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Gemeinsame Verantwortung für die Vielfalt der Wälder Nordostdeutschlands

Gemeinsame Verantwortung für die Vielfalt der Wälder Nordostdeutschlands

Fast nahtlos geht es in Brandenburg vom Internationalen Jahr der biologischen Vielfalt 2010 in das Internationale Jahr der Wälder 2011 über. Dafür sorgt nicht zuletzt die Veröffentlichung einer gemeinsamen Studie der Forstverwaltungen der Länder Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, die sich mit dem Thema „Biologische Vielfalt in den Wäldern Nordostdeutschlands“ beschäftigt.

Wesentliche Ergebnisse der gemeinsamen Studie der Forstverwaltungen der Länder Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, in der anhand ausgewählter Indikatoren die Leistungen der Forstwirtschaft der vergangenen Jahre und die zukünftigen Anforderungen an die Waldbewirtschaftung zur Sicherung der biologischen Vielfalt herausgestellt werden, sind jetzt in einer Broschüre nachzulesen.

Für die Bundesregierung hat die international verpflichtende Erhaltung der biologischen Vielfalt durch Schutz und nachhaltige Nutzung eine hohe Priorität. Die Umsetzung der „Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt“ aus dem Jahr 2007 soll alle gesellschaftlichen Akteure einbeziehen. In diesem Sinne beteiligen sich die Forstverwaltungen der Länder Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern gemeinsam an dem durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit initiierten Umsetzungsprozess.

Wesentliche Grundlage der nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt ist ein Indikatorenset. Dieses allgemeingültige Set wurde in der Studie durch waldspezifische Indikatoren untersetzt, die den Zustand und die Veränderungen der Biodiversität der Wälder treffender beschreiben.

Brandenburgs Wälder sind weniger zerschnitten als in Mecklenburg-Vorpommern. Die Isolation von Wald mit seinen typischen Artengemeinschaften durch das Beseitigen und Auseinanderreißen der Waldfläche zugunsten anderer Nutzungsarten stellt ein gravierendes Problem dar. Im Vergleich zu Mecklenburg-Vorpommern ist die doppelt so große Waldfläche Brandenburgs jedoch deutlich weniger fragmentiert. Mehr als die Hälfte der brandenburgischen Waldfläche weist Einzelflächengrößen zwischen 1.000 bis 10.000 ha auf, was jedoch nicht darüber hinwegtäuschen darf, dass sich in den letzten zwei Jahrzehnten der waldzerschneidende Effekt insbesondere durch die Ausbauart in Verbindung der gestiegenen Nutzungsintensität von Verkehrswegen vergrößert hat.

Insgesamt 14 % der Wälder Brandenburgs werden als sehr naturnah bzw. naturnah eingestuft. Eine Baumartenzusammensetzung, die der natürlichen  Waldgesellschaft am besten entspricht, ist eine wichtige Voraussetzung für das Vorkommen regionaltypischer, teilweise hoch spezialisierter Arten des Waldes, wie Pilze, Flechten und Moose. In Nordostdeutschland überwiegt die Kategorie „nur bedingt naturnaher Wald“. In Bandenburg beträgt dieser Waldanteil zwei Drittel. Die waldbaulichen Strategien beider Länder sehen bereits seit den 1990-er Jahren einen umfangreichen Waldumbau vor. So werden durch Verjüngungsmaßnahmen Kiefernreinbestände in Brandenburg langfristig in Misch- oder Laubwälder entwickelt.

Der Wald Nordostdeutschlands hat für den Naturschutz eine besondere Bedeutung. Schutzgebiete nehmen in den Wäldern beider Länder bereits heute einen hohen Flächenanteil ein. Bezogen auf die Schutzgebietskulisse Natura 2000 werden etwa 30 % der brandenburgischen und 40 % der mecklenburgischen Wälder erfasst.
Obwohl sich im Rahmen einer naturnahen Waldbewirtschaftung eine Vielzahl naturschutzfachlicher Ziele umsetzen lässt, bestätigen auch waldökologische Untersuchungen der Naturwaldforschung, dass zur Sicherung der Biodiversität auf einem Teil der Waldfläche die Bewirtschaftung unterbleiben sollte. Bestimmte Arten der heimischen Waldfauna und -flora sind auf Habitatstrukturen der naturnahen Alters- und Zerfallsphase angewiesen, die in Wirtschaftswäldern zu  wenig vorhanden und gezielter zu fördern sind. Aktuell erfolgt in Brandenburg auf etwa 1,2 % der Waldfläche keine forstliche Nutzung zugunsten der natürlichen Entwicklung. Bei einer Waldfläche von ca. 1,1 Mio. ha ist dieser Flächenanteil unter Berücksichtigung des zunehmenden Holzbedarfs und der zunehmenden Erholungsbedürfnisse der Gesellschaft verantwortungsbewusst zu schützen. Weitere Maßnahmen zur Erhaltung und Verbesserung der heimischen Waldartengemeinschaft sind die gezielte Anreicherung mit Totholz (derzeit in Brandenburgs Wäldern etwa 5,6 m3/ha) und der teilweise Ernteverzicht alter Bäume (Methusalem), die durch ihr natürliches Absterben Inseln urwaldähnlicher Habitatstrukturen schaffen. Beide Bundesländer haben bereits interessante Fortschritte erreicht.

Die Studie führt eine Vielzahl weiterer Indikatoren auf, so auch zur Flächenbilanz, Altersverteilung, Artenvielfalt oder Zertifizierung der Wälder. Beispielhafte Einzelprojekte finden Beachtung. Die zur Bewertung der Vielfalt der Wälder Nordostdeutschlands verwendeten Indikatoren eröffnen die Möglichkeit, Entwicklungen über Wiederholungsinventuren langfristig zu beobachten und Handlungsoptionen für den Waldnaturschutz abzuleiten.

Karin Müller (MIL BB), Steffen Schmidt (LFE)

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