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Gute Absatzmöglichkeiten am Holzmarkt

Die erfreuliche Marktentwicklung des ersten Halbjahrs konnten viele Waldbesitzer für ein Umsatzplus nutzen. Für das zweite Halbjahr gibt es weiterhin positive Anzeichen.

Im Juli ist der ifo-Geschäftsklimaindex auf ein neues Rekordhoch gestiegen. Sowohl die aktuelle Lage als auch die Geschäftserwartungen werden von den befragten Managern noch besser eingeschätzt als im Vormonat. Die für Sparer, Rentenkassen und Stiftungen ungünstige Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank und der für die Wirtschaftskraft Deutschlands relativ niedrige Eurokurs beflügeln die Binnenkonjunktur und die Exportwirtschaft. Die aktuelle Lage im Bauhauptgewerbe wird von den Firmen weiterhin als sehr gut eingeschätzt, und für die nächsten Monate wird sogar noch eine weitere Verbesserung erwartet. Dies ist Ausdruck der hohen Auslastung und der Ertragssteigerungen der im Bau tätigen Firmen. Bereits im vergangenen Kalenderjahr sind 12,1 % mehr Wohnungen fertig gestellt worden als im Vorjahr; so viel wie seit 13 Jahren nicht mehr. Wegen der hohen Anzahl der bereits genehmigten Wohnungen ist trotz des Anstiegs der Zahl der fertig gestellten Wohnungen die Anzahl der genehmigten, aber noch nicht fertig gestellten Wohnungen auf über 600.000 angestiegen.

Die Bäume wachsen allerdings auch in der Bauwirtschaft nicht in den Himmel. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist die Anzahl der Baugenehmigungen von Januar bis Mai 2017 um 7,6 % im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Besonders stark ist der Rückgang mit 11,4 % im holzintensiven Einfamilienhausbau. Dennoch liegt die Anzahl der Baugenehmigungen noch auf einem sehr hohen Niveau und über der des Jahres 2015. Die Holzwirtschaft profitiert weiterhin von der florierenden Gesamtwirtschaft. Besonders die Nadelschnittholz-, Spanplatten-, Holzpackmittel- und Palettenproduzenten konnten deutliche Produktionssteigerungen und höhere Verkaufspreise erzielen.

Nadelschnittholzpreise
ziehen an

Die Lage der Nadelholzsägewerke ist so gut wie seit Langem nicht mehr. Die Nachfrage nach Schnittholz ist ungebrochen. Bereits im ersten Quartal 2017 war die Nadelschnittholzproduktion mit 4,777 Mio. m³ um 5 % höher als im Vorjahr. Besonders hoch war die Steigerung mit 9 % beim Kiefernschnittholz. Die Schnittholzpreise haben bis Juli ebenfalls angezogen und liegen im Durchschnitt mehr als 5 % über denjenigen des Vorjahreszeitraums. Besonders im Preis gestiegen sind KVH-Rohsparren und andere Produkte für die weiterverarbeitende Holzindustrie. Die meisten Werke rechnen in den nächsten Monaten mit stabilen, einige sogar mit weiter anziehenden Preisen und produzieren auf hohem Niveau. Die für das Betriebsergebnis ebenfalls bedeutsamen Sägerestholzpreise sind stabil. Sie liegen bei Sägespänen in der Spitze um mehr als ein Drittel, bei Hackschnitzeln im einstelligen Prozentbereich über dem Vorjahr. Einzig bei hochwertigen TMP-Hackschnitzeln für die Zellstoffindustrie müssen in Süddeutschland leichte Preisabschläge hingenommen werden. Auch für die nähere Zukunft gehen Marktbeobachter von einem ausgeglichenen Markt für Sägespäne und Hackschnitzel aus.

Fichten- und Kiefernstammholzpreise gestiegen

Wegen der hohen Nachfrage sind die Preise für Fichtenstammholz im ersten Halbjahr 2017 in nahezu allen Regionen Deutschlands gestiegen. Das Preisniveau für Fichtenabschnitte für das Leitsortiment 2b, B/C-Qualität, frei Wald liegt in Bayern bei 90 bis 96 €/Fm, in Baden-Württemberg bei 92 bis 94 €/Fm, in Nordrhein-Westfalen bei 92 bis 95 €/Fm und in Rheinland-Pfalz, Hessen, Südniedersachsen und Thüringen bei 90 bis 92 €/Fm. Weiter im Norden und im Osten Deutschlands werden Preise zwischen 85 und 89 €/Fm genannt. Die Abschläge für schwächeren Stärkeklassen betragen 8 bis 10 €/Fm. Auch beim Starkholz ab Stärkeklasse L5 wurden teilweise Abschläge von bis zu 6 €/Fm vereinbart.

Für die weitere Marktentwicklung ist die Entwicklung des Borkenkäferbefalls entscheidend. Aus Bayern werden größere Käferholzmengen gemeldet. Die Befallssituation könnte bei anhaltend warmer Witterung schlimmer ausfallen als 2015 und 2016, wo etwa 2,0 Mio. Fm Käferholz angefallen sind. Waldbesitzer versuchen durch rasche Aufarbeitung und schnelle Holzabfuhr Schlimmeres zu verhindern. Wegen der guten Konjunktur ist der Markt sehr aufnahmefähig. Dies gilt besonders für noch frisches und qualitativ hochwertiges Holz. Für überlagertes und bereits verblautes Holz könnte der Markt unter Druck geraten. Der Käferholzpreisabschlag beträgt 10 bis 20 €/Fm und liegt bei schlechteren Qualitäten auch darüber.

Kiefernstammholz wurde bis in den Sommer hinein rege nachgefragt. Der Preis für Kiefernstammholzabschnitte lang, B/C, Stärkeklasse L 2b liegt im Norden Deutschlands zwischen 66 und 70 €/Fm, in der Mitte und im Süden Deutschlands 2 bis 4 €/Fm darüber. Die Märkte für Lärchen- und Douglasienstammholz sind aufnahmefähig. Die Preise haben sich nicht wesentlich verändert und liegen für Douglasie in B/C-Qualität bis zu 12 €/Fm über und für Lärchenstammholz in B/C-Qualität auf Höhe von oder unter den vergleichbaren Fichtenstammholzpreisen.

Für Nadelholzpalettenabschnitte 2,40 m + 0,1 m werden in Niedersachsen 30 bis 33 €/Rm gezahlt. Fichtenabschnitte in D-Holz-Qualität erbringen 60 bis 67 €/Fm.

Frühe Buchenstammholzabschlüsse

Die Laubschnittholzproduktion ist im ersten Quartal 2017 im Vergleich zum Vorjahresquartal um 7 % auf 141.310 m³ gestiegen. Ursache für den forcierten Einschnitt könnten die Bestrebungen der Sägewerke gewesen sein, Schnittholzlieferungen nach China wegen der absehbar steigenden Containerfrachtraten vorzuziehen. So waren die Exporte nach China im ersten Quartal 2017 fast um die Hälfte höher als im Vorjahreszeitraum. Im chinesischen Markt waren tendenziell bessere Schnittholzsortimente gefragt. Der Trend der Nachfrage nach besseren Qualitäten hatte sich bereits in der vergangenen Saison unter anderem auch beim Rundholzverkauf abgezeichnet und setzt sich offensichtlich fort. Zu einem zunehmend bedeutenden Absatzmarkt für Buchenschnittholz hat sich Mexiko entwickelt. Im ersten Quartal wurde dorthin mehr Laubschnittholz als in den wichtigsten europäischen Schnittholzmarkt, Polen, geliefert. Insgesamt wird die aktuelle wirtschaftliche Lage der Laubholzsägewerke als befriedigend bis gut eingeschätzt.

Für die kommende Buchenstammholzsaison wurden bereits im Juli erste Abschlüsse mit heimischen Sägern getätigt. Ein namhafter Abnehmer hatte in einem ersten Angebot die Höhe der Frühlieferprämien nach der Einhaltung eines wöchentlichen oder monatlichen Lieferplans gestaffelt. Die Staffelung und Höhe der Prämie wurden zudem verändert und lagen in der Spitze etwa 6 €/Fm unter Vorjahr. Der überwiegend auf C- und D-Holz spezialisierte Abnehmer reagierte somit auf das sehr hohe Rundholzangebot zu Beginn der vergangenen Saison, das später zur Kontingentierung der Liefermengen geführt hatte. Die getätigten Abschlüsse für schlechtere Buchenstammholzqualitäten dürften, was die Basispreise angeht, auf Vorjahresniveau aber unter Berücksichtigung der gesunkenen Frühlieferprämien etwas unter Vorjahr liegen.

Namhafte Buchenstammholzexporteure haben in ersten Gesprächen einen Bedarf nach Buchenstammholz mindestens auf Vorjahresniveau signalisiert. Tendenziell werden wohl wie beim Schnittholz bessere Qualitäten gefragt sein. Die Lage an den Containerfrachtmärkten hatte sich im Verlauf des Frühsommers wieder etwas entspannt. Konkrete Abschlüsse sind bis dato nicht bekannt geworden.

In der vergangenen Wertholzsaison ist nach einem Bericht des EUWID die Angebotsmenge um 20 % auf 80.744 Fm deutlich ausgeweitet worden. Es handelte sich um 82 % Laubholz und 18 % Nadelholz. Am stärksten wurde die Menge bei den Holzarten Eiche und Esche gesteigert. Es wurden deutschlandweit von November bis April 51 Termine überwiegend als Submission durchgeführt. Der Preis für die Eiche ist im Durchschnitt auf bisher nicht erreichte 500 €/Fm gestiegen, während die Esche im Preis vermutlich qualitätsbedingt im Durchschnitt etwas gesunken ist. Buchen-, Bergahorn- und Kirschenwertholz wurden wegen der anhaltend unbefriedigenden Marktlage nur in geringem Umfang angeboten. Für die kommende Wertholzsaison zeichnet sich bereits jetzt eine hohe Nachfrage nach Eiche ab.

Industrieholz im Preis
leicht angezogen

Die hohe Produktionstätigkeit in der Holzwerkstoff-, Zellstoff-, und Pelletindustrie im ersten Halbjahr 2017 führte zu einer Stabilisierung der Industrieholzmärkte und zu einem vor allem im Norden Deutschlands leicht gestiegenen Preisniveau. Die Preise für Nadelholz in F/K-Qualität liegen im Norden zwischen 19,50 und 22,00 €/Rm. Für OSB-Qualitäten werden um 25 €/Rm erlöst. Im Hinblick auf den Ausbau der Verarbeitungskapazitäten in Skandinavien wird mittelfristig die Versorgungssicherheit mit Waldholz bei den heimischen Werken an Bedeutung gewinnen. Schleifholz erzielt in der Mitte und im Norden Deutschlands 28 bis 30 €/Rm.

In Süddeutschland sind die Industrieholzmärkte nicht zuletzt wegen des Käferholzanfalls angespannter als im Norden. Die Preise liegen für F/K-Holz teilweise etwas unter denen im Norden. Beim Schleifholz war es in den vergangenen Wochen in Süddeutschland zu einem deutlichen Überangebot gekommen, sodass die Lagerkapazitäten der Werke erschöpft waren. Wegen der Laufzeit der Verträge sind jedoch keine Preisanpassungen bekannt geworden.

Laubindustrieholz ist im Laufe des Frühjahrs unerwartet schnell abgefahren worden. Die Märkte haben sich deutlich entspannt. Hintergrund sind neben der hohen Produktionstätigkeit der Zellstoff- und Spanindustrie Rundholzexporte nach Rumänien und eine wieder anziehende Brennholznachfrage.

Bei ersten Vertragsabschlüssen für Buchenrundholz für die Verarbeitung in Brennholzautomaten (Automatenholz) wurden in Niedersachsen Preise um 60 €/Fm und damit auf Vorjahresniveau erzielt. Insgesamt dürfte die Nachfrage deutlich höher ausfallen als in der vorangegangenen Saison.

Die Pelletpreise sind saisonüblich im Frühjahr und Sommer gesunken und liegen für A1-Pellets für Lieferungen von 6 t bei 231,88 €/t und damit leicht über dem Vorjahrespreis. Der Deutsche Energieholz- und Pelletverband geht davon aus, dass die Preise in den kommenden Monaten wieder anziehen. Insgesamt zeichnet sich nach einer Studie der Internationalen Energieagentur weltweit eine deutlich steigende Pellet-Nachfrage ab. Sie ist von etwa 7 Megatonnen im Jahr 2006 auf über 26 Megatonnen im Jahr 2015 gestiegen. Die Hauptnachfrage ergibt sich durch die Mitverfeuerung von zertifizierten Pellets in umgebauten Kohlekraftwerken, aber auch durch die Zunahme der Pelletfeuerung in automatisierten Öfen in Privathaushalten. Den höchsten Pelletverbrauch eines einzelnen Landes hatte 2015 mit 6,7 Megatonnen Großbritannien. Hier sind bereits viele Kohlekraftwerke umgerüstet worden. Die größten Produktionskapazitäten gibt es in Europa und Nordamerika. Die Marktentwicklung wird weiter als sehr dynamisch eingeschätzt.

Insgesamt ist der Holzmarkt im Sommer für viele Sortimente sehr aufnahmefähig. Die Aussichten für die kommende Laubholzsaison sind positiv. Größere Borkenkäferholzmengen vor allem in Süddeutschland sind wegen des aufnahmefähigen Marktes noch gut vermarktbar. Bisher sind größere Marktstörungen ausgeblieben.

Michael Degenhardt LWK Niedersachsen Forstamt Südniedersachsen Quellen: u. a. EUWID, Holzzentralblatt, Holzjournal

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