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Atemnot in Wurzeln – ein häufiges Phänomen bei Stadtbäumen an versiegelten oder verdichteten Standorten

Gesunde Bäume für ein gutes Stadtklima und Wohlbefinden

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) unterstützt eine Untersuchung der HAWK-Fakultät Ressourcenmanagement in Göttingen zur Verbesserung der Standortqualität von Stadtbäumen. Projektleiter ist Prof. Dr. Thorsten Gaertig. Die Analyse wird mit 335.000 € durch die DBU fachlich wie auch finanziell gefördert.

Welche Maßnahmen verbessern die Qualität von Baumstandorten nachhaltig?Für diese Frage will die HAWK-Fakultät Ressourcenmanagement in Göttingen eine Antwort. Unterstützt und gefördert wird sie dabei von der DBU.  Große Bäume in Städten fördern die Artenvielfalt und reinigen die Luft. „Durch Stressfaktoren wie Trockenheit oder Schadstoffe werden sie jedoch geschwächt“, erklärt Franz-Peter Heidenreich, Referent für Kreislaufführung und Bautechnik der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Sie müssten oft viel früher durch junge Bäume ersetzt werden, die lange nicht dasselbe leisten könnten. Ausschlaggebend für gesunde Bäume sei die Qualität des Standortes, die in Städten häufig schlecht sei. Häufig so schlecht, dass sich die Lebensspanne der Bäume deutlich verkürze. Zwar existierten Maßnahmen, um die Standortqualität zu verbessern. Ihr wissenschaftlicher Nachweis hinsichtlich Wirksamkeit oder Nachhaltigkeit fehle aber meistens. Die HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen plant in Zusammenarbeit mit 15 Unternehmen, mehrere Verfahren auf Herz und Nieren zu prüfen.

Vorteile der „Stadtnatur“

In ausreichender Menge begünstigten Bäume in Städten das Klima, die Artenvielfalt und das menschliche Wohlbefinden. Jedoch würden stadttypische Faktoren sie beeinträchtigen. „Das können ganz unterschiedliche Dinge sein“, so Heidenreich. „Etwa das Verdichten oder Versiegeln von Böden, Trockenheit, Streusalz oder Schadstoffe.“ All das schwäche die Bäume und mache sie anfälliger für Krankheitserreger. Im Schnitt liege die potenzielle Altersspanne von Stadtbäumen deswegen nur bei etwa der Hälfte, bei Straßenbäumen sogar nur bei 25 % im Vergleich zu anderen Bäumen derselben Art. Werde ein Baum vorzeitig gefällt, verdunste weniger Wasser und es verstärke sich der sogenannte Wärmeinseleffekt, also erhöhte Temperatur in der Nähe des Bodens. Bis ein neu gepflanzter Baum diese Funktion übernehmen könne, dauere es Jahrzehnte. Daher sei ein Austauschen nicht die Lösung. Außerdem sei das Wachstum der Stadtbäume auf Grund der schlechten Bedingungen vor Ort verlangsamt, wodurch es noch länger dauere, den Verlust zu ersetzen. Der voranschreitende Klimawandel verschärfe diese Probleme durch Wetterextreme wie Trockenheit oder heftige Stürme noch weiter.

Qualität der Böden verbessern

Um also Bäume möglichst lange gesund zu halten, sei die Qualität des Standortes wichtig. Insbesondere müsse der lebensnotwendige Sauerstoff durch den Boden zu Wurzeln gelangen können. Dies sei bei verdichteten Böden nicht oder nur eingeschränkt möglich. „In der Praxis werden verschiedene Verfahren zum Verbessern der Bodenbelüftung angeboten, deren Wirksamkeit, Nachhaltigkeit und Konsequenzen für die Umwelt meistens nicht wissenschaftlich nachgewiesen sind“, so Projektleiter Prof. Dr. Thorsten Gaertig. Genau das solle für ausgewählte Maßnahmen mit unterschiedlichen Standortvoraussetzungen untersucht werden.

Welches Verfahren unter welchen Bedingungen

Drei Optionen zum Sanieren von Belüftungsstörungen sollen im Projekt untersucht werden. Zunächst ein Verfahren, bei dem mit Hilfe von Belüftungslöchern der Gasaustausch zwischen Pflanze und Umwelt verbessert werden solle. Bei der zweiten Maßnahme breche man mittels Druckluftlanzen, also Geräten, die mit hohem Druck Luft in den Boden schießen, verfestigte Strukturen auf. Es werde geprüft, ob und wo das Verfahren funktioniere. Als dritte Option werde untersucht, ob die Böden durch das Einsetzen von tief und stark wurzelnden Pflanzen saniert werden können. „Im Anschluss an die Untersuchungen werden wir Konzepte zum Sanieren von Bodenschadverdichtung erarbeiten, welche die Kriterien des jeweiligen Standortes berücksichtigen. Außerdem sollen die Ergebnisse für die breite Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden“, sagt Gaertig abschließend.

 

 

Quelle: DBU

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