige Vegetation sich unterschiedlich zu entwickeln. Krautige Pflanzen und Pioniergehölze wie Birke sind außerhalb von Zäunen durch das Wühlen von Schwarzwild häufiger. Im Schutz der Weisergatter gibt es deutlich mehr Baumarten als außerhalb. Wild führt also zum Teil massiv zur Entmischung, bis hin zum nicht gewollten Reinbestand.

Auch wenn es noch keine abschließenden Ergebnisse sind, muss man feststellen, dass Schalenwild die Waldentwicklung in starkem Maße beeinflusst. Den klimastabilen Mischwald wird es auf großen Teilen der deutschen Waldfläche aufgrund überhöhter Schalenwildbestände nicht geben.

In der abschließenden Diskussion mit dem Plenum war man sich einig, dass der Wald im Klimawandel besonderen Belastungen ausgesetzt ist und für seine Stabilisierung einer hohen Biodiversität und gemischten Verjüngung besondere Bedeutung zukommt. Wild hat hierauf einen entscheidenden Einfluss. „Konsequentes Jagen zur Vermeidung der Entmischung in Verbindung mit naturnaher Waldwirtschaft führen erkennbar zum Erfolg. Eine arten- und strukturreiche neue Waldgeneration wächst heran. Hierbei ist es besonders wichtig, dass Waldbesitzer und Jäger sich abstimmen und gemeinsam Verantwortung für den Erfolg des Waldumbaus übernehmen“, so das Schluss-Statement von Hans von der Goltz.

Das Projekt „Biodiversität und Schalenwildmanagement in Wirtschaftswäldern“ (kurz „BioWild“) der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (ANW) wird mit 2,6 Mio. € vom BfN gefördert.

Hans von der Goltz

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