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Geplante Flächenstilllegungen irritieren mittelständische Sägewerke

Sehr kritisch bewertet die mittelständische Holzverarbeitungsindustrie in Nordrhein-Westfalen die neuesten Äußerungen von Umweltminister Johannes Remmel. Viele seiner Argumentationen sind faktisch falsch, dienen nicht dem Klimaschutz und könnten bei der Umsetzung dem Cluster Wald und Holz erheblichen Schaden zufügen. Remmel hatte am 29.2.2012 auf einer Fachtagung die „Waldstrategie 2050“ vorgestellt und u.a. erneut erklärt, dass im Staatswald künftig noch mehr Flächen als Wildnisgebiete ausgewiesen werden sollen. Diese Flächen sollen dann nicht mehr bewirtschaftet werden.

Hubertus Weber, Geschäftsführer von Team Timber: „Wir hatten die Hoffnung, dass sich die Landesregierung nach dem Urteil im Klausner-Prozess zu Gesprächen mit uns Mittelständlern entschließt.  Wir unterstützen eigentlich sehr die Bemühungen der Landesregierung, den Klimaschutz voranzubringen. Die nun vorgestellten Strategien sind nicht nur für den Klimaschutz kontraproduktiv, sondern schaden auch der Holzwirtschaft. Wir sind sehr enttäuscht.“ 
 
Team-Timber, ein Zusammenschluss mittelständischer Holzverarbeitungsbetriebe aus dem Sauerland, begrüßt grundsätzlich Bestrebungen, die Waldfläche zu erhöhen. Nach den Aussagen des Umweltministeriums geht es aber nur um Waldkauf, nicht Walderweiterung. Ein Erwerb von bereits vorhandenem Wald durch das Land erhöht natürlich die Waldfläche insgesamt nicht um einen Quadratmeter. Die Aussagen des Umweltministerium sind irreführend. Nur eine Umwandlung heute anders genutzter Flächen – z.B. landwirtschaftlicher Flächen in Wald würde die Waldfläche vergrößern. Hubertus Weber: „Allerdings sollte dieser Wald im Sinne einer größtmöglich positiven CO2-Bilanz bewirtschaftet und nicht als Wildnisgebiet ausgewiesen werden.“ 
 
Dass ein nicht bewirtschafteter Wald eine bessere CO2-Bilanz aufweise als ein Wirtschaftswald, sei ein Irrglaube, den wissenschaftliche Expertisen auch widerlegen. „Eine Studie herausragender Wissenschaftler der Universität Hamburg hat jüngst ergeben, dass die CO2-Bilanz von nachhaltig bewirtschaftetem Wald größer ist als von unbewirtschafteten Wildnisgebieten. Die CO2-Fixierung durch die Holznutzung (z.B. Dachstühle, Möbel) und CO2-Vermeidung durch Substitution klimaschädlicher Materialen und fossiler Brennstoffe trägt im Vergleich zum Nutzungsverzicht sehr zur Verbesserung der Klimabilanz bei. Das muss auch Herr Remmel zur Kenntnis nehmen“, so Weber. Die Studie der Universität Hamburg hatte ergeben, dass die CO2-Speicherpotentiale eines Waldes sehr stark von seiner Nutzung abhängen. So ist die Speicherleistung eines nachhaltig bewirtschafteten Waldes bereits in den ersten hundert Jahren um ein Viertel höher als die eines nicht bewirtschafteten  Waldes. Betrachtet man noch größere Zeiträume, so sinkt die CO2-Minderung  im nicht genutzten Wald gegen Null, da ein Gleichgewicht zwischen Wachstum und Verrottung entsteht. Eine Stilllegung von Wäldern ist im Sinne des Klimaschutzes also höchst kontraproduktiv. 
 
Um einen Wald nachhaltig bewirtschaften zu können, müsse natürlich auch der Mix stimmen. „Wir brauchen die Fichte aus ökonomischen Gründen. Den Fichtenbestand immer weiter zu senken, bedroht die mittelständischen Säger in ihrer Existenz“, so Hubertus Weber, „Wir würden uns wünschen, dass die Landesregierung auch einmal die Belange der mittelständischen Sägewerke beachtet. Das Preisniveau nimmt im nationalen, und ganz wettbewerbsverzerrend im internationalen Vergleich, eine Spitzenposition ein. „Das Schlimme daran ist, dass wir selbst bei solchen Preisen nicht einmal sicher sein können, dass wir überhaupt noch genug Rundholz bekommen“, so Weber.

Welchen Stellenwert regionale Säger haben, dürfte spätestens nach dem Urteilsspruch des Landgerichts Münster zugunsten des Holzkonzerns Klausner deutlich geworden sein. Dem Land droht eine Lieferverpflichtung von jährlich 500000 Fm, obwohl es nur rund 200000 Fm in eigenen Wäldern ernten kann. Auf den Steuerzahler kommen möglicherweise Schadensersatzzahlungen in Millionenhöhe zu. Den Sägern droht der ohnehin schon knappe Rohstoff auszugehen. Die Existenz von Unternehmen und viele Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Umso irritierender ist, dass das Land den bereits jetzt schon bis an die Grenzen erschöpften Holzmarkt durch Flächenstilllegungen weiter belasten möchte. Und das sogar zulasten des Weltklimas.    

 

Zum Thema: forstpraxis.de-Meldung

 
Team Timber

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