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Aus dick und rund mach klein und eckig

Wer als Brennholzhändler Geld verdienen will, hat viele Stellschrauben,
um seinen Verdienst zu optimieren. Die Erst-Investition für die Technik ist nur ein Teil davon. Günstiger Holzeinkauf, geringer Energie- und Personalaufwand und die Produktqualität können auf lange Sicht
entscheidender sein.

 

Eigentlich hatte er nur eine Schlechtwetter-Arbeit gesucht. Für einen selbstständigen Zimmermann gibt es im Allgäu durchaus Zeiten, in denen er nicht auf Dächer klettern möchte. Bei einem Brennholz-Nebenerwerb steigen die meisten mit einem kleinen Sägespalter ein. Nicht jedoch Konrad Zeh – er hat heute eine Anlage für insgesamt rund 120 000 € auf dem Hof stehen. Wie seine Kalkulation aufgehen soll, davon haben wir uns vor Ort ein Bild gemacht.

Viel Geld

Produktivitätssteigerung: Kleinere Rundlinge stapelt Konrad Zeh mit dem Sappie kurzerhand übereinander. Dann spaltet die Anlage auf der ganzen Höhe Foto: H. Höllerl

Der Ausgangspunkt seiner Überlegungen: Zeh wollte seine Produktion möglichst im Einmannbetrieb effizient gestalten. Außerdem stellte er bei der Markterkundung fest, dass starke Stämme deutlich günstiger einzukaufen sind als das übliche Automatenholz, weil sie sich mit den herkömmlichen Maschinen nicht gut verarbeiten lassen. Bei der Suche nach einer passenden Technik sah er auf der Forst live 2016 den Prototypen der X-Power-Spalteinheit von GROWI und war sofort begeistert: Nach dem Prinzip des kontinuierlichen Spaltens zerlegt das riesengroße X-förmige Spaltmesser auch sehr dicke Querschnitte bis zu 100 cm Durchmesser in absolut gleichmäßige Scheite. Im Unterschied zur Verarbeitung mit vielteiligen Spaltkreuzen entsteht dabei auch kaum Bruch.

Hinten kommt blitzsauberes Brennholz in gleichmäßigen Querschnitten raus und nur ganz wenige Späne. Foto: K. Zeh

Die Firma GROWI Maschinenbau sitzt gar nicht weit weg von ihm in Unterhingau bei Marktoberdorf – so wurde man sich schnell einig, dass er die Pilotanlage mit dieser Technik bekommen würde. Diese Entscheidung hat Konrad Zeh nie bereut.

Kleinbetrieb

Weil die Anlage aus einzelnen Modulen aufgebaut ist, lassen sich die einzelnen Komponenten relativ frei gruppieren. Das kam Konrad Zeh entgegen, denn bei ihn auf dem Hof ist gar nicht so furchtbar viel Platz. Der Hauptteil wurde geschickt in die bestehende Maschinenhalle am Haus integriert, der Querförderer für die Stammaufgabe und die Ablängeinheit stehen draußen. An Rundholz kann er nur rund 100 Fm lagern. Bei der gewaltigen technischen Kapazität der Anlage ist das nicht viel. Rechnerisch schafft die Spaltmaschine bis zu 20 Ster in der Stunde. Das ist aber gar nicht sein Ziel. Im langfristigen Durchschnitt macht Zeh nur 10 Ster, allerdings ohne zusätzliches Personal inklusive Beschicken mit Rundholz und Abtransport der befüllten IBC-Gitterboxen. Diese sind in der Anschaffung zwar auch nicht ganz billig, lassen sich aber hervorragend mit dem Hoflader manipulieren. Auf den großen Anhängern, mit denen er zur nahegelegenen Biogasanlage zum Trocknen fährt, stapeln sie sich ebensogut wie draußen im Hof.

Konrad Zeh schwört auf die IBC-Boxen. Da passen 1,1 SRm hinein. Das ist nach der Trocknung ziemlich genau ein Schüttmeter. Außerdem lassen sich die Gestelle gut stapeln. Foto: H. Höllerl

Energieeffizienz

 

Mit rund 1 200 Rm Jahresproduktion lastet Konrad Zeh seine Anlage nicht mal im Ansatz aus. Warum er trotzdem schwarze Zahlen schreiben kann, hängt maßgeblich auch am geringen Energieverbrauch. Der größte Brocken ist dabei noch die Spalteinheit mit einer elektrischen Leistung von 15 kW für 30 t Spaltdruck. Der E-Motor der Kappanlage braucht 11 kW. Dieser treibt die Sägekette direkt an – ohne Umwege über eine Hydraulik – und schaltet nach dem Schnitt sofort wieder ab. Mit den diversen Fördergliedern summiert sich die Anschlussleistung auf rund 35 kW. Andere Produktionsstraßen mit ähnlicher Leistungsfähigkeit liegen nach Zehs Recherchen zum Teil um ein Mehrfaches darüber und haben dabei noch einen hohen Leerlauf-Verbrauch. Eine 100-kW-Leitung hätte jedoch einige tausend Euro Anschlusskosten verursacht – plus laufende Gebühren für die Bereithaltung. Durch die hohe Energieeffizienz der GROWI-Anlage kommt Konrad Zeh auf Stromkosten von nur rund 50 ct pro verarbeiteten Ster Brennholz. Da hat er von Kollegen schon von Größenordnungen bis 8 € für Diesel gehört.

Mit der Längenoptimierung von Siemens gibt es keine Reststücke. Foto: H. Höllerl

Entwicklungspotenzial

 

So kann sich auch eine vordergründig teure Investition relativ schnell rechnen. Derzeit denkt Konrad Zeh noch nicht darüber nach, das Brennholz zum Hauptberuf zu machen. Allerdings wird er die Lohnproduktion ausweiten: Obwohl seine Anlage nicht mobil ist, kommen wider Erwarten mehr und mehr Kunden mit ihrem Rundholz zu ihm und nehmen die fertige Ware im Rundlauf wieder mit. Bei GROWI geht die Entwicklung des X-Power-Konzepts ebenfalls weiter. Derzeit entsteht die erste Spalteinheit, die zusätzlich Meterscheite produzieren kann. Kleinere Varianten sind aber auch schon in Planung.

Hier entsteht gerade die nächste Ausbaustufe der X-Power: Diese Spalteinheit kann auch Meterscheite produzieren Foto: H. Höllerl
Maschinenbauliche Augenweide: Die Linearführungen für die Messereinheit Foto: H. Höllerl

Heinrich Höllerl

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