Forstbetrieb Forstpolitik

Grundsteuerreform 2022 – ein kleiner Leitfaden

Bearbeitet von Rainer Soppa

Das Bundesverfassungsgericht hat das Bewertungssystem der bisherigen Grundsteuer für verfassungswidrig erklärt, woraufhin Ende 2019 auf Bundesebene die Grundsteuerreform verabschiedet wurde. Mit der Reform verliert der Einheitswert als Berechnungsgrundlage seine Gültigkeit.

Zwar tritt die neue Grundsteuerregelung erst zum 1. Januar 2025 in Kraft; jedoch wird der Hauptfeststellungszeitpunkt für die neue Bemessungsgrundlage für alle bundesweit rund 36 Mio. wirtschaftliche Einheiten des Grundbesitzes auf den 1. Januar 2022 festgelegt. Dabei wird forstwirtschaftliches Vermögen nach dem sogenannten Ertragswertverfahren bewertet. Der so ermittelte Grundsteuerwert dient als Bemessungsgrundlage der von den Gemeinden festzusetzenden Grundsteuer A.

Einzureichen ist die neue Grundsteuerwerterklärung ab dem 1. Juli 2022. Die Frist endet bereits am 31. Oktober 2022, was viele Eigentümer forstwirtschaftlichen Vermögens bei einer knappen Abgabezeit von vier Monaten vor eine Herausforderung zu stellen vermag. Welche Daten Sie bereithalten sollten und was für Sie als Waldbesitzer wichtig ist, haben wir hier für Sie kurz zusammengefasst:

Was sind Betriebe der Forstwirtschaft im Sinne des Gesetzes?

Zu den Betrieben der Forstwirtschaft gehören sowohl aktive Betriebe als auch einzelne beziehungsweise mehrere forstwirtschaftliche Flurstücke, die lediglich verpachtet sind, ungenutzt sind oder unentgeltlich überlassen werden. Dies gilt also auch dann, wenn Sie als Eigentümer selbst kein aktiver Forstwirt sind. Sie als Waldbesitzer sind demnach verpflichtet, eine Grundsteuerwerterklärung einzureichen – selbst wenn die Fläche verpachtet wird.

Einreichung der Grundsteuerwerterklärung

Die Grundsteuerwerterklärungen müssen zwingend auf elektronischem Wege bei den Finanzbehörden eingereicht werden. Die Einreichung erfolgt ab dem 1. Juli 2022 über die Steuer-Onlineplattform ELSTER. Bereits registrierte Nutzer können ihr Benutzerkonto für die Abgabe der Grundsteuerwerterklärung verwenden. Auch Angehörige, die bereits bei ELSTER registriert sind, dürfen für Sie die Grundsteuerwerterklärung einreichen. Aufgrund des hohen Zeitaufwands im Zusammenhang mit der Erstellung der Grundsteuerwerterklärung und der damit verbundenen Abgabezeit von nur vier Monaten können Sie alternativ einen Steuerberater mit der Erstellung dieser beauftragen. Viele Kanzlei, wie auch unsere, stellen ihrer Mandantschaft eine individuelle Softwarelösung zur Verfügung, die die Dateneingabe vereinfacht und als Schnittstelle zwischen Berater, Mandant und Finanzamt fungiert. Falls Sie entscheiden sollten die Erklärung selbst einzureichen, aber noch kein ELSTER-Zertifikat besitzen, denken Sie daran, dass die Zertifizierung bei Elster bis zu zwei Wochen dauern kann.

Welches Finanzamt ist für mich zuständig?

Alle Grundbesitzer erhalten von den zuständigen Finanzämtern ein Informationsschreiben, in dem Ihnen ein Aktenzeichen für die Einreichung der Grundsteuerwerterklärung vergeben wird. Unter Angabe dieses Aktenzeichens kann die Grundsteuerwerterklärung bei den Finanzbehörden eingereicht werden. Das für Sie zuständige Finanzamt ist das Finanzamt, in dessen Bezirk der Grundbesitz liegt. Sie können das Aktenzeichen auch auf dem letzten Grundsteuerbescheid finden.

Eigentumsverhältnisse

Insbesondere in den ostdeutschen Ländern kommt es zum Wechsel von der Nutzer- zur Eigentümerbesteuerung. Danach ist nicht mehr der Nutzer, sondern der Eigentümer des Grundbesitzes zur Abgabe der Erklärung verpflichtet. Sind Erbengemeinschaften, Bruchteilsgemeinschaften und Gemeinschaften ohne geschäftsüblichen Namen Eigentümer, sind sowohl Angaben zu der Gemeinschaft als auch zu den einzelnen Beteiligten zu machen. Erforderliche Angaben sind insbesondere das Geburtsdatum, die Steueridentifikationsnummer, das Wohnsitzfinanzamt sowie die aktuelle Anschrift der Eigentümer / Beteiligten. Für die Bewertung selbst spielt die Rechtsform keine Rolle.

Welche Unterlagen benötige ich?

Für die Aufnahme der Daten sollten Sie insbesondere folgende Unterlagen bereithalten:

  • Jährlicher Grundsteuerbescheid
  • Informationen aus dem Grundbuch/Katasterauszug
  • Bescheid über den Einheitswert und den Grundsteuermessbetrag
  • Außerdem können Sie als Eigentümer einer forstwirtschaftlichen Fläche im Vorwege eine gemeindeweise gegliederte Flurstücksliste zusammenstellen. Das erleichtert Ihnen die fristgerechte Abgabe der Erklärung. Eine solche Flurstücksliste könnte wie die Tabelle aussehen.

Welche Angaben müssen in der Grundsteuerwerterklärung enthalten sein?

  • Gemeinde: liegt Ihr Grundbesitz in mehreren Gemeinden, ist für jede Gemeinde eine neue Anlage auszufüllen
  • Angaben aus dem Katasterauszug, und zwar:
  • den Namen der Gemarkung, in welcher das Flurstück liegt,
  • die Gemarkungsnummer (6-stellig),
  • Flurstück: Die Flurstücke sind laufend durchzunummerieren,
  • Flurstückskennzeichen (Flurstückszähler/Flurstücksnenner),
  • amtliche Fläche des Flurstücks.
  • Angaben zur Nutzung (Ein Katalog verschiedener Nutzungsarten wird von der Finanzverwaltung vorgegeben)
  • Ertragsmesszahl: diese ist nur anzugeben, wenn die Fläche der landwirtschaftlichen Nutzung, der Saatzucht oder der Kurzumtriebsplantagen dient. Falls für Sie relevant, finden Sie diese grundsätzlich im Katasterauszug.
  • Durchflussmenge in Liter/ Sekunde (l/s): nur relevant bei der Nutzart „Wasserflächen bei fließendem Gewässer mit Fischertrag“. In dem Fall ist die Durchflussmenge l/s des Frischwassers der Gesamtanlage anzugeben.
  • Wohnteile

Neu ist, dass Wohnteile, die bisher zum forstwirtschaftlichen Vermögen gehörten, jetzt zum Grundvermögen (also der Grundsteuer B) gehören. Hierüber wird die Finanzverwaltung die betroffenen Eigentümer wohl schriftlich informieren und ein neues gesondertes Aktenzeichen für den bisherigen Wohnteil mitteilen. Da die Wohnteile anhand anderer Verfahren als vorliegend dargestellt bewertet werden, sind für diese Teile ggf. zusätzliche Daten erforderlich.

Bewertung von Wirtschaftsgebäuden

Sind Wirtschaftsgebäude vorhanden, die zum forstwirtschaftlichen Vermögen gehören, ist grundsätzlich die Grundfläche dieser anzugeben. Bei bestimmten Nutzungsarten ist jedoch die Bruttogrundfläche zu ermitteln. Die Zuordnung zur richtigen Nutzungsart bedarf ggf. einer Einzelfallbetrachtung.

Wann greift eine Grundsteuerbefreiung?

Unter Umständen ist Ihr Grundbesitz von der Grundsteuer ganz oder teilweise befreit, wie dies zum Beispiel bei Bestattungsplätzen der Fall ist. Im Gesetz sind weitere Befreiungstatbestände normiert, die im Einzelfall geprüft werden müssten.

Zur Autorin

Dorothea Bülow hat sich nach langjähriger Berufserfahrung bei der Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst&Young GmbH als Steuerberaterin in Lübeck mit eigener Kanzlei selbstständig gemacht. Sie ist spezialisiert auf die Bewertung und Besteuerung von Grundvermögen

E-Mail:
info@db-steuerberatung.de
www.db-steuerberatung.de

Dorothea Bülow*