Forstpolitik

Geld für Ökosystemleistungen des Waldes

Bearbeitet von Rainer Soppa

Der Wunsch nach mehr arten- und strukturreichen Wäldern, die zudem Wasser speichern, Luft kühlen und Erholung bieten, wird stärker. Das Problem: Solche Gratis-Leistungen werden bei der Waldplanung bisher zu wenig berücksichtigt. Eine Chance könnte die Vergütung von Ökosystemleistungen bieten. Die Technische Universität (TU) Dresden zeigt Optionen auf und entwickelt Methoden zur Honorierung nachhaltiger Waldwirtschaft – am Beispiel von Flächen in Mecklenburg-Vorpommern. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das Verbundprojekt fachlich und finanziell mit rund 570.000 €.

Standortgerechte Waldwirtschaft zählt mit nachhaltigem Holzbau laut Wissenschaftlichem Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) zu den Mehrgewinnstrategien. „Denn Wälder nehmen nicht nur beachtliche Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid aus der Luft auf und speichern den Kohlenstoff“, sagt DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. Sie tragen nach seinen Worten auch zum Artenschutz bei, dienen als Klimaanlage, spenden Sickerwasser. Bonde: „Diese wertvollen Ökosystemleistungen der Wälder müssen finanziell besser gewürdigt werden.“ Das werde helfen, solchen natürlichen Mehrwert für Mensch und Umwelt aufrechtzuerhalten und den Wert einzelner Flächen zu steigern. „Ob Klima- und Biodiversitätskrise bewältigt werden, wird sich in der Fläche zeigen“, fügte der DBU-Generalsekretär mit Blick auf den „Internationalen Tag des Waldes“ am 21. März hinzu.

DBU-Generalsekretär Alexander Bonde
Foto: DBU

Wandel in der Waldwirtschaft wichtig

Lange Zeit gab die Holzproduktion den Takt bei der Waldplanung vor, doch mittlerweile ist ein Wandel im Gang. „Fichten waren in Deutschland bisher vorrangige Einnahmequelle bei Waldbesitzerinnen und -besitzern“, sagt Dr. Reinhard Stock, Leiter des DBU-Referats Naturschutz. „Ihre weitgehend astfreien langen Stämme, das schnelle Wachstum und die hohe Qualität als Bauholz prägten das forstliche Handeln.“ Doch Extremwetter wie Dürren schwächten in den vergangenen Jahren die Vitalität der Fichtenforste; Borkenkäfer-Kalamitäten beschleunigten überdies das großflächige Absterben. Vom erhöhten Einschlag an Schadholz profitierten Säge-, Hobel- und Imprägnierwerke. Für Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer dagegen gab es aufgrund des Überangebots an Holz nur geringe Erlöse. „Wir brauchen einen schnellen Wandel in der Waldwirtschaft“, sagt Stock. Strukturreiche Laubmischwälder mit ihren vielfältigen Ökosystemleistungen seien deutlich widerstandsfähiger. Damit der Waldumbau nach seinen Worten gelingt und der Waldbesitz sich nicht allein durch Holzverkauf rentiert, ist „die Finanzierung von Ökosystemleistungen zu einem Top-Thema in Politik, Wissenschaft und Forstpraxis geworden“, so der DBU-Referatsleiter. Die Herausforderung: Zwar gebe es nach seinen Worten erste, schematische Honorierungsansätze, eine auf wissenschaftlicher Basis hergeleitete Methodik fehle aber noch.

Qualität von Ökosystemleistungen erhöhen und Kosten ermitteln

Eine solche Methodik will das Institut für Forstökonomie und Forsteinrichtung der TU Dresden in Kooperation mit Wirtschaft, Naturschutz, Tourismus, Wissenschaft und Forstpraxis entwickeln – mit besonderem Fokus auf die Nachfrage. „Zu diesem Zweck werden Präferenzen von Waldnutzerinnen und -nutzern ermittelt“, sagt Prof. Dr. Andreas Bitter vom Institut für Forstökonomie und Forsteinrichtung der TU Dresden. Neben einer erweiterten Inventurdatenauswertung, die nicht nur auf Holzproduktion ausgerichtet ist, werden nach seinen Worten sogenannte Weiserflächen für charakteristische Waldentwicklungstypen angelegt. Untersucht wird auf diesen Forschungsflächen, wie die Qualität einzelner Ökosystemleistungen zu erhöhen ist. „So lassen sich über die notwendigen Maßnahmen auch die Kosten ermitteln“, sagt der Waldexperte. Vorteil der Waldentwicklungstypen: Sie finden sich in vielen Bundesländern. Das sichert laut Bitter eine methodische und teils sogar direkte inhaltliche Übertragbarkeit des Ansatzes auf viele Betriebe in Deutschland. Gemeinsam mit den Haupt-Nutzergruppen werde ein Vermarktungskonzept erarbeitet.

Prof. Dr. Andreas Bitter vom Institut für Forstökonomie und Forsteinrichtung der TU Dresden
Foto: AGDW

Eingebunden sind forstliche Betriebe in Mecklenburg-Vorpommern

Das auf drei Jahre angelegte Projekt findet in Kooperation mit verschiedenen Institutionen der TU Dresden, der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht sowie mit Naturschutz und Tourismus statt, wobei alle Waldbesitzarten berücksichtigt werden sollen. Ein betriebliches Planungshandbuch mit Verfahrensbeschreibungen und waldbaulichen Behandlungsprogrammen soll eine Verbreitung in der Forstpraxis ermöglichen. Eingebunden in das Projekt sind Praxisbetriebe des Staats-, Kommunal- und Privatwaldes im Bereich des Forstamtes Billenhagen in Mecklenburg-Vorpommern.

Quelle:DBU/red