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Bei der Umsetzung ihrer Ziele steht die deutsche Säge- und Holzindustrie für eine umweltverträgliche und wertschöpfende Nutzung des Werkstoffs und Bioenergieträgers Holz.

Gespräch zur Zukunft des Waldes im BMEL

Am 29. August 2019 lädt Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner Vertreter der Forst- und Holzwirtschaft sowie des Umwelt- und Naturschutzes zum Verbändegespräch „Wald im Klimawandel“ in das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) ein. 

Das Treffen dient als Bestandsaufnahme klimabedingter Schäden in den Wäldern und Erarbeitung von Strategien für die Zukunft des deutschen Waldes in Vorbereitung des nationalen Waldgipfels im September.

Für den Deutschen Säge- und Holzindustrie Bundesverband e.V. (DeSH) sind die vollen Klimaschutzleistungen nur durch nachhaltige Waldbewirtschaftung in Verbindung mit verantwortungsvoller Holzverwendung erreichbar. Dazu hat der Verband umfangreiche Empfehlungen für die Zukunft eingebracht.

Insgesamt 110.000 ha der deutschen Waldfläche sind durch Stürme, Trockenheit, Brände, Käfer- und Pilzbefall geschädigt – direkte Folgen des Klimawandels. Allein die Aufarbeitung wird über 2 Mrd. € verschlingen, schätzen Experten aus Forst- und Holz, die Wiederbewaldung mindestens weitere 660 Mio. €.

Schäden im Umfang einer Jahresernte

„Der Schadholzanteil von 70 Mio. m³ liegt deutlich über des regulären Jahreseinschlags von knapp über 50 Mio. m³“, bilanziert DeSH-Hauptgeschäftsführer Lars Schmidt. Neben den Auswirkungen von Stürmen und Trockenheit weitet sich auch der Insektenbefall aus. Betroffen von den vielfältigen Auswirkungen des geänderten Klimas sind nahezu allen Baumarten und Bewirtschaftungsformen, so auch Mischwälder und Nationalparke. „Die Gesellschaft läuft Gefahr, dass weitere großflächige Waldgebiete betroffen sind, das Holz im Wald verbleibt und der Schaden für alle wächst“, warnen Schmidt und seine Kollegen.

Um die akute Krise zu bewältigen und die CO₂-Reduktion durch Wald und Holz auch in Zukunft zu sichern, veröffentlichte der DeSH jüngst Empfehlungen und Maßnahmen zur Krisenbewältigung und Steigerung des Klimaschutzbeitrages. „127 Mio. t und damit 14 % der gesamten Treibhausgas-Emissionen Deutschlands werden jährlich durch Wald und Holz eingespart. Dieser Beitrag steht auf dem Spiel, wenn wir den Wald nicht mehr bewirtschaften“, erklärt Schmidt. In ihrer gegenwärtigen Situation müssten Waldeigentümer daher unbürokratisch finanzielle Hilfen erhalten. Daneben seien die Ausweitung von Transportkapazitäten und Lagerstätten zur schnellen Aufarbeitung und Konservierung der Schadmengen für die Holzindustrie essentiell.

Verstärkte Holznutzung für Klimaschutz

Gesamtgesellschaftlich müsse die Politik ein klares Bekenntnis zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung aussprechen und die Weichen für eine verstärkte Holzverwendung stellen: „Bäume binden CO₂ aus der Atmosphäre und speichern es über die gesamte Nutzungsdauer in Produkten wie Häusern, Möbeln oder Verpackungen. Zudem ersetzt Holz energieintensive Materialien und fossile Energieträger. In vielen Anwendungsbereichen bestehen allerdings noch gesetzliche Hemmnisse für einen verstärkten Holzeinsatz“, kritisiert Schmidt. Für eine flächendeckende Erschließung der Potenziale sei beispielsweise die Einführung einer Holzbau-Offensive für Bundesgebäude notwendig. Daneben lassen sich auch durch den verstärkten Einsatz von Holzverpackungen und die Energieerzeugung aus Holz große Beiträge für den Klimaschutz schaffen.

Klimawandel erfordert neue Strategien für den Wald

Die aktuelle Situation zeigt aber auch: „Nur aktiv gemanagte Wälder können die globalen Ziele Klima- und Artenschutz klug miteinander verbinden. Denn durch die Bewirtschaftung lassen sich Wälder schneller an den rasch fortschreitenden Klimawandel anpassen. Das Schadholz findet zudem Verwendung in klimaschonenden Produkten.“ Für den DeSH lassen sich dabei Maßnahmen zum Artenschutz wirksam und effizient im Rahmen der Bewirtschaftung nachweislich umsetzen.

„Stillgelegte Wälder hingegen sind tickende Zeitbomben“, so Schmidt. „So müssen Förster beispielsweise im Harz und Hainich tatenlos zusehen, wie die Wälder den Folgen des Klimawandels zum Opfer fallen.“ Zwar entstünden so neue Lebensräume, aber das Holz könne dann nicht mehr sinnvollen Verwendungen, wie beispielsweise dem Holzbau zugeführt werden.

Daher sind nach Ansicht des DeSH Schutzkonzepte, wie weitere Stilllegungsflächen nicht mehr zeitgemäß und einseitig: „Die Auswirkung einer Erhöhung der Durchschnittstemperatur um beispielsweise 2,0 °C auf das Ökosystem Wald sind erheblich. Käseklockennaturschutz kann daher nicht das Konzept für die Zukunft sein“, so Schmidt.

Wälder der Zukunft bestimmen Verwendungsmöglichkeiten

Die langfristige Sicherung der Wälder und der Holzversorgung kann nach Ansicht des DeSH nur durch klimastabile Mischwälder gewährleistet werden: „Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass sowohl Nadelhölzer als auch Buchen massiv geschädigt sind“, so der studierte Forstwirt Schmidt. „Daher gilt es nun fernab von Dogmen bei allen geplanten Maßnahmen, im deutschen Wald eine ausgewogene Balance wiederherzustellen, um dem Klimawandel wirksam zu begegnen.“ Für den DeSH schließt das sowohl den Einsatz nicht-heimischer Baumarten als auch die Forschung zur Weiterentwicklung etablierter Baumarten ein. „Die künftige Baumartenzusammensetzung der Wälder entscheidet auch über die Verwendungsmöglichkeiten des Holzes. Wenn wir Klimaschutz als unser gesamtgesellschaftliches Ziel erreichen wollen, führt auch künftig kein Weg an Waldbewirtschaftung und Holznutzung vorbei“, so Schmidt abschließend.

Zum Herunterladen als PDF: Die „Klima-Offensive Wald und Holz“ und das Maßnahmenpaket des Bundesverbandes Deutsche Säge- und Holzindustrie: www.saegeindustrie.de

Red./DeSH

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