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Rewilding Britain Natürliche Wiederbewaldung

Großbritannien könnte Waldfläche durch natürlichen Aufwuchs verdoppeln

Bis zum 11. September liefen in Großbritannien die öffentlichen Konsultationen für das Aufforstungsprogramm der Regierung. „Zu wenig und zu teuer“, urteilt die Initiative „Rewilding Britain“ die sich 2015 gründete, um Großbritanniens Waldfläche massiv zu erhöhen.

Laut Untersuchungen von Rewilding Britain könnte das Ermöglichen natürlichen Aufwuchses von Bäumen auf bisher unbewaldeten Flächen die britische Waldfläche massiv erweitern, und zwar effektiver und zu einem Bruchteil der Kosten der von der Regierung vorgesehenen Pflanzung. Der vorgelegte Regierungsentwurf sei völlig unzureichend. Man benötige ehrgeizigere Ziele und einen neuen Ansatz.

Waldfläche verdoppeln

Großbritannien ist eines der am wenigsten bewaldeten Länder Europas. Deshalb unterstützt Rewilding Britain eine Verdoppelung der Waldfläche des Landes in den nächsten zehn Jahren von jetzt 13 % auf mindestens 26 %. Dies könne dazu beitragen, jährlich 10 % der aktuellen Treibhausgasemissionen in Großbritannien zu absorbieren und der schwindenden Artenvielfalt entgegenzuwirken.

Nur auf England bezogen reiche der Regierungsentwurf lediglich, die Waldbedeckung von heute 10 % auf 12 % bis 2050 zu steigern. Der Regierungsentwurf habe den Fehler, zu einseitig auf das Pflanzen von Bäumen als schnelle Lösung zu setzen. Eine Studie von Rewilding Britain, die später in diesem Jahr veröffentlicht werden soll, zeige jedoch, dass die Ermöglichung und Verbesserung der natürlichen Regeneration – unterstützt durch das Pflanzen heimischer Bäume an geeigneten Standorten – der effektivste langfristige Ansatz für die Wiederaufforstung wäre.

Sträucher als Basis für Wald

Natürliche Wiederbewaldung mit Bäumen und Sträuchern schaffe Wälder, die weit besser als Pflanzungen in der Lage seien, CO2 aufzunehmen, Habitate für Wildtiere zu schaffen oder sich an dein änderndes Klima anzupassen. Noch dazu minimiere man Kosten für Pflanzung und Management, die Gefahr eingeschleppter Baumkrankheiten sowie die Notwendigkeit die Bäume gegen Verbiss zu schützen.

Große Hindernisse für eine natürliche Wiederbewaldung sei zum einen die Einstellung vieler Landnutzer zu Sträuchern, obwohl sie ein hervorragender Lebensraum und eine gute Kinderstube für junge Bäume seien, zum anderen hoher Verbiss. Die Regierung müsse Landnutzern finanzielle Anreize bieten, eine natürliche Wiederbewaldung zu ermöglichen. Dazu gehöre die Umstellung der oft kaum rentablen Schaf- und Hirschzucht auf extensive Bewirtschaftungsformen.

Kosten werden mehr als kompensiert

Um eine Verdopplung der Waldfläche tatsächlich zu erreichen, fordert Rewilding Britain eine Aufstockung der staatlichen Investitionen von derzeit 50 Mio. Pfund auf mindestens 500 Mio. Pfund. Die zu erwartenden direkten ökonomischen Vorteile wären Jobs in Forstwirtschaft, Tourismus und Naturschutz. Dazu kämen die vielfältigen Funktionen von Bäumen und Wäldern wie CO2-Speicherung, Hochwasserschutz, Kühlung der Luft, bessere Wasser- und Bodenqualität sowie Lebensräume für Tiere und Pflanzen, die die Vorabkosten bei weitem überwögen.

Dafür, dass eine natürliche Wiederbewaldung gelingen kann, führt Rewilding Britain Beispiele aus Russland und Norwegen an. Und in Großbritannien geben es neben schützenswerten Mooren und wertvollem Ackerland genügend Flächen für eine Wiederbewaldung.

Rewilding Britain/Red.

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