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Gestoppter Pflanzenschutzeinsatz vernichtet 500 ha CO₂-Speicher

Nach der Auseinandersetzung mit dem NABU blicken die betroffenen Waldbesitzer in Brandenburg nun auf einen zu rund 20 % vernichteten Wald, der gefällt werden muss. Durch die Klage des NABU und das anschließende Verbot durch das OVG sind 500 ha Wald vernichtet worden – rund 2.500 t Kohlenstoffspeicher jährlich gehen damit für den Klimaschutz verloren. Der finanzielle Schaden liegt ohne Wiederaufforstung bei über 4 Mio. €.

Das durch die Privatperson Karl Tempel und den NABU erwirkte Verbot eines Pflanzenschutzeinsatzes im Forstgebiet Beelitz (Land Brandenburg) hat bis dato einen Schaden von über 4 Mio. € für die dortigen Waldbesitzer verursacht. Das gut 6.000 ha große Forstgebiet bei Beelitz südlich von Berlin umfasst u.a. die Wälder von Fichtenwalde, Borkwalde und Borkheide. Dieses Waldgebiet war im Frühjahr 2019 vom Kahlfraß des Schädlings Nonnenspinner bedroht. Um dies zu verhindern, hatten Privatwaldbesitzer und Forstbetriebe in dem Gebiet beantragt, die Raupe der Nonne mit einem dafür entwickelten Insektizid zu bekämpfen; ein vom Landesforstbetrieb Brandenburg diesbezüglich genehmigter Einsatz wurde per Eilantrag des NABU vom OVG Berlin-Brandenburg gestoppt.

Durch die Klage des NABU: 2.500 t Kohlenstoffspeicher jährlich verloren

Gut vier Monate nach der Auseinandersetzung mit dem NABU blicken die Waldbesitzer auf einen zu rund 20 % (!) vernichteten Wald, der schnellstmöglich gefällt werden muss. Anders ausgedrückt sind 500 ha Wald in der Kulisse durch die Klage des NABU und das anschließende Verbot durch das OVG vernichtet worden. Außerdem gehen rund 2.500 t Kohlenstoffspeicher jährlich für den Klimaschutz verloren. Der finanzielle Schaden liegt ohne Wiederaufforstung bei über 4 Mio. €.

Im Forstbetrieb Schaeff/Brockdorff beträgt der Schaden rund 15.000 Festmeter Schadholz, die unter normalen Umständen nicht hätten eingeschlagen werden müssen. „Herr Tempel und der NABU haben der Region auch unter dem Aspekt des Klimaschutzes einen echten Bärendienst erwiesen“, sagt Waldbesitzer Bernd Schaeff. Dass der Schaden nicht noch viel höher ausgefallen ist, hat die Region ausschließlich den extremen Wetterbedingungen zu verdanken.

Gegen die Rettung des Waldes hatten sich zuvor der private Waldbesitzer Karl Tempel gemeinsam mit dem NABU ausgesprochen, um den vom Landesforstbetrieb veranlassten Pflanzenschutzeinsatz zu stoppen. Die selbsternannten Naturschützer hatten per Eilantrag die Bekämpfung der Schädlinge durch das Oberverwaltungsgericht Berlin/Brandenburg am 17. Mai 2019 untersagen lassen. Nach dem Entscheid durch das Oberverwaltungsgericht konnten die vorwiegend privaten und kommunalen Waldbesitzer nur noch zuschauen und es wurden 2.500 ha der rund 6.000 ha sich selbst bzw. im wahrsten Sinne des Wortes den Schädlingen überlassen.

Kahlfraß geringer als erwartet, Gefährdung aber keineswegs gebannt

Die große Hitze hat den prognostizierten Kahlfraß des Nonnenspinners geringer ausfallen lassen als zunächst befürchtet. Durch die aktuelle, aus forstlicher Sicht dramatische Situation bei den sogenannten Sekundärschädlingen, nämlich holz- und rindenbrütenden Käfern sowie auch pilzlichen Pathogenen, ist die Gefährdung der Kiefernbestände keineswegs gebannt. Mit flächigen Bestandsverlusten ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zu rechnen, da die Regenerationsfähigkeit der Kiefern aktuell besonders niedrig ist. Der hohe Befallsdruck durch die Folgeschädlinge ist Ergebnis des Zusammenspiels einer für die zumeist wärmeliebenden Käfer günstigen Witterung in der Vegetationsperiode 2018/2019 (trocken, heiß, sonnig) und des umfangreichen Angebots an bruttauglichem Material.

Es sind längst nicht alle Sturmschäden aus 2017/2018 aufgearbeitet, es gab 2018/2019 flächige Nadelverluste durch die genannten Nadelfresser. „Wie groß der Schaden tatsächlich ausfallen wird, lässt sich derzeit noch gar nicht sagen. Das werden wir erst kommenden Sommer mit Bestimmtheit sagen können“, sagt Waldeigentümer Bernd Schaeff.

Insgesamt steht der deutsche Wald erheblich unter Druck

Stürme, Dürre, Waldbrände und Schädlinge, wie Kiefernspinner, Nonne, Borkenkäfer und Eichenprozessionsspinner setzen ihm stark zu. Die Klimaeinflüsse der vergangenen zwei Jahre haben nicht nur in Brandenburg, sondern bundesweit bereits mindestens 110.000 ha Wald zerstört. Derzeit weisen alle Prognosen darauf hin, dass diese Entwicklung ungebrochen weitergeht und der Verlust bei Jahresende bis zu 200.000 ha betragen könnte. Das gegenwärtige Schadholzvolumen umfasst rund 70 Mio. Festmeter Holz. Dabei steht 1 ha gesunder Wald für 3 Mio. l Trinkwasser, sorgt für das Filtern von 61 t Staub und Ruß, entzieht der Atmosphäre 11,2 t CO₂ und bindet gut 5 t Kohlenstoff jährlich. Diese Werte machen deutlich, wie wichtig jeder Hektar Wald für die Gesellschaft ist.

Das Cluster Forst und Holz in Deutschland

Die Forstwirtschaft setzt in Deutschland mit gut 90.000 Beschäftigten rund 3,5 Mrd. € um. So bildet sie mit ihrer nachhaltigen Waldbewirtschaftung die Basis der Prozesskette Holz – und deren wirtschaftlichen Ertrag. Im Clusters Forst und Holz erarbeiten über 1,1 Mio. Beschäftigte in mehr als 128.000 Unternehmen einen Jahresumsatz von rund 180 Mrd. €.

Zum Cluster Forst und Holz gehört u.a. die Forstwirtschaft, das Holz bearbeitende Gewerbe, das Holz verarbeitende Gewerbe sowie u.a. das Papiergewerbe. Es gibt rund zweieinhalb Millionen Waldbesitzer. Von den 11,4 Mio. ha Wald in Deutschland sind 67 % Privatwald sowie Kommunal- und Körperschaftswald. Die Privaten Waldeigentümer verfügen über 48 % des Waldes, die Körperschaften (Kirchen) und Kommunen über 19 %, Bund und Länder über 33 %.

Red.

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