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Georg Ludwig Hartig liefert uns ein Vorbild

Georg Ludwig Hartig liefert uns ein Vorbild

Oberlandforstmeister Staatsrat Prof. Dr. h.c. Georg Ludwig Hartig gilt als einer der bedeutendsten Klassiker der Forstwirtschaft. Genau 175 Jahre nach seinem Tod ehrten ihn am 2. Februar 2012 an der Grabstätte auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin Vertreter der Eberswalder forstlichen Lehre und Forschung, der Verwaltung der Berliner und der Brandenburger Forsten, von forstlichen Verbänden wie dem Deutschen Forstverein und dem Deutschen Forstwirtschaftsrat, der Humboldt-Universität zu Berlin sowie Vertreter des Brandenburger Landtags.
Georg-Ludwig Hartig (geboren am 2.9.1764 in Gladenbach/Hessen, verstorben am 2.2.1837 in Berlin) hat den durch Hannß Carl von Carlowitz begründeten Gedanken der Nachhaltigkeit „zum historischen Durchbruch verholfen und es zum tragenden Prinzip der Forstwirtschaft gemacht“, sagte Prof. Dr. Klaus Höppner, Leiter des Landeskompetenzzentrums Forst Eberswalde und Initiator der Feierstunde, in seiner Gedenkrede. Die von Hartig stammende Definition zur Nachhaltigkeit sei auch aus heutiger Sicht verständlich und überzeugend. Darin heißt es bei Hartig: „Es läßt sich keine dauerhafte Forstwirtschaft denken und erwarten, wenn die Holzabgabe aus den Wäldern nicht auf Nachhaltigkeit berechnet ist. Jede weise Forstdirection muß daher die Waldungen des Staates, ohne Zeitverlust, taxieren lassen, und sie zwar so hoch als möglich, doch so zu benutzen zu suchen, daß die Nachkommenschaft wenigstens eben so viel Vortheil daraus ziehen kann, als sich die jetzt lebende Generation zueignet.“

Die Grüße des Vorsitzenden der Georg-Ludwig-Hartig-Stiftung in Wiesbaden und Präsidenten des Deutschen Forstvereins, Carsten Wilke, überbrachte Mark von Busse. Hartig habe nicht nur auf das Holz bezogen „über den Tag hinaus gedacht“, unterstrich von Busse, sondern sich in diesem Sinne auch um die Bildung der Waldverantwortlichen verdient gemacht. Heute gelte es, mit dem Thema Nachhaltigkeit verstärkt aus der Berufsgruppe der Förster heraus an die Öffentlichkeit zu gehen.

Das Bemühen von Georg Ludwig Hartig um die Grundsätze nachhaltigen Wirtschaftens und fachlicher Bildung findet sich auch bei seinem Zeitgenossen Albrecht Daniel Thaer, wie Prof. Frank Ellmer, Dekan der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin, in seiner Würdigung darlegte. Als „Nukleus“ für einen zukunftsfähigen, national wie international leistungsfähigen Verbund der Agrar-, Gartenbau- und Forstwissenschaften betrachtet Ellmer die gegenwärtige Kooperation zwischen den Eberswalder und Berliner Einrichtungen der Forschung und Lehre: „Es ist gelungen, an die Anfänge von Thaer und Hartig anzuknüpfen und die grünen Disziplinen auf einer qualitativ neuen Ebene in Verbindung zu bringen. Damit kommt zusammen, was zusammen gehört.“

Zustimmung war der Rede von Prof. Dr. Wilhelm-Günther Vahrson, Präsident der Hochschule für nachhaltige Entwicklung (FH), zu entnehmen. Hartig habe, so Vahrson, mit seiner Anweisung zur Taxation der Forste (1795) die Konzepte zur Nachhaltigkeit bis in unsere heutige Zeit „zum Reiben gebracht“. Auf das Angebot zur Kooperation komme er gerne zurück. 

Aus der Sicht des Deutschen Forstwirtschaftsrates fügte Geschäftsführer Dr. Markus Ziegeler in seiner Ansprache drei Aspekte hinzu: Unter gesamtgesellschaftlicher Sicht die Nutzung des Waldes „so hoch als möglich“ wie von Hartig aufgeführt; die enge Verknüpfung von Forstwirtschaft und Jagdausübung wie auf dem Grabstein mit Hirschfänger und Eichenlaub symbolisiert und schließlich das hohe Arbeitspensum, welches Hartig nicht davon abhielt, bedeutende Werke für die forstliche Nachwelt zu verfassen.

Ziegeler, den Gedanken von Höppner aufgreifend, Georg Ludwig Hartig zu ehren, indem wir sein Vermächtnis mit Leben erfüllen, sprach wohl allen Anwesenden bei minus 10 Grad aus dem Herzen: Sich dem Tagesgeschäft stellen, aber dabei nicht aus den Augen verlieren, der Nachwelt etwas hoffentlich Bedeutendes zu hinterlassen – das ist vielleicht heute mehr denn je mit einem hohen Anspruch an uns selbst verbunden. Georg Ludwig Hartig liefert uns ein Vorbild – als Nachwelt (wie die Inschrift auf dem Grabstein uns auffordert) ehren wir diesen Mann.
S. Loboda

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