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Der Sächsische Forstverein weihte anlässlich der Mitgliederversammlung 2012 einen Gedenkstein für Freiherr von Berg auf dem Meilerplatz im Breiten Grund bei Tharandt ein. Im Bild v.l.: Silvio Ziesemer (Bürgermeister Tharandt)

Sächsischer Forstverein ehrt Freiherr von Berg

Der bedeutende deutsche Forstwissenschaftler Carl Heinrich Edmund Freiherr von Berg (1800 bis 1874) hat seit Oktober 2012 eine eigene Gedenktafel im Tharandter Wald in der Nähe der Landeshauptstadt Dresden. Der Sächsische Forstverein, den Freiherr von Berg 1847 in Marienberg mitbegründet hatte und dessen erster Vorsitzender er war, weihte den Gedenkstein aus Granit auf dem Meilerplatz im Breiten Grund bei Tharandt anlässlich der Mitgliederversammlung 2012 ein. Neben den Mitgliedern des Forstvereins nahmen auch Vertreter der TU Dresden, des Staatsbetriebes Sachsenforst und der Stadt Tharandt teil.

Freiherr von Berg war ab 1845 als Nachfolger von Heinrich Cotta der Direktor der Forstakademie in Tharandt. Ein Jahr später war er auch für die Anlage des Meilers im Breiten Grund verantwortlich. Ursprünglich diente dieser den Forststudenten als anschauliches Beispiel bei ihrer Lehre. Heute wird diese Tradition vom örtlichen Meilerverein fortgeführt. Die Gedenktafel wurde durch Spenden finanziert.
Die Würdigung von Bergs anlässlich der Einweihung übernahm Prof. Dr. habil. Dr. h .c. Otto Wienhaus. Nachfolgend Auszüge aus seiner Festrede.
Von Berg wurde am 30. November 1800 in Göttingen geboren. Im Alter von 15 Jahren besuchte von Berg für zwei Jahre die Forstakademie in Dreißigacker (Meiningen). Danach studierte er Natur- und Rechtswissenschaften an der Universität in Göttingen. Nach einer forstlich-praktischen Tätigkeit in den hannoverschen Harzforsten absolvierte er 1820 an der Göttinger Universität die forstliche Staatsprüfung. Er wird danach am Berg- und Forstamt Clausthal angestellt und an der hier neu gegründeten Forstschule Hilfslehrer für Forsttechnologie, Entomologie und Jagdkunde. Über einige Laufbahnetappen wird er schließlich „wirklicher Oberförster“ und Chef der Forstinspektion in Lauterberg, wo er auch die Meisterschule zur Ausbildung junger Forstleute leitete. Als er im Jahre 1845 also im besten Mannesalter von 45 Jahren den Ruf als königlich-sächsischer Oberforstrat und Direktor der Akademie für Forst- und Landwirte nach Tharandt als direkter Nachfolger von Heinrich Cotta erhält, hat er bereits vielseitige forstliche Erfahrungen in der Praxis und der Lehre gesammelt.
Einen besonderen Stellenwert räumte von Berg der Anstellung von „wohl begründeten Untersuchungen und Versuchen im Walde“ bei. „Wahr aber ist und bleibt es, nur da, wo die Wissenschaft leitend und vermittelnd wirkt, ist wahrer Fortschritt.“ Die 20 Jahre, die von Berg als Direktor der einzigen akademischen Ausbildungsstätte für Forst- und Landwirte in Sachsen wirkte, ist eine Glanzzeit für Tharandt. Dabei muss man auch das gleichzeitige produktive Wirken von Julius Adolph Stöckhardt, der am 01.10.1847 nach Tharandt berufen wurde, nennen.
Stöckhardt hat mit dem Lehrbuch „Schule der Chemie“ das chemische Lehrwerk des 19. Jahrhunderts verfasst. Er gilt als Begründer der wissenschaftlichen Rauchschadensforschung und er hat in Tharandt die grundlegenden Versuche zur mineralischen Düngung unter Einbeziehung von Stickstoffverbindung durchgeführt. Man erkannