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Gelebte Nachhaltigkeit bei Hessen-Forst

Gelebte Nachhaltigkeit bei Hessen-Forst

Zum ersten Hessischen Nachhaltigkeitstag am 23. September stellte Hessen-Forst seinen Nachhaltigkeitsbericht für die Geschäftsjahre 2008 und 2009 im Forstamt Königstein vor. Michael Gerst, der Landesbetriebsleiter, führte aus, dass beide Jahre besondere Herausforderungen für Hessen-Forst bereithielten. Nach den schweren Windwürfen 2007 und 2008 durch die Stürme Kyrill und Emma hatte Hessen-Forst im darauf folgenden Jahr 2009 mit Borkenkäfer-Befall zu kämpfen.“ Hinzu kam die allgemeine Wirtschaftskrise, die sich vor allem auf die Rohholznachfrage auswirkte. Dennoch zeigte sich Gerst zufrieden: „Trotz dieser schwierigen Rahmenbedingungen konnten wir in fast allen Geschäftsfeldern ein positives Ergebnis in beiden Geschäftsjahren erzielen.
Sturmschäden erfolgreich abgefedert
Die massiven Windwürfe der vergangenen Jahre wurden zwar zum Härtetest für Hessen-Forst, aber zugleich verwies der Landesbetriebsleiter darauf, „dass die Krise ebenfalls auch die Chance beinhaltete, den Wald stabiler als vor den Sturmschäden wieder aufzubauen. Wir setzen bei der Wiederbewaldung auf risikoärmere, gemischte Wälder mit vermehrtem Anteil von Douglasie. Die vorhandenen, alten Douglasienwälder in Hessen zeigen uns ganz deutlich, welche Stabilität diese Baumart in unsere zukünftigen Wälder bringen kann.
Die Sturmschäden bedeuteten zunächst eine enorme Belastung: So betrug 2008 der Schadholzanteil über 2,7 Millionen Kubikmeter. Das entsprach dem Vierfachen der geplanten Normal-Einschlagsmenge. Im Mittel der Gesamtnutzung lag die Holzernte in 2008 90 Prozent über der Planung, in 2009 konnte allerdings der Einschlag erfolgreich auf 98 Prozent der Planung begrenzt werden. Gerst verwies in diesem Zusammenhang auf das überdurchschnittliche Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ohne das die Folgen der Naturkatastrophen nicht so erfolgreich und schnell hätten beseitigt werden können.
Waldpädagogik boomt
Als größter Anbieter und landesweit präsenter Partner in der außerschulischen Umweltbildung konnte Hessen-Forst 2009 sein Walderlebnis-Angebot weiter ausbauen. Mit den facettenreichen, waldpädagogischen Veranstaltungen wurden im Jahr 2008 insgesamt 163.000 Personen erreicht, in 2009 waren es bereits mehr als 170.000.
Auch die drei Wildparke des Landesbetriebs wurden von vielen Gästen aufgesucht: Während im Jahr 2008 insgesamt 340.000 Besucher die Angebote nutzten, konnte in 2009 eine Steigerung um 23 Prozent erreicht werden. Hauptattraktion im Wildpark Weilburg war dabei das neu eingerichtete, 11.000 Quadratmeter große Bärengehege mit den beiden Jungbären „Steve“ und „Tim“.
Hessen-Forst trotzt Wirtschaftskrise durch angepasste Vermarktung und stabile Unternehmensstruktur
In Folge der Wirtschaftskrise gingen die Erträge in 2009 gegenüber 2008 um rund 31 Prozent zurück. „Jedoch konnte das Preisniveau bei Rohholz aufgrund konjunkturangepasster Vermarktungsstrategien stabilisiert werden“, erklärte Gerst. Darunter fielen beispielsweise die Drosselung des Buchen-Einschlags in 2008/2009 oder dass Hessen-Forst die Anzahl der Unternehmer beim Aufarbeiten gesenkt habe.
So wurden die Aufwendungen des Jahres 2009 gegenüber dem Vorjahr um rund 16 Prozent gesenkt. „Im Ergebnis konnte durch konsequente Kostenkontrolle und Optimierung der Wertschöpfung die konjunkturbedingte Ergebnisverschlechterung in Grenzen gehalten werden“, so Gerst. Die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit des Betriebes war im Berichtszeitraum jederzeit gewährleistet. Konkret bedeutete dies, dass Hessen-Forst trotz der konjunkturellen Abschwächung alle Arbeitsplätze seiner Beschäftigten sichern konnte.
Weitere Stärkung der Geschäftsfelder
„Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist es wichtig, mehrere marktfähige Geschäftsfelder und damit eine solide Basis zu haben“, so Michael Gerst. Er betonte, dass „Hessen-Forst die erforderlichen Maßnahmen ergriffen hat, damit wir in diesen Segmenten auch in den nächsten Jahren weiter wachsen.“ Er denke dabei an den wachsenden Bereich des internationalen Forst-Consultings genau so wie an die Bildungsangebote des Landesbetriebs zur nachhaltigen Entwicklung. Auch der Bereich der erneuerbaren Energien werde stetig weiter wachsen, wobei allerdings „Holz ein knappes Gut bleibt. Wir wünschen wir uns daher, dass Holz möglichst energieeffizient eingesetzt wird. Letztendlich entscheiden jedoch die Marktpreise über seine Verwendung“, so der Forstexperte.
