ForstBranche

Häufig gestellte Fragen zur RVR – Teil 4

Bearbeitet von Rainer Soppa

Der folgende Beitrag stellt den vierten Teil einer Serie dar, in der der Ständige Ausschuss zur RVR (StA RVR) häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Regelwerk beantwortet, hier eine Frage zur Kalamitätssituation in der Buche.

Abb. 1: Abgestorbenes Kambium und darunterliegende Verfärbung des Holzes
Foto: Pollmeier GmbH

Wie wurden bei der Neuauflage der RVR die Kalamitätssituation in der Buche berücksichtigt?

Abb. 2: Braune Rindenpartien nach Anriss erkennbar
Foto: Pollmeier GmbH

Durch die trocken-heiße Witterung der vergangenen Jahre sind viele Buchen in Deutschland stark geschädigt worden, sodass große Mengen sogenannten Kalamitätsholzes angefallen sind bzw. anfallen, das in seiner Verwendungsfähigkeit eingeschränkt ist oder gar nicht mehr als Sägeholz verarbeitet werden kann. Häufig weist dieses Holz ausgehend vom Stammmantel farbliche Veränderungen zum Kern hin auf (Abb. 1). Da diese Verfärbungen unter abgestorbenem Kambium beginnen, sind sie oft auf der Mantelfläche – beispielsweise Mittels einer Probe mit dem Reißhaken – als braune Rindenpartien bereits zu erkennen (Abb. 2). Gehen diese Rindenpartien bzw. Verfärbungen über lokal begrenzte Bereiche des Mantels bzw. der Stirnfläche hinaus, eignet sich das Rundholz nicht mehr als Sägeholz. Dies gilt in der Regel auch für häufig auftretende weitere Schädigungen durch Befall mit rindenbrütenden und holzbrütenden Käfern sowie Pilze.

Vonseiten des Ständigen Ausschusses zur RVR wird der Anfall von Kalamitätsholz zunächst als Sondersituation betrachtet, sodass hierfür keine eigenen Sortierregelungen in die RVR aufgenommen wurden. Gleichwohl wurden bestehende Regelungen der Qualitätssortierung von Buchenstammholz in Bezug auf die neue Situation überprüft und mit der Neuauflage der RVR im Juli 2020 angepasst.

Dazu wurde folgender Satz unterhalb der Sortiertabelle zur Qualitätssortierung von Buchenstammholz in der entsprechenden Anlage ergänzt:

„Weitere Merkmale, wie z. B. Verfärbungen, insbesondere im Zusammenhang mit der Buchenkomplexkrankheit, müssen einzelvertraglich geregelt werden.“

Um möglichen Missverständnissen entgegenzuwirken, wurde weiterhin der bisher bestehende Hinweis, dass sonstige Verfärbungen außer Spritzkern generell unter Rotkern zu subsumieren seien, aus der Sortiertabelle entfernt. Denn die oben genannten von außen in den Stamm hereinlaufenden Verfärbungen lassen sich eben nicht dem Rotkern zuordnen.

Der Ständige Ausschuss wird die Situation weiter beobachten und das Thema bei Bedarf wieder aufgreifen.

Ständiger Ausschuss zur RVR