Newsletter
ABO
Zeitschriften
Service
Gilt auch für Forstunternehmer

Gilt auch für Forstunternehmer

Der Gesamtverband der Deutschen Land- und Forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände (GLFA) und die Industriegewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt (IG BAU) haben am 4. Juli einen bundesweit gültigen Mindestlohn-Tarifvertrag für die rund 750 000 Beschäftigten in der Land- und Forstwirtschaft ausgehandelt. Wie der Geschäftsführer der GLFA, Burkhard Möller, mitteilte, gilt er explizit auch für die forstwirtschaftlichen Dienstleistungsunternehmen. Ziel der Verhandlungen war es, die zweijährige Übergangsfrist des Anfang Juli verabschiedeten Mindestlohngesetzes zu nutzen. Demnach gilt der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 € erst ab dem 1. Januar 2017, wenn die Löhne über branchenweise Mindestlohn-Tarifverträge an den gesetzlichen Mindestlohn herangeführt werden. Dies ist für die Land- und Forstwirtschaft nun erfolgt. Der tarifliche Mindestlohn startet zugleich mit dem gesetzlichen Mindestlohn am 1. Januar 2015 und steigt in vier Stufen bis Ende 2017.
 
 
West
Ost
1. Januar 2015
 7,40 €
7,20 €
 1. Januar 2016
 8,00 €
7,90 €
 1. Januar 2017
 8,60 €
8,60 €
 1. November 2017
 9,10 €
 9,10 €
 
Schon in den Jahren 2008 und 2010 hatte auch der Deutsche Forstunternehmer-Verband (DFUV) einen Mindestlohn-Tarifvertrag mit der IG BAU verhandelt. Dieser sah ab Dezember 2012 eine Lohnuntergenze von 10,78 € je Stunde vor. Allerdings scheiterte der Vertrag an der erforderlichen Allgemeinverbindlichkeitserklärung. Die IG BAU hat die Verhandlung mit dem DFUV nicht mehr aufgenommen, „weil wir seit der Satzungsänderung beim DFUV im vergangenen Jahr keinen tariffähigen Arbeitgeberverband mehr als Gegenüber haben, mit dem wir verhandeln könnten“. Das teilte Harald Schaum, der stellvertretender Bundesvorsitzender der IG BAU, auf Anfrage mit.

DFUV-Vorstand Dr. Michael Sachse widerspricht dieser Auffassung: „Der DFUV ist eine eigenständige, tariffähige Arbeitgebervertretung und prüft daher gegenwärtig Gespräche mit tariffähigen Vereinigungen der Auftraggeberseite. Andere Verbände sprechen weder über verbindliche Aspekte für Forstunternehmer noch sind sie befugt, Vereinbarungen in diesem Kontext auszuhandeln.“ Der Mindestlohn-Tarifvertrag kann deshalb aus Sicht des DFUV nicht auf die forstwirtschaftlichen Dienstleister angewendet werden.Der Verband ist auch mit dem Ergebnis des Mindeslohn-Tarifvertrages nicht einverstanden. Erkennbares Ziel der Vereinbarung sei das Unterlaufen des gesetzlichen Mindestlohns. „Die deutschen Forstunternehmen bekennen sich zum gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 € und lehnen ,gemeinsame Sache‘ zwischen sogenannten Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretungen der Forstwirtschaft zu Dumpinglöhnen ab. Entlarvend scheint dem DFUV die Tatsache, dass die IG BAU im Jahr 2010 einen Branchenmindestlohn von über 11?€ je Stunde als angemessen betrachtete und vier Jahre später dies bei rund 7 € (– 40 %) ebenso einschätzt.“

Oliver Gabriel

Auch interessant

von