Hessen-Forst engagiert sich in CO2-Reduzierung
Erstmalig erstellte Hessen-Forst in 2008 eine Klimabilanz. Darin wurden klimaökologische Vorteile bewirtschafteter Wälder festgestellt. Der nachhaltig bewirtschaftete hessische Staatswald hat rund drei Prozent der hessischen Gesamtemissionen gebunden.
Außerdem kümmert sich Hessen-Forst um die energetische Verbesserung seiner Immobilien. Deren derzeitiger End-Energiekennwert ist unterdurchschnittlich: „Wir streben für das Jahr 2020 das „10-Liter-Haus“ an, formulierte Gerst das ehrgeizige Sanierungsziel.
Qualitativer Naturschutz durch Hessen-Forst
„In einer zusammenwachsenden Welt sind besonders Land- und Forstwirtschaft gefordert, umsichtig zu agieren. Nur im Zusammenwirken aller Beteiligten entstehen Landnutzungskonzepte, die Leistungen für die Gesellschaft nachhaltig und erfolgreich erbringen können,“ ergänzte Gerst. Er legte dar, dass sich die Forstwirtschaft schon seit gut 300 Jahren der Nachhaltigkeit verschrieben habe, „zumal ein Förster diesen Begriff quasi erfunden hat.“
Von jeher ist verantwortungsbewusstes Handeln für Forstleute, nicht nur in Hessen, das Leitmotiv ihres Wirkens, betonte Gerst. Die „Ministerkonferenz über den Schutz der Wälder“ hat in Helsinki 1993 nachhaltiges Handeln mit sechs Kriterien konkretisiert: Die Ressourcen des Waldes und seine Gesundheit müssen erhalten sowie Holz und Dienstleistungen aus dem Wald bereit gestellt werden. Der Waldbau und die biologische Vielfalt müssen zukunftsfähig sein. Die Schutzfunktionen des Waldes müssen sichergestellt und sozioökonomische Kriterien erfüllt werden. Darunter fallen zum Beispiel die Organisation der Arbeitsprozesse, die Kommunikation mit Partnern oder die Umweltbildung sowie Öffentlichkeitsarbeit.
Hessische Naturschutzleitlinie
In diesem Zusammenhang verwies Gerst auf die Ende August diesen Jahres in Kraft getretene Hessische Naturschutzleitlinie. Sie wurde in Zusammenarbeit mit den wichtigsten Naturschutzverbänden erarbeitet und kommt den Bedürfnissen der Menschen genauso entgegen wie sie den Anforderungen der Natur entspreche. Auch und gerade im Internationalen Jahr der Biodiversität 2010 habe sich Hessen-Forst besonders für die Bewahrung der Artenvielfalt in den betreuten Wäldern eingesetzt. Mit Artenpatenschaften unterstützten und unterstützen auch zukünftig die hessischen Forstämter die Biotopansprüche bedrohter Tier- und Pflanzenarten im Wald, wie beispielsweise für die seltene Wald-Orchideenart Frauenschuh oder Wald-Moore, den Luchs und die Wildkatze, den Biber, den
Schwarzstorch oder die Mopsfledermaus.
Gesundheit der Mitarbeiter steht an 1. Stelle
„Trotz der Naturkatastrophen ist Hessen-Forst auf einem guten Weg, zum Beispiel im Bereich Arbeits- und Gesundheitsschutz.“ Hessen-Forst erhielt von der Unfallkasse Hessen bereits 2008 den Förderpreis für „Innovative Maßnahmen im Arbeits- und Gesundheitsschutz“. Auch fallende Unfallzahlen bleiben weiterhin ein Ansporn, sie weiter zu reduzieren: Waren es 2008 noch 90 meldepflichtige Unfälle bei den beschäftigten Forstwirten, so sank die Zahl in 2009 bereits auf 74. „Aber wir streben an, auch diese Zahl weiter zu verringern“, versprach Gerst. Dieses Hessen-Forst-Angebot zur Vermeidung und Reduzierung von Unfällen wird bereits erfolgreich von kommunalen Waldbesitzern angenommen.
Verhalten optimistisch
Schon für 2010 rechnete der Landesbetriebsleiter wieder mit deutlich besseren wirtschaftlichen Ergebnissen. „Steigende Holzpreise bei gleichzeitiger Senkung der Erntekosten lassen mich auf eine gute Bilanz 2010 hoffen.“ Langfristig strebe Hessen-Forst einen Ausbau seiner starken Position am Holzmarkt und des Wachstumskurses in den Bereichen Immobilien, Dienstleistungen und Erneuerbare Energie an. Für 2011 “ dem Internationale Jahr der Wälder “ beteilige sich Hessen-Forst an einem umfangreichen Programm für die hessischen Bürger.
 
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