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Gerhard Schulze verstorben

Bearbeitet von Jörg Fischer

Am 17. Juni ist der langjährige Leiter der ostdeutschen Standortserkundung, Gerhard Schulze, im Alter von 96 Jahren verstorben. Er war fast 70 Jahre mit der forstlichen Standorts- und Naturraumerkundung im ostdeutschen Tiefland eng verbunden. Seine aktive Dienstzeit endete 1989.

Gerhard Schulze hat auf seinem beruflichen Weg die Standortserkundung und die Menschen, die mit ihr verbunden sind, durch seine Arbeit, sein Wissen und seine Menschlichkeit maßgeblich geprägt und zusammengeführt. Nach seiner aktiven Zeit als Standortserkunder bis 1961 war er als Gruppenleiter und Leiter der Standortserkundung in Mecklenburg-Vorpommern tätig.

Zum Werdegang von Gerhard Schulze

Bis zu seiner Verabschiedung war Gerhard Schulze verantwortlich für die praktische Umsetzung der Standortserkundung in der damaligen DDR. Ihm ist es maßgeblich zu verdanken, dass die wissenschaftlichen Arbeiten von Dr. Kopp – dem geistigen Vater des ostdeutschen Kartierverfahrens im Tiefland – den praktischen Eingang in ein heute deutschlandweit anerkanntes Verfahren zur Erfassung und Bewertung forstlicher Standorte gefunden haben.

Mit der Bearbeitung der SEA 1995 – der Standortserkundungsanweisung für das ostdeutsche Tiefland – hat Schulze sichergestellt, dass es bis heute ein einheitliches Verfahren zur standortskundlichen Bearbeitung der Wälder im Bereich der neuen Bundesländer gibt. Ab 1998 folgten umfangreiche Arbeiten und Buchveröffentlichungen für die Schriftenreihe der forstlichen Standortserkundung:

  • Teil A – Wuchsgebiete und Wuchsbezirke (2007),
  • Teil B – Standortsformen und –gruppen (1999),
  • Teil C – Anthropogene Spuren in Waldböden (2001),
  • Geschichte der forstlichen Standortskartierung in Mecklenburg-Vorpommern, Band I bis V (2004).

Seit seinem 80. Lebensjahr richtete sich sein Wirken noch stärker auf die Dokumentation und Sicherung der Altunterlagen. Es erschienen die Sammlungen der „Jenaer Leitsätze“ und die „Standortskundlichen Rundbriefe 1955 bis 1962“. Mit diesen Arbeiten beschäftigt, stand Schulze anderen Kollegen mit Rat und Tat zur Seite. Bis zum Jahr 2013 ist es ihm gelungen, alle 32 alten Erläuterungsbände zu den Standortskarten des Landes Mecklenburg-Vorpommern, die nur noch schlecht lesbar in Papierform vorlagen, zu digitalisieren.

Neben der Standortserkundung hatte Schulze ein zweites großes Arbeitsfeld – die Botanik, wo er sich neben vielen anderen Arbeiten vor allem den Wildrosen verschrieben hatte. Die forstliche Standortserkundung des ostdeutschen Tieflandes bedankt sich für dieses Gesamtwerk. Sein Andenken wird stets in Ehren gehalten.

Michael Wirner