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Häufig gestellt Fragen zur RVR – Teil 3

Bearbeitet von Rainer Soppa

Der folgende Beitrag stellt den dritten Teil einer Serie dar, in der der Ständige Ausschuss zur RVR (StA RVR) häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Regelwerk beantwortet. Hier eine Frage zu Ästen beim Nadelstammholz.

Welche Bedeutung kommt den Ästen insgesamt für die Qualitätssortierung von Nadelstammholz zu und welche Änderungen wurden mit der RVR-Neuauflage 2020 vorgenommen?

Dem Vorkommen und der Ausprägung der Äste kommt für die Verwendung als Konstruktionsholz und weitere Verwendungen eine wesentliche Bedeutung zu, weshalb sie in der RVR in den Tabellen zur Qualitätssortierung von Nadelstammholz auch an erster Position behandelt werden. Für die konstruktive Verwendung ist weniger die Sortierung nach optischen Eigenschaften, sondern vielmehr nach Festigkeit nach den Usancen der Bauschnittholzsortierung bedeutsam.

Holztechnologisch ist für den konstruktiven Bereich das Verhältnis von unbeeinflusster Holzstruktur zu gestörten Strukturen bedeutsam und in Bezug auf Äste damit das Verhältnis „Astdurchmesser“ zu „Gesamtquerschnitt“ des Produktes. Damit fällt der Durchmesser des einzelnen Asts stärker ins Gewicht als die Astanzahl pro Meter.

Unterschieden werden drei Arten von Ästen, die an der Mantelfläche des Rundholzes sichtbar sind: gesunde Äste, die mit ihrem vollen Querschnittsumfang mit dem umgebenden Holz verwachsen sind (verwachsene Äste); nicht verwachsene Äste, die von einem schwarzen Ring umgeben oder nicht vollständig mit dem umgebenden Holz verwachsen aber ansonsten gesund sind (in der Regel Totäste); Äste mit erkennbarer Weichfäule (Fauläste; siehe Abb. 1).

Im Entwicklungsprozess der RVR bestand zwischen Forst- und Holzseite Einigkeit darüber, dass faule Äste viele Verwendungen im Schnittholzbereich erheblich beeinträchtigen, sodass deren Zulässigkeit in der Rundholzsortierung entsprechend stark eingeschränkt wurde. So sind sie in der Qualitätsklasse B bei Fichte/Tanne beispielsweise nicht zulässig.

Die „nicht verwachsenen“ Äste waren 2013 kurz vor Abschluss der RVR-Verhandlungen den faulen Ästen zunächst gleichgestellt worden, obwohl sie im Gegensatz zu diesen aus noch festem Holz bestehen. Diese Gleichsetzung hätte dazu geführt, dass der Anteil des B-Holzes am Gesamtvolumen eines Stamms gering ausgefallen wäre*. Aus diesem Grund wurde die Sortierrelevanz des Kriteriums der „nicht verwachsenen Äste“ im Vorfeld der Veröffentlichung der ersten Auflage der RVR 2014 mittels einer Fußnote noch entschärft, was allerdings zu einer komplizierten, wenig nachvollziehbaren Lösung führte.

Diese unbefriedigende Situation wurde nun mit der Neuauflage der RVR 2020 gelöst, indem das Kriterium der „nicht verwachsenen Äste“ in den Anlagen III-a bis III-c (Fichte/Tanne, Kiefer, Douglasie/Lärche) den „gesund, verwachsenen“ Ästen zugeschlagen wurde, sodass damit im Wesentlichen eine klarere Umsetzung der bereits bestehenden Regelung erreicht ist (siehe Tab. 1).

Ständiger Ausschuss zur RVR