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Haben Alleen (k)eine Zukunft?

Haben Alleen (k)eine Zukunft?

Bäume mit einem Stammumfang von mehr als 25 cm gelten laut „Richtlinie für passiven Schutz an Straßen 2009“ (RPS) als Hindernisse. Das heißt, dass für Neuanpflanzungen Abstände zum Fahrbahnrand von 4,50 bis 12,50 m eingehalten und Leitplanken angebracht werden müssen.
Der BUND kritisierte schon im Jahr 2011 beim damaligen Bundesverkehrsminister, Peter Ramsauer, wie verheerend sich die Umsetzung der RPS auf den Bestand der Alleen und Baumreihen auswirken wird. Das Bundesministerium beharrte zwar bei Neuanpflanzungen weiterhin auf Forderungen der Vorschrift, betonte aber, dass Lückenbepflanzungen in Altbeständen möglich sind und nicht als Neuanpflanzung gelten.
Straßenbauverwaltung Mecklenburg-Vorpommern in der Kritik
Doch das wird durch das Landesamt für Verkehr in Mecklenburg-Vorpommern weitgehend nicht akzeptiert. Die Behörde ist der Meinung, dass mit Ersatzpflanzung in vorhandenen Alleen nur das Pflanzen von ein oder zwei Bäumen gemeint ist. Lücken müssen aber groß genug sein, um erfolgreich pflanzen zu können, sonst ist in den meisten Fällen der Konkurrenzdruck durch die großen Nachbarbäume zu groß und lässt eine gute Entwicklung der Jungbäume nicht zu. Den einzigen Kompromiss in Bezug auf die Abstandsregelung, den die Straßenbauverwaltung gelten lässt, ist das Anbringen von Leitplanken.
Wie aus einer Rundverfügung aus dem Jahr 2013 zu entnehmen, beschränkt sich das Landesamt da nicht nur auf die Straßen, die es selbst zu verwalten hat, also Bundes- und Landesstraßen, sondern empfiehlt allen Straßenbaulastträgern, dieser Forderung zu folgen. Das würde bedeuten, dass an allen Straßen und Wegen mit Baumbestand, auf denen schneller als 60 km/h gefahren werden darf, Leitplanken angebracht werden müssen. Nach Aussage des Landesamtes kann nur so verhindert werden, dass der Straßenbaulastträger im Falle eines Unfalls nicht zur Verantwortung gezogen werden würde.
Der geforderte große Pflanzabstand zur Fahrbahn, der meistens in das angrenzende Grundstück hineinreicht, und die Forderung nach Leitplanken führen dazu, dass Kommunen kaum noch Alleen anpflanzen können, weil die Kosten, die sich damit mehr als verdoppeln, einfach zu hoch werden würden.
Neue Impulse für die Diskussion
Neue Impulse in eine Diskussion um die Anwendung der RPS in Alleen hat ein Brief des Mitglieds des Bundestages, Josef Göppel, an das Bundesministerium für Verkehr gebracht. Er schreibt darin, dass in vielen Teilen Deutschlands Bäume, die näher als 8,50 m am Fahrbahnrand stehen, abgeholzt werden. Und mahnt, dass der Konflikt in den kommenden Jahren flächendeckend aufflammen wird.
Nach Auffassung des BUND entbindet die Forderung der RPS nach den unrealistischen Pflanzabständen zum Straßenrand bei Neuanpflanzungen von Alleen und nach Leitplanken auf allen Straßen und unabhängig ob Gefahrenbereich oder nicht den Autofahrer von seiner Eigenverantwortung. Eine solche Herangehensweise, um die Verkehrssicherheit auf unseren Straßen entlang von Alleen zu erhöhen, ist nach Ansicht des BUND falsch.
„Viel effektiver und alleenfreundlicher wäre eine bessere Schulung und Verkehrserziehung mit verstärkter Öffentlichkeitsarbeit. Der positive Effekt von Alleen auf Autofahrer und auf die Verkehrssicherheit sollte nicht außer Acht gelassen werden. Verkehrsberuhigung durch Tempo 70 in Alleen, wie zum Beispiel in Brandenburg praktiziert und ein engeres Setzen der Leitpfosten anstelle von Leitplanken wären weitere gute Möglichkeiten für eine verbesserte Verkehrssicherheit“, sagt Katharina Brückmann, Referentin für Baum- und Alleenschutz BUND Mecklenburg-Vorpommern.
„Wir hoffen sehr, dass die Kritik von Politikern und Verbänden an der Umsetzung der RPS in Alleen im Bundesministerium für Verkehr Gehör findet und dass sich noch viele Organisationen und Bürger dem Protest anschließen“, so Katharina Brückmann.
BUND Mecklenburg-Vorpommern

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