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Weil Pilze bei Grenzkontrollen nur sehr schwer zu erkennen sind, braucht es dringend wirksame Behandlungsmethoden, um ihre Lebensdauer im Saatgut zu verkürzen oder um den Handel mit besonders anfälligen Samenarten oder -herkünften zu regeln.

Globaler Samenhandel verbreitet Schadorganismen

Der weltweite Handel mit Baumsamen ist nicht so sicher wie bisher angenommen. Forschende des CABI, der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL und weiterer Institutionen zeigen, dass mit dem Saatgut auch zahlreiche schädliche Insekten und Pilze verbreitet werden. Diese stellen ein großes Risiko für Bäume und Waldökosysteme dar.

Nicht einheimische Insektenschädlinge und krankheitserregende Pilze stellen weltweit eine der grössten Bedrohungen für Bäume und Waldökosysteme dar. Solche Schadorganismen können die Ökologie der Wälder erheblich stören und wirtschaftliche Verluste verursachen. So tötete zum Beispiel der Asiatische Eschenprachtkäfer (Agrilus planipennis) in Nordamerika großflächig die dort vorkommenden Eschen. Das Insekt hat unterdessen bereits Eschen in Westrussland befallen und gilt damit als Bedrohung für europäische Eschenarten. In ähnlicher Weise hat der Pilzerreger Cryphonectria parasitica Anfang des 20. Jahrhunderts in Nordamerika die dort einheimische amerikanische Kastanie fast ausgerottet, was die Baumartenzusammensetzung ursprünglich kastanienreicher Wälder deutlich veränderte.

Befallsraten bei den Samen einiger Baumarten alarmierend hoch

Iva Franiæ, René Eschen und Marc Kenis vom CABI sowie Forschende der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL und weiterer Institutionen haben in den vergangenen Jahren erstmals die Insekten und Pilze an Samen von Waldbaumarten untersucht. In der Zeitschrift Ecological Applications weisen die Forschenden darauf hin, dass die Befallsraten bei den Samen einiger Baumarten alarmierend hoch sind. Sie betonen, dass überprüft werden müsse, ob die Schutzmassnahmen im internationalen Samenhandel genügend wirksam sind.

Mittels Röntgen- und DNA-Analyse untersuchten die Forschenden den Insekten- und Pilzbefall an 58 im Handel erhältlichen Saatgutpartien von 11 Nadel- und Laubbaumarten aus Nordamerika, Europa und Asien. Aufgrund der Ergebnisse geben sie Empfehlungen ab, wie sich die Risiken durch mit Saatgut übertragene Schadorganismen verringern ließen. Als wichtige Maßnahme müssen die Nachweismethoden der Pflanzenschutzinspektoren an den Landesgrenzen verbessert werden.

Iva Franiæ, Hauptautorin der Studie Are traded forest seeds a potential source of non-native pests? sagt: „Die Anzahl der aus China importierten und für den Anbau in Europa vorgesehenen Pflanzen hat sich zwischen 2000 und 2018 versechsfacht. Die Importe aus China sind nun gleich hoch wie die Importe aus Nordamerika.“ Diese Zunahme führt an den Außengrenzen der EU zu einer großen Herausforderung für die Kontrollorgane. Diese sollen verhindern, dass neue Schadorganismen eingeführt werden. Denn nicht bekannte Krankheitserreger können sich erheblich auf den Gesundheitszustand einheimischer Bäume und ganzer Waldökosysteme auswirken.

Pilzvielfalt höher als Insektenvielfalt

Die DNA-Analysen zeigten, dass in allen Saatgutpartien Pilze vorkamen. Auf nicht-selektivem Agar ließen sich in 96 % der Saatgutpartien Pilze nachweisen. Rund 30 % der Samenpartien enthielten Insektenlarven. Die Forschenden fanden weiterhin heraus, dass die Pilzhäufigkeit und -vielfalt viel größer ist als die Insektenvielfalt, insbesondere bei Saatgut von Laubbaumarten.

Dazu René Eschen vom CABI: „Der Handel mit Saatgut der meisten Arten ist nicht geregelt, da Saatgut als weniger gefährlich eingestuft wird als anderes Pflanzenmaterial. Fest steht auf jeden Fall, dass Samen viele Insekten und Pilze enthalten.“

Simone Prospero von der WSL ergänzt: „Der hohe Befall kommerziell angebotener Saatgutpartien ist ein deutlicher Hinweis darauf, wie oft potenzielle Schadorganismen über gehandeltes Saatgut verbreitet werden können. Die Tatsache, dass in den Samen Organismen mitreisen, die bereits als Schädlinge bekannt sind, ist ein starkes Indiz dafür, dass unbedingt Maßnahmen ergriffen werden sollten, um das Verschleppungsrisiko zu verringern.“

Handel regeln, Risikobeurteilung verbessern

Weil Pilze bei Grenzkontrollen nur sehr schwer zu erkennen sind, braucht es dringend wirksame Behandlungsmethoden, um ihre Lebensdauer im Saatgut zu verkürzen oder um den Handel mit besonders anfälligen Samenarten oder -herkünften zu regeln. Um die Risikobeurteilung zu verbessern, sind insbesondere detailliertere Kenntnisse nötig über diejenigen Baumarten, die von den Pilzen befallen werden können, aber auch darüber, wie Pilze auf Keimlinge übertragen werden und wie sich der Pilzbefall auf die Samen und jungen Bäumchen auswirken kann.

WSL/Red.

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