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Österreichische Bundesforste starten großes Hochmoor-Renaturierungsprojekt

Österreichische Bundesforste starten großes Hochmoor-Renaturierungsprojekt

Moore zählen weltweit zu den am stärksten bedrohten Ökosystemen, wertvoller Lebensraum für Pflanzen und Tiere geht häufig unwiederbringlich verloren. Nun starten die Österreichischen Bundesforste (ÖBf) gemeinsam mit dem Land Oberösterreich das bisher größte Hochmoor-Renaturierungsprojekt im Salzkammergut. „Wir untersuchen 77 Hochmoore auf über 1.000 Meter Seehöhe im Inneren Salzkammergut zwischen Totem Gebirge, Dachstein und Wolfgangsee“, erklärt Georg Erlacher, Vorstandssprecher der Österreichischen Bundesforste, „und versetzen sie soweit möglich wieder in ihren ursprünglichen Zustand.“ Neben ihrer Bedeutung für die Artenvielfalt spielen Moore für das Weltklima eine große Rolle. „Ein Hektar Moor speichert vier Mal so viel Kohlenstoff wie ein Hektar Regenwald“, so Erlacher. Werden Moore durch landwirtschaftliche Nutzung, Beweidung, Torfabbau oder Entwässerung zerstört, setzen sie mehr als jedes andere Ökosystem Treibhausgase frei. Durch Schutzmaßnahmen bleiben diese ökologisch bedeutsamen Lebensräume erhalten und der Kohlenstoff in natürlichem Zustand im Torf gespeichert.
Mit einem Projektvolumen von 800.000 Euro und einer Laufzeit von 5 Jahren ist das Hochmoor-Revitalisierungsprojekt das bisher größte seiner Art. Mehr als die Hälfte wird vom Land Oberösterreich finanziert, ein weiterer Teil kommt aus EU-Fördermitteln. Projektträger sind die Österreichischen Bundesforste in Kooperation mit anderen Projektpartnern und dem Land Oberösterreich. „Wir freuen uns“, sagt Erlacher, „über die gute Zusammenarbeit und das Engagement des Landes Oberösterreich.“
Moore vor Austrocknung schützen
Vor Beginn der Sanierungsarbeiten wird der Zustand der Moore genau untersucht. Im Juli starten die ersten zoologischen Erhebungen an sechs Mooren, zudem wurden für die betroffenen Moore Höhenmodelle und Arbeitskarten erstellt. In einem Managementplan werden die Sanierungsmaßnahmen festgelegt wie etwa die Wiederherstellung des Wasserhaushalts durch die Errichtung von Holzdämmen, mit denen die Moore vor Austrocknung geschützt und CO2–Freisetzung vermieden werden kann. „Wir wollen die Austrocknung der Moore stoppen“, sagt Erlacher, „und diese Naturjuwele in ihrer ursprünglichen Schönheit erhalten.“ Für viele Arten sind Moore und Moorwälder unverzichtbarer Lebensraum etwa für das Auerhuhn, den Dreizehenspecht oder zahlreiche Lurcharten wie die Gelbbauchunke. Selten gewordene Pflanzen wie das Wollgras, der Sonnentau oder verschiedene Torfmoose haben in der Moorlandschaft ihre Heimat. Das Projekt wird von Moorspezialist Gert Michael Steiner, Professor an der Universität Wien, wissenschaftlich begleitet.  
      
Aktiv für Moore
Bereits 1993 haben die Bundesforste ihre 474 Moore mit einer Gesamtfläche von 1.700 Hektar unter Schutz gestellt. Im Rahmen des ÖBf-Moorschutzprogrammes mit dem WWF und der Universität Wien konnten in den letzten Jahren zahlreiche Renaturierungsmaßnahmen gesetzt und der Zustand der Moore deutlich verbessert werden. „Wir verfolgen eine Doppelstrategie“, erklärt Erlacher. „Zum einen sollen intakte Moore aktiv erhalten werden, zum anderen gestörte Moorflächen gezielt renaturiert werden.“ Das Wissen um Moore und ihre ökologische Bedeutung ist wenig verbreitet, Umweltbildung und Naturvermittlung spielen eine große Rolle. Gemeinsam mit dem WWF Österreich haben die Bundesforste kürzlich die Studie „Moore im Klimawandel“ herausgebracht, die die Rolle der Moore als Kohlenstoffspeicher beleuchtet. Im Rahmen des Interreg-Projektes „Moor-Allianz Alpen“ wurde mit Unterstützung der ÖBf eine Moorführer-Ausbildung initiiert, der ersten ihrer Art, bei der Umwelt- und NaturpädagogInnen zu MoorführerInnen ausgebildet werden. Nach Abschluss ihrer Ausbildung werden sie im Länderdreieck Tirol-Salzburg-Bayern unterwegs sein und von den Hohen Tauern bis zum Chiemsee durch die einzigartigen Moorlandschaften führen.
 

Zum Thema: forstpraxis.de-Meldung

 
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