Naturschutz, Landschaftspflege WaldÖkologie

Habichtskauzbrut bestätigt Naturschutzkonzept der BaySF

Bearbeitet von Mirjam Kronschnabl-Ritz

Am 27. Mai entdeckte Forstwirt Erik Niedermaier bei der Borkenkäfersuche im Forstrevier Klingenbrunn im Forstbetrieb Bodenmais (Bayerischer Wald) eine junge verletzte Eule am Boden. Der Fund wurde an die Forschungsabteilung des Nationalparks Bayerischer Wald gemeldet. Bei der Jungeule handelte es sich um einen Habichtskauz-Jungvogel. Das Besondere: Es ist die erste dokumentierte Brut eines Habichtskauzes in Deutschland außerhalb des Nationalparks.

Prof. Dr. Jörg Müller, Leiter der Forschungsabteilung des Nationalparks Bayerischer Wald rät dazu, den Jungvogel etwas erhöht auf einen Ast zu setzen, wo er von den Eltern weiter versorgt werden kann. Außerdem könne hier der Zustand des Vogels besser beobachtet werden. Beim Versetzen des Jungvogels zeigt sich einer der Altvögel und ein zweiter Jungvogel. Weil der vermeintlich verletzte Flügel immer noch hängt und der Jungvogel nicht vital wirkt, wird er an den Nationalpark übergeben und dort geröntgt. Es war nichts gebrochen, aber ein Flügel schien beeinträchtigt. Zunächst verliebt der Jungvogel auch in der Obhut des Nationalparks.

Brut in einem Buchen-Hochstumpf

In den angrenzenden Waldbeständen wurde in der Zeit nach dem Brutplatz der Eulen gesucht. Am Forstbetrieb Bodenmais sind mehrere Spezial-Nistkästen für den Habichtskauz aufgehängt worden, nicht aber in dieser Gegend. Schließlich findet Revierleiter Mathias Knippel einen starken Buchen-Hochstumpf, der in großer Höhe, über dem Blätterdach des umgebenden Bestandes abgebrochen ist. Dabei ist eine Halbhöhlenstruktur entstanden, die groß genug ist für den Habichtskauz. Am Stammfuß wiesen Gewölle auf den Brutplatz hin, eine Befliegung mit einer Drohne bestätigte den Verdacht, dass hier die Brut stattfand.

Höhlen-Strukturen werden nur langsam häufiger

Der Brutfund ist deshalb so besonders, da selbst die Habichtskäuze im Nationalpark in Nistkästen brüten, da geeignete große Höhlen-Strukturen auch im Nationalpark erst langsam häufiger werden. Der Fund ist eine schöne Bestätigung für das Naturschutzkonzept der Bayerischen Staatsforsten mit dem Biotopbaum- und Totholzkonzept, das die natürliche Entstehung und den Erhalt solch wichtiger Strukturen für große und kleine Höhlenbrüter ermöglicht und fördert. In jüngeren und strukturarmen Beständen wird die Entstehung von Hochstümpfen im Rahmen des „Sonderprogramms Naturschutz“ beschleunigt durch das gezielte Hochköpfen mit dem Harvester. Diese geringer dimensionierten Hochstümpfe werden gerne von Spechten zur Höhlenanlage genutzt.

Nur ein Jungvogel hat es geschafft

Mittlerweile hat sich gezeigt, dass die Verletzungen des Jungvogels ernsthafter Natur waren. Der Zustand des Vogels hat sich derart verschlechtert, dass er eingeschläfert werden musste. Wäre er genesen, war der Plan, ihn in einer Auswilderungsvoliere im Steinwald auszuwildern zusammen mit Jungvögeln aus mehreren Tierparks, die in einem Projekt des VLAB (Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern e.V.) im Steinwald, Fichtelgebirge und Oberpfälzer Wald wieder angesiedelt werden sollen. Die Hoffnung liegt nun auf der weiter im Staatswald lebenden Kauz-Familie mit mindestens einem weiteren Jungvogel. Sie sind ein wichtiger Brückenpfeiler für eine weitere Arealausweitung des Habichtskauzes im bayerisch-böhmischen Grenzgebirge.

Hintergrund:

Der Habichtskauz ist nach dem Uhu die größte Eule in Mitteleuropa. Der letzte Habichtskauz in Mitteleuropa wurde mutmaßlich um 1926 bei Sušice im Böhmerwald abgeschossen und die Art galt seitdem als ausgestorben. Ab 1975 wurden in Gehegen erbrütete Jungvögel im Nationalpark ausgesetzt, zudem auch auf tschechischer Seite und im angrenzenden Österreich. Die erste Dokumentation einer Freilandbrut gelang 1989 im Nationalpark Bayerischer Wald. Seither hat sich dort eine kleine Population etabliert, die in Abhängigkeit von der Häufigkeit der Mäuse als Hauptnahrung in wenigen Paaren brüten. Seit 10 Jahren werden im Nationalpark keine Jungkäuze aus Gehegebruten mehr ausgesetzt und der Bestand trägt sich alleine durch die Wildbruten.

Quelle: BaySF