Weitblick über Wälder von oben
Wald der Zukunft: Die Ausbreitung von Arten zwischen Wäldern und Waldfragmenten soll erleichert werden, gegebenenfalls durch Wieder- und Neuansiedelung.
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Gutachten zum Wald der Zukunft: Kernthesen vorgestellt

17. Februar 2022

Die Kernempfehlungen seines Gutachtens zur Anpassung von Wäldern und Waldwirtschaft an den Klimawandel stellte der Wissenschaftliche Beirat für Waldpolitik (WBW) des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) nun online öffentlich zur Diskussion. Die Debatte um den Wald der Zukunft wurde per Livestream übertragen.

Die mit dem 150-seitigen Gutachten „Die Anpassung von Wäldern und Waldwirtschaft an den Klimawandel“ im Herbst 2021 vorgelegten Empfehlungen des Beirates seien darauf ausgerichtet, die Leistungen des Ökosystems Wald langfristig für die Gesellschaft zu sichern.

Klimaresilienter Wald der Zukunft

„Wir wollen den Beitrag von Wäldern und Waldbewirtschaftung zum Klimaschutz nicht nur erhalten, sondern ausbauen. Dazu müssen wir uns mit Anpassungsoptionen auseinandersetzen und diese diskutieren. Wir wollen zusätzliche Klimaschutz- und Biodiversitätsleistungen honorieren, um die Waldbesitzenden in die Lage zu versetzen, ihre Wälder klimaresilient weiterzuentwickeln. Das Gutachten des wissenschaftlichen Beirats liefert hierzu wichtige Hinweise“, sagte Silvia Bender, Staatssekretärin im BMEL, auf der Online-Veranstaltung der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR).

Das Gutachten gebe in 13 Bereichen der Waldbewirtschaftung und -nutzung Handlungsempfehlungen an das Bundesministerium und andere waldpolitische Entscheidungsträger.

Für den Wald der Zukunft sollen Forstbetriebe leistungsfähig bleiben

Deren Umsetzung solle zu resilienten und anpassungsfähigen Wäldern führen und die Leistungsfähigkeit der Forstbetriebe und beteiligten Institutionen stärken, um die Daueraufgabe der Anpassung an den Klimawandel zu bewerkstelligen, so der Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirates, Prof. Dr. Jürgen Bauhus.

So wichtig die Berücksichtigung natürlicher Prozesse bei der Anpassung und der Wiederbewaldung der Schadflächen auch sei, so sehr bedarf es nach Ansicht der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einer aktiven Steuerung, um die verschiedenen Ökosystemleistungen auf gewünschtem Niveau bereitzustellen. Es erscheine dringend geboten, „die Wälder und ihre Bewirtschaftung so anzupassen, dass negative Folgen“ des Klimawandels möglichst „weit abgepuffert werden können“, heißt es in dem Gutachten.

Kernthesen: Lebensräume schützen und Kohlenstoff speichern

Neben Mischbeständen mit standorttauglichen, genetisch diversen Baumarten und Risikoreduktion durch Vielfalt in der Landschaft, den Waldbeständen und der Waldstruktur zur Entwicklung anpassungsfähiger Wälder sieht der Beirat einen Schwerpunkt in der Erhöhung der Biodiversität. Mit Verbindungen und Austauschmöglichkeiten zwischen Habitaten und Biotopen innerhalb der Wälder müssen Möglichkeiten für die Ausbreitung von Arten geschaffen und gegebenenfalls ihre Wieder- und Neuansiedelung unterstützt werden.

Zum Schutz des Bodens und zur Verbesserung der Wasserspeicherung solle u. a. Bodenverdichtung bei der Holzernte vermindert und organische Bodensubstanz durch Belassen von Schlagabraum und Totholz angereichert werden.

Der Beirat empfiehlt außerdem die Förderung nachhaltiger Holzverwendung durch Anreizsysteme, etwa einen CO2-Bonus für die Kohlenstoffspeicherung im Holzbau und für recyclinggerechte Holzkonstruktionen. Primäres Ziel sei die langfristige stoffliche Nutzung von Holz vor der finalen thermischen Nutzung. Den Holzbau sehen die Forschenden als derzeit einzige anwendungsreife Technologie, Kohlenstoff in nennenswertem Umfang außerhalb des Ökosystems zu speichern. Den risikoarmen Anbau klimaangepasster Nadelholzbaumarten, neue Verwendungsoptionen für Alternativbaumarten und die stoffliche Nutzung von Laubholz und Kalamitätsholz sieht der Beirat neben der Generierung von Gebraucht- und Altholz zur Rohstoffgewinnung als wichtige Maßnahmen zur Anpassung der Wertschöpfungsketten an ein verändertes Holzangebot.

Zur Honorierung des individuellen Waldzustandes soll das Waldmonitoring zu einem transparenten Instrument der Risikoanalyse weiterentwickelt werden.
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Waldzustand individuell bewerten

Statt einer Honorierung individueller Ökosystemleistungen wie beispielsweise des Klimaschutzes empfiehlt der Beirat die Honorierung eines resilienten und anpassungsfähigen Waldzustandes durch regelmäßige Zahlungen an Waldbesitzer. Zur Erfassung dieses Zustandes bedarf es noch der Entwicklung allgemein akzeptierter, wissenschaftlicher Kriterien, so die Forschenden.

Um die Aussagekraft des Waldmonitorings zu stärken und zu einem transparenten Instrument der Risikoanalyse weiterzuentwickeln, sollen flächenbezogene Aussagen ermöglicht, die Vernetzung möglichst vieler Elemente des forstlichen Monitorings gewährleistet und die Bereitstellung von Informationen – z. B. infolge von Waldschäden – beschleunigt werden.

Auf die Stärken setzen – Wald der Zukunft gegen den Klimawandel

Weiterhin empfiehlt der wissenschaftliche Beirat, die Forschungskapazitäten neu auszurichten und besser zu vernetzen. Dazu gehören die Förderung langfristiger Forschungsvorhaben, koordinierte Experimente und Modellentwicklungen über Bundesländer und Einrichtungen hinweg sowie ein besserer Austausch von Daten und deren gemeinsame Analyse.

Zudem spricht sich der Beirat für Änderungen in der Aus- und Weiterbildung und in den Kommunikationsstrategien sowie für die Beseitigung von Anpassungshemmnissen und -konflikten in diesen Bereichen aus, um den umfassenden Transformationsprozess zu befördern.

Mehr zu dem Thema, wie der Wald der Zukunft gestaltet werden sollte, können Sie der Aufzeichnung der online-Veranstaltung „Die Anpassung von Wäldern und Waldwirtschaft an den Klimawandel“ auf YouTube entnehmen:

Quelle: FNR

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