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Auch auf Wegen ist der Große Puppenräuber anzutreffen.

Großer und Kleiner Puppenräuber – LWF ruft zu „Citizen science“ auf

Seit 2018 erlebt Nordbayern eine Schwammspinner-Massenvermehrung, die den ohnehin stressgeplagten Wäldern zusetzt. Glücklicherweise haben die haarigen Raupen aber auch Feinde. Zu diesen gehören mit dem Kleinen und dem Großen Puppenräuber zwei Laufkäfer-Arten, die an Bäumen klettern und ihrem Namen alle Ehre machen. Sie fressen Raupen und Puppen von Nachtschmetterlingen, vor allem solchen, die sich sehr stark vermehren. Um mehr über diese beiden Nützlinge zu erfahren, hat die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) seit letztem Jahr zu Meldungen aufgerufen.

Noch ist einiges über die beiden Arten im Dunkeln, wie Laufkäfer-Spezialist Dr. Stefan Müller-Kroehling erläutert, der die Sichtungen sammelt und Feldarbeiten zu diesen Arten anleitet. So wisse man nicht genau, von woher die stattlichen, golden schillernden Großen Puppenräuber (Calosoma sycophanta) in den „Raupenjahren“ zu uns kommen, denn außerhalb solcher Massenvermehrungen fehlen Beobachtungen völlig. „Derzeitiger Stand des Wissens ist, dass die sehr flugstarken Arten aus Südeuropa zu uns einfliegen“, so Müller-Kroehling. Viele Puppenräuber-Arten sind extrem gute Flieger und wurden auch schon auf weit im Meer liegenden Bohrinseln, den isolierten Galapagos-Inseln und auf höchsten Gipfeln von Alpen und Karpaten gesichtet.

Fleißige Vermehrung erwünscht – Große Puppenräuber bei der Copula
Fleißige Vermehrung erwünscht – Große Puppenräuber bei der Copula Foto: U. Nuß

Meldungen zum Puppenräuber dringend erwünscht

Da die Art in solchen „Raupenjahren“ zum Teil sehr hohe Dichte erreichen kann, ist sie sehr auffallend, und das machen sich die Forscher zunutze. Einige Meldungen an das Funktionspostfach Puppenraeuber@lwf.bayern.de sind bereits eingetroffen, doch die Forscher bitten noch um zahlreiche weitere Meldungen. Ein Bild und Koordinaten oder ein Kartenausschnitt sind notwendig, damit die Angabe verifiziert und lokalisiert werden kann. Aus den Sichtungen und auch den Ergebnissen weiterer Erhebungsmethoden erstellen die Forscher dann eine Karte mit der aktuellen Verbreitung beider Arten in den bayerischen Wäldern.

Der kleine Puppenräuber ist etwas unscheinbarer als sein größerer Vetter.
Der kleine Puppenräuber ist etwas unscheinbarer als sein größerer Vetter. Foto: L. Becq

Kaum minder spannend ist der etwas kleinere, kupferfarbene Kleine Puppenräuber (Calosoma inquisitor), denn diese Art ist bei uns ein „Dauercamper“ und kein „Nomade“. Er bleibt uns also auch zwischen den Raupenjahren erhalten, wenn auch meist „unter der Nachweisschwelle“ in geringen Siedlungsdichten.

Auch Meldungen zu dieser Art sind daher sehr erbeten, zumal das derzeitige Verbreitungsbild zeige, dass sogar der Kleine Puppenräuber in den Raupenjahren in Franken nicht ganz so weit verbreitet ist, wie der Große, so der LWF-Fachmann.

Puppenräuber gefunden? – Bestimmungshilfen finden Sie hier:

Nicht selten verfliegt er sich in Gärten, auf der Suche nach neuem Lebensraum.
Nicht selten verfliegt er sich in Gärten, auf der Suche nach neuem Lebensraum. Foto: K. Göbel

Worum geht es?

Die gesammelten Daten sind Teil umfassender Forschungen der LWF rund um die Massenvermehrung des Schwammspinners. Sie dienen in diesem Fall sowohl der Erforschung der Gegenspieler des Schädlings als auch dem Schutz der als gefährdet geltenden Puppenräuber-Arten. Die erstellten Karten beider Arten werden auch von der LWF veröffentlicht, verspricht der Forstwissenschaftler.

S. Müller-Kroehling/LWF

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