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Gerhard Schulze 95 Jahre

Am 12. Oktober wird der ehemalige Leiter der ostdeutschen Standortserkundung, Gerhard Schulze, 95 Jahre alt. Der 1924 in Paarsch bei Parchim (Mecklenburg-Vorpommern) geborene Forstmann begann seine Laufbahn mit seiner Lehre in einem Privatforstbetrieb bei Lübeck. Anschließend erlernte er im Forstamt Born als Berufsjägerlehrling das Waidwerk.

Nach dem Krieg hat sich Gerhard Schulze sofort wieder der forstlichen Ausbildung zugewandt, zunächst als Waldarbeiter im Forstamt Schildfeld, nach bestandener Facharbeiterprüfung im Jahr 1949 dann als Mitarbeiter im statistischen Zentralamt in Berlin. Schulze besuchte die Fachschulen in Schwarzburg und Raben-Steinfeld, die er 1953 als Forstingenieur abschloss. Später absolvierte er ein Fernstudium an der Forstuniversität in Tharandt.

Schulzes Weg in die Standortskartierung

1953 hat Schulze sich der forstlichen Standorts- und Naturraumerkundung zugewandt. Nach seiner aktiven Zeit als Standortserkunder bis 1961 war Gerhard Schulze als Gruppenleiter und Leiter der Standortserkundung in ganz Mecklenburg tätig. Von 1983 bis zu seiner Verabschiedung aus dem regulären Berufsleben 1990 war er verantwortlich für die praktische Umsetzung der Standortserkundung innerhalb der Forsteinrichtungsanstalt der damaligen DDR.

Es ist Gerhard Schulze maßgeblich zu verdanken, dass die wissenschaftlichen Arbeiten von Dr. Kopp, dem geistigen Vater des aktuellen ostdeutschen standortskundlichen Kartierverfahrens, Eingang in ein praxistaugliches und heute deutschlandweit anerkanntes Verfahren zur Erfassung und Bewertung forstlicher Standorte überführt wurden. Nach seinem Eintritt in den Ruhestand ist Gerhard Schulze der forstlichen Standortserkundung treu geblieben. Mit der SEA 95 – der Standortserkundungsanweisung für das ostdeutsche Tiefland – hat Gerhard Schulze sichergestellt, dass es auch bis heute ein einheitliches Verfahren zur standortskundlichen Bearbeitung der Wälder im Bereich der neuen Bundesländer gibt.

Unermüdliches Engagement

Schon zu seinem 80. Geburtstag würdigte Dr. Kopp in seiner Laudatio die Arbeiten Gerhard Schulzes. Veröffentlichungen wie „Anthropogene Spuren in Waldböden“ erweisen sich auch heute noch als unverzichtbare Quellen für das Verständnis unserer Waldstandorte. Auch sein Einsatz für die Ausbildung der Standortserkunder der Bundesforsten, aus Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt sowie die Anlage eines Fotoarchivs zur Sicherung und Nutzung alter Profil- und Vegetationsbefunde aus den Jahren 1955 bis 1990 sei hier noch einmal erwähnt.

Nach seinem 80. Geburtstag widmete er sich noch stärker der Sicherung der Altunterlagen. Im Jahr 2004 hat er sein 5-bändiges Werk zur Geschichte der Standortserkundung in Mecklenburg-Vorpommern vorgelegt. Eine einmalige Dokumentation der forstlichen Standortserkundung bis zum Jahr 1990 auf insgesamt 1.723 Seiten. Es folgten umfangreiche inhaltliche und gestalterische Arbeiten am Teil A der standortskundlichen Schriftenreihe, der die forstlichen Wuchsgebiete und Wuchsbezirke beschreibt sowie die computertechnische Aufarbeitung aller standortskundlichen Erläuterungsbände aus den 1950er- bis 1980er-Jahren.

Nicht zu vergessen ist sein zweites großes Arbeitsfeld – die Botanik. Der Jubilar hat sich dabei vor allem den Wildrosen verschrieben. Hier sei nur der Wildrosenschlüssel erwähnt, den Schulze zusammen mit Heinz Henker erarbeitet hat. Die Standortserkunder aus Mecklenburg-Vorpommern bedanken sich beim Jubilar für die Arbeit in und für die forstliche Standorts- und Naturraumerkundung.

Michael Wirner, Landesforst Meckelnburg-Vorpommern

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