die Linie Pro³Flex zu sehen
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Grünholz

23. Januar 2021

Die Firma Lamm aus Buttenheim vertreibt seit Jahren Arbeitsbekleidung für die Waldarbeit. Mit der Marke Grünholz bringt sie jetzt auch eine eigene Bekleidungslinie für den Forst auf den Markt. Wir haben uns mit den Geschäftsführern Fabian und Gerhard Lamm darüber unterhalten.

Auf Facebook ist Grünholz schon seit Mitte Juli präsent. Seitdem lüftet die Firma Lamm Stück für Stück, was sich hinter ihrem neuen Projekt verbirgt: nicht weniger nämlich als eine neue Marke für Arbeitskleidung im Wald. Das oberfränkische Familienunternehmen hat sie zusammen mit dem Designer Bernd Keller sowie mehreren Forstprofis und Experten entwickelt.

Warum geht die Firma Lamm diesen Weg? Sie hat schließlich schon seit Jahren ein umfangreiches Angebot an Forst- und Outdoorbekleidung im Programm, darunter von so namhaften Herstellern wie Haix, PSS oder Pfanner. Mit Forst-Extrem gibt es sogar schon eine Eigenmarke im Einsteigersegment. „Wir wollen uns breiter aufstellen“, beantwortet Geschäftsführer Fabian Lamm diese Frage. Das Unternehmen will außerdem eine exklusive Marke, bei der es die Qualität ebenso steuern kann, wie die Lieferfähigkeit oder den Service. „Wir wollen unseren Kunden eine Top-Qualität anbieten. Dafür sind wir seit 40 Jahren bekannt, und darum sind uns viele Kunden seit Jahrzehnten treu“, bringt es Fabians Vater Gerhard auf den Punkt.

Die Idee für eine Bekleidungslinie hatten Fabian und Gerhard Lamm Ende 2019. Ihnen schwebte zunächst nur eine Hose und eine Jacke vor. Aber an das konkrete Produkt dachten sie anfangs weniger, als an die Werte, die es erfüllen müsste. Die Nachhaltigkeit war ihnen wichtig, so viele recycelte Stoffe wie möglich, ein hoher Tragekomfort – ein Produkt von Profis für Profis. Anfang 2020 wussten sie dann; „Wir ziehen das jetzt durch.“

Fabian Lamm suchte den Kontakt zum Designer Bernd Keller, der schon Kollektionen für Puma und Adidas oder Hugo Boss und Marc O‘Polo entworfen hat. „Er war gleich Feuer und Flamme für unsereIdee“, erinnert er sich. Ein Grund dafür war, dass Keller mit seiner Modefirma True Standard ebenfalls die Themen Produktqualität und Nachhaltigkeit verknüpft.

Schon bald saßen die Lamms mit ihm und erfahrenen Anwendern zusammen und gingen in die Details. Sie analysierten die Bewegungsabläufe bei der Arbeit, diskutierten die Materialien. Sie besprachen, dass die Schutzkleidung in Europa hergestellt werden sollte und dass ihre Nachhaltigkeit mit Zertifikaten belegt werden müsse. Zusammen mit Plant-My-Tree beschlossen sie außerdem zwei Baumpflanzaktionen pro Jahr. Dafür soll ein Teil der Erlöse in einen Baumspendefonds wandern. „Das ist im Forstbereich bisher einmalig“, sagt Fabian Lamm. Auch der Markenname Grünholz kristallisierte sich in dieser Zeit heraus.

Nach einer intensiven Planungs- und Testphase ist nun seit Anfang Dezember die erste Schnittschutzhose erhältlich: die Grünholz Pro³Flex. Als zweite Linie sollen bald die Hose Grünholz Pro³Air sowie die Jacken beider Linien folgen.

Die Pro³Flex-Hose besitzt sechs Lagen Schnittschutz von Engtex. Die Hosenbeine bestehen vorne und an den Waden aus orangem Ripstop-Gewebe. Der Hosenbund, die Bewegungszonen und die hinteren Hosenbeine sind dagegen in anthrazitfarbenem Vierwegestretch ausgeführt. An den leicht vorgeformten Knien und innen an den Knöcheln befinden sich Verstärkungen; das Ripstop-Gewebe ist außerdem wasserabweisend beschichtet. Die Hose kostet 199 € netto.

Die Hose Pro³Air ist mit 216 € etwas teurer. Sie ist ebenfalls mit einem sechslagigen Schnittschutz ausgestattet und besteht vollständig aus Stretchgewebe, das an allen nötigen Stellen Verstärkungen aufweist. Sie ist zwar nicht so verschleißfest wie die Pro³Flex, dafür aber komfortabler zu tragen und darum besonders für Maschinenfahrer geeignet. Beide Hosen besitzen herausnehmbare Gamaschen, Belüftungsschlitze hinten und Reflektorenelemente. Ein Distanzgewebe und eine Anzahl gut platzierter Taschen sind weitere Merkmale.

Insgesamt kommt die Grünholz-Kollektion ohne überflüssigen Schnickschnack aus. Sie erfüllt aber alle Ansprüche hinsichtlich Tragekomfort, Funktionalität und Arbeitssicherheit – und nicht zuletzt auch an das Design, das heute auch bei Arbeitsschutzkleidung mit dazu gehört. Forstwirte sind schließlich stolz auf ihren Job und geben für gute Kleidung auch ein paar Euro mehr aus. Der Anteil der recycelten Stoffe bei Pro³Flex und Pro³Air soll bis Ende 2022 auf 80 % steigen. Zunächst bestehen vor allem die Verstärkungen aus solchen Materialien, die im Workwear-Bereich bisher kaum verbreitet sind.

Wie Fabian Lamm erläutert, ist die Grünholz-Kollektion über eine eigene Webseite erhältlich (www.gruenholz-workwear.de), aber auch im Onlineshop der Firma Lamm und im Ladengeschäft. Dazu kommen zunächst zehn Premiumhändler im deutschsprachigen Raum, die das komplette Sortiment exklusiv anbieten werden. Das soll in Zukunft auch noch vielfältiger werden. Die beiden Hosen wird es auch ohne Schnittschutzeinlagen geben und für 2023 ist noch eine besonders abriebfeste Highendhose angedacht. Schon früher werden Funktionsshirts, Westen, Fleece- und Softshelljacken sowie Handschuhe das Programm bereichern, um das sich Bernd Keller als Kreativdirektor weiter kümmern wird. Er habe noch nie ein so komplexes Produkt realisieren dürfen, sagt er in einem Interview.

Oliver Gabriel