Forstpolitik

Greenpeace fordert mehr Schutz für Wälder in Baden-Württemberg

Bearbeitet von Marc Kubatta-Große

Greenpeace fordert mehr Flächenstilllegungen im Wald Baden-Württembergs. Der Landeswaldverband kontert mit Sachlichkeit und klaren Forderungen.

Besseren Waldschutz fordert Greenpeace von dem baden-württembergischen Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU). Nach Greenpeace-Berechnungen belege Baden-Württemberg mit einem Anteil von 1,23 % streng geschützter Wälder im bundesweiten Vergleich den letzten Platz.

Deshalb solle Baden-Württemberg deutlich mehr Waldgebiete vor Holzeinschlag schützen. Derzeit lasse das Ministerium zu, dass sogar in Schutzgebieten wie im vorderen Odenwald, dem Schönbuch bei Tübingen und im südlichen Schwarzwald Bäume gefällt werden.

Umfrage: 70 % wollen Holzeinschlag in geschützten Wäldern untersagen

Eine neue Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Kantar im Auftrag von Greenpeace zeige: 70 % der Menschen in Baden-Württemberg sind der Meinung, dass Holzeinschlag für die Industrie oder Energiegewinnung in geschützten Wäldern nicht erlaubt sein sollte.

Zwar liegen rund zwei Drittel der Wälder in Deutschland in Schutzgebieten, tatsächlich seien jedoch nur 2,8 % vor Holzeinschlag sicher. In Baden-Württemberg gelten als streng geschützte Gebiete Teile des Nationalparks und der Biosphärenreservate – soweit diese Waldflächen sind – sowie Bannwälder. Die Daten für den bundesweiten Vergleich habe Greenpeace für eine Studie im Oktober vergangenen Jahres erhoben.

Ungenutzter Wald nicht per se wertvoller

Das Landwirtschaftsministerium als Adressat des Greenpeace-Protests hat nicht reagiert, dafür aber der Landeswaldverband Baden-Württemberg. Dessen Geschäftsführerin Dr. Odile Bour, erklärte, es sei grundsätzlich richtig und wichtig, Waldflächen im Land zu haben, die sich ohne Holzeinschlag entwickeln können.

In Baden-Württemberg seien 10 % des Staatswaldes vor menschlichen Eingriffen geschützt. Kritisch sehe der Verband die Behauptung, ungenutzte Wälder seien an sich ökologisch besonders wertvoll oder dass der ökologische Wert eines Waldes durch die Ausweisung von besonders geschützten Flächen steige.

Bestmöglicher Kompromiss

Genutzter Wald habe eine bessere Kohlenstoffbilanz, da der verbliebene Wald nach dem Schlag ausgewählter Bäume den Masseverlust durch höheren Zuwachs kompensiere und Kohlenstoff in langlebigen Holzprodukten gespeichert bleibe. Für die Gesellschaft sei deshalb die naturnahe Waldbewirtschaftung der bestmögliche Kompromiss!

Die heutigen Wälder seien das Ergebnis forstgeschichtlicher Nutzung. Wälder wachsen zu lassen bedeute den bewussten Verzicht auf Einnahmen. Das können sich Waldbesitzer nur leisten, wenn die Gemeinwohlleistungen mit einem Honorierungssystem finanziert werden.

Durch Holzeinschlag stehen Wälder heute noch

Heute stehe die Waldwirtschaft an einem Scheideweg. Die bisherige Leitlinie der Waldbewirtschaftung habe gelautet, dass sich alle Leistungen des Waldes durch die Erlöse aus dem Holzverkauf finanzieren ließen. Ohne Holzeinschlag sei ein Überleben eines Forstbetriebes nicht möglich gewesen. Die Optimierung der Wälder auf Erlöse habe vielerorts zu den oft zitierten Nadelholzreinbeständen geführt. Das Anlegen solcher Reinbestände erfährt zu Recht keine staatliche Förderung.

Stattdessen werden Mischkulturen mit hohem Laubholzanteil gefördert. Was bleibt, ist jedoch die Erkenntnis: Nur weil Holz eingeschlagen wurde, stehen die Wälder in ihrer heutigen Form einer zunehmend naturfernen Gesellschaft als Projektionsraum für Naturfantasien zur Verfügung.

Honorierungssystem überfällig

Wenn man sich gemeinschaftlich dazu entscheiden wolle, mehr und größere Waldflächen sich selbst zu überlassen, dann müsse den Waldbesitzern ein anderweitiges Einkommen verschafft werden. Das längst überfällige Honorierungssystem für Ökosystemleistungen werde derzeit von der Bundesregierung auf den Weg gebracht.

Der Landeswaldverband sei der Meinung, dass öffentliches Geld nur für öffentliche Leistungen aufgewendet werden sollte: Die Honorierung sollte nur dorthin fließen, wo Waldbesitzer aktiv auf klimaresiliente Mischwälder hinarbeiten. „Wälder, die gesund sind und uns allen nützen“, so Bour.

Quellen: Greenpeace/LWV_BW