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Borkenkäferbefall als Trockenheitsfolge

Große Sorgen um erneute Trockenheit

Bodenökologin Friederike Lang sorgt sich um die Vitalität der Wälder in Deutschland. Lang leitet seit 2012 die Professur für Bodenökologie, die am Institut für Forstwissenschaften der Albert-Ludwigs-Universität angesiedelt ist. Die Professorin erklärt, was passieren kann, wenn es im Jahr 2019 wieder so heiß und trocken wird wie im Jahrhundertsommer 2018.

Bei anhaltender Dürre im Wald könne es im schlimmsten Fall zu einer Selbstverstärkung des Klimawandels kommen, so die Bodenökologin. „Bäume verwandeln das CO2 der Atmosphäre in Biomasse, die teilweise im Boden als organische Substanz gespeichert wird, so entziehen Waldökosysteme der Atmosphäre große Mengen an klimawirksamen CO2.“ Bei Trockenheit werde weniger Biomasse von den Bäumen produziert und weniger CO2 im Waldboden gespeichert. „Unter diesen Bedingungen könnten Wälder sich von einer CO2-Senke in eine CO2 Quelle verwandeln und somit ihre bedeutende Funktion im Klimaschutz nur noch eingeschränkt wahrnehmen.“

In den ersten Monaten des Jahres 2018 regnete es verhältnismäßig viel. „Das sorgte dafür, dass der Wasserspeicher des Bodens gut gefüllt war. Von dieser Reserve konnten die Bäume im Frühjahr zehren, kritisch wurde es in vielen Regionen erst in den heißen Hochsommermonaten“, erläuterte Lang. Die Gefahr einer erneuten Trockenheit bereite ihr jedoch große Sorgen. „Wenn es dieses Jahr wieder so trocken wird, werden die Bäume noch empfindlicher reagieren als wir dies im vergangenen Jahr erlebt haben. Ausgeprägte Regenerationsphasen sind essentiell für die Vitalität der Trockenheits-gestressten Wälder“, so Lang.

Böden und deren Wasserspeichervermögen entscheiden oft über die Trockenheits-Anfälligkeit von Wäldern. Wie gut Böden Wasser speichern, hängt vor allem davon ab, wie tiefgründig und feinkörnig sie sind. „In Süddeutschland haben Böden im Durchschnitt einen höheren Anteil feiner und mittelgroßer Körner und Poren. Deshalb wird das Wasser gut aufgenommen und in den Poren des Bodens gehalten.“ Geringes Wasserhaltevermögen kann hier jedoch ebenfalls vorkommen, etwa in steileren, süd-exponierten Lagen mit flachgründigen Böden. Bei grobkörnigen Sandböden hingegen, so wie sie häufig in Nordostdeutschland vorkommen, ist das anders.

Gestresste Bäume sind anfälliger für Schädlinge

Sand speichert nur wenig Wasser, sodass es auch in ebenen Lagen weniger Reserven gibt. Weiter erklärte die Freiburger Forscherin, dass diese Region zudem niederschlagsärmer sei als beispielsweise der Südwesten der Bundesrepublik. „So genannter ‚Wasserstress‘ zeigt sich bei älteren Bäumen optisch als erstes an einer braunen Krone, weil der Baum das Wasser nicht mehr bis ganz nach oben in die Spitze transportiert.“ Während ältere Bäume oft erst im Herbst oder im Folgejahr deutliche Trockenheitssymptome erkennen lassen, weisen junge Bäume oft frühzeitig deutliche Schäden auf, weil das Wurzelsystem dieser Bäume nur den oberen und ausgetrockneten Teil des Bodens erschließt. Gestresste Bäume sind zudem sehr anfällig für Schädlinge. Die warme Witterung 2018 habe die Vermehrung der Borkenkäfer zusätzlich begünstigt.

 

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

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