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Grüne Hölle

Begleitwuchs kann sich schädigend auf junge Forstpflanzen auswirken. Damit steht jeder Betriebsleiter vor der Frage: Freischneiden, ja oder nein? Um einem unbeabsichtigten Abmähen der Forstpflanzen vorzubeugen, sollten diese vorher markiert werden. Sprühfarben sind eine kostengünstige Möglichkeit dafür.

In der deutschen Forstwirtschaft besteht Konsens, dass die Begründung der Wälder durch Naturverjüngung erstrebenswert ist. Mittels waldbaulicher Steuerung können die jungen Bäume unter dem Schirm der alten Bäume und meist ohne nennenswerten Einfluss durch Begleitwuchs heranwachsen. Auf Freiflächen sind diese Ausgangsbedingungen nicht gegeben. Besonders auf nährstoffreichen Standorten stellt sich in der ersten Vegetationsperiode ein üppiger Bewuchs ein. Dieser kann für die junge Forstpflanze vorteilhaft sein, indem er sie beispielsweise vor dem Austrocknen schützt. Allerdings wirkt der Begleitwuchs durch Verdämmung, Wurzelkonkurrenz und Bodenabschluss auch schädigend auf die Forstpflanze ein.

Mit dem rot-weißen Band ausgezeichnet fällt die kleine Fichte gleich besser auf Abb. 1: Fichten-Jungpflanze mit Markierband Abb. 2: Fichten-Jungpflanze mit Sprühfarbe markiert      

Dieses Dilemma ist für jeden Waldbesitzer bzw. Betriebsleiter eine Herausforderung. Häufig stellen sich in diesem Kontext die Fragen: Muss freigeschnitten werden? Und wenn ja, wann und mit welcher Technik? Bei jeder Maßnahme herrscht Kostendruck in den Forstbetrieben, vor allem bei Arbeiten die keinen unmittelbaren finanziellen Ertrag bringen. Ist die Entscheidung zur Begleitwuchsregulierung gefallen, müssen die gefährdeten Forstpflanzen in meist unwegsamen Gelände freigestellt werden. Für Forstwirte erscheint die zu bearbeitenden Fläche wie eine „grüne Hölle“, weil die Forstpflanze schwer vom Begleitwuchs zu unterscheiden ist (Abb. 3). Im schlimmsten Fall fällt der junge Baum selbst dem Freischneider zum Opfer.

Bei einem Ortstermin stellte der Leiter eines Forstbetriebes dem Autor die Frage: Wie kann das Auffinden der Forstpflanze im Gefüge des Begleitwuchses vereinfacht werden, um das Abmähen der jungen Waldbäume zu vermeiden? Dabei sollten die entstehenden Kosten möglichst gering und die Pflanze möglichst über mehrere Jahre auffindbar sein. Der Autor hat daraufhin zwei Markiermöglichkeiten in einer „Mini-Studie“ untersucht.

Studiendesign

Die Studie fand im nordhessischen Mittelgebirge im Landkreis Kassel in Schauenburg statt. Standörtlich liegt der Bodentyp einer Braunerde über Basaltgestein vor. Im Frühjahr 2016 wurden in einem Pflanzverband von 2 × 1,5 m Gemeine Fichten (2+1) gepflanzt. Zum Zeitpunkt der Markierung waren die teils verbissenen Pflanzen ca. 45 – 50 cm groß. Für eine Zeitstudie wurden Anfang April 2017 jeweils 50 Fichten entweder mit „Band“ (Super Absperrband extrem fest) oder mit „Farbe“ (FCH – Forest Professional Waldstein International Neon Forest Markierfarbe Rot) markiert (Abb. 1, Abb. 2) sowie eine Nullfläche mit 50 Fichten entsprechend nicht markiert. Für das Band wurden Materialkosten in Höhe von 15 € je 500 m und für die (Sprüh-)Farbe 6 € je 500-ml-Dose angesetzt.

Jeweils ca. 40 cm Absperrband wurden abgelängt und an jeder Forstpflanze mit einem Doppelknoten befestigt. Darüber hinaus wurde auch der Zeitbedarf der Bebänderung eines Pflanzbundes mit 50 von der Baumschule gelieferten, vergleichbaren Forstpflanzen erfasst. Aufgrund der mehrjährigen Beständigkeit des Bandes wird angenommen, dass die Haltbarkeitsdauer an der Forstpflanze vergleichbar ist. Mit der Farbe wurden 50 Fichten am Terminaltrieb und obersten Quirl besprüht. Der Farbverbrauch wurde mittels Wiegung wie folgt hergeleitet: Gewicht Sprühdose voll minus Gewicht Sprühdose nach 50 besprühten Pflanzen bzw. Gewicht der leeren Sprühdose.

Die drei Versuchsvarianten „Band“, „Farbe“ und „nicht markiert“ mit jeweils 50 Pflanzen wurden entsprechend den Erfahrungen der Begleitwuchsentwicklung aus dem Jahr 2016 angelegt. Somit war eine vergleichbare Höhe und Dichte des Begleitwuchses in den Varianten gegeben. Für das Anbringen des Bandes bzw. die Ausbringung der Farbe und das Freischneiden der Forstpflanzen wurde der Zeitbedarf ab dem nahegelegenen Waldweg gemessen. Im Mai 2017 wurden die Plots mit einem Freischneider Stihl FS 550 mit Häckselmesser gemäht. Der Zeitverbrauch wurde auf 100 Pflanzen bzw. auf 1 ha hochgerechnet. Zur Kalkulation der Kosten wurden für Forstwirt und Freischneider 35 € je Arbeitsstunde angesetzt. Für einen realitätsnahen Vergleich der anfallenden Kosten einer Begleitwuchsregulierung in drei aufeinanderfolgenden Jahren, wurde von einem einmaligen Freischneiden je Jahr ausgegangen. Der unterstellte Zinssatz betrug 2 %. Darüber hinaus wurde angenommen, dass der Zeitbedarf für das Freischneiden der Forstpflanzen jedes Jahr gleich ist.

Auswertung

Anhand der Materialkosten wird ersichtlich, dass das Band wesentlich teurer ist als die Farbe (Tab. 1). Darüber hinaus zeigen die Leistungen beim Band einen höheren Zeitbedarf als bei der Farbe. Die Installationskosten durch den Forstwirt sind demnach wesentlich höher, als bei der Applikation von Sprühfarbe (Tab. 1). Allein für das Ablängen und Anbringen des Bandes (18,15 €) entsteht das 2,8-fache der Kosten der Sprühfarbenausbringung (6,43 €).

Die Leistung beim Freischneiden je 100 Pflanzen variiert zwischen etwa 26 min bei nicht markiert und ca. 20 min bei Band (Tab. 2). Der Zeitbedarf beim Freischneiden ist bei fehlender Markierung deutlich höher als bei der Kennzeichnung, weil sich die Bäume in dem Begleitwuchs schwieriger auffinden lassen. Bis eine Forstpflanze „frei zum Wachsen“ ist, wurde in dem Szenario (Tab. 2) ein Zeitraum von drei Jahren angenommen. Verzinst man das eingesetzte Kapital mit 2 % und prolongiert die Kosten auf den Zeitpunkt nach drei Jahren, so können die Varianten von teuer nach günstig wie folgt gegliedert werden: Band > Farbe > nicht markiert (Tab. 2). Auf 1 ha bezogen kostet das Band 538,22 € und die Sprühfarbe 280,31 € mehr als nicht markiert. Allerdings sind bei der Entscheidung für eine der Varianten in der Praxis noch weitere Vor- und Nachteile (Tab. 3) zu berücksichtigen.

Darüber hinaus ist folgendes anzumerken: Für nicht wintergrüne Nadel- und Laubbäume kann eine dauerhafte Markierung empfohlen werden, da im Vorjahresbegleitwuchs, wie z. B. in dichtem Calamagrostis-Gras, die Forstpflanzen schwer auffindbar sind. Inwiefern das befestigte Band von den jungen Bäumen eingewachsen wird, bleibt zunächst abzuwarten. Bei der Applikation von Sprühfarbe wurde ein geringerer Rehwildverbiss verzeichnet.

Fazit

Das Ziel des Beitrags war es, zwei praxisnahe Möglichkeiten darzustellen, wie der Forstpraktiker die Begleitwuchsregulierung vereinfachen und das Risiko, dass Forstpflanzen bei deren Freistellung beschädigt werden, verringern kann. Allerdings schlägt sich der Mehraufwand im finanziellen Gesamtergebnis nieder. Die Applikation von Sprühfarbe ermöglicht eine kostengünstige Markierung der Forstpflanzen. In aufbauenden Studien sollten die Generalisierbarkeit der Ergebnisse und weitere Markierungsmöglichkeiten, wie z. B. Fiberglasstäbe, getestet werden.

Ingo Siebert
Mit dem rot-weißen Band ausgezeichnet fällt die kleine Fichte gleich besser auf Abb. 1: Fichten-Jungpflanze mit Markierband Abb. 2: Fichten-Jungpflanze mit Sprühfarbe markiert      

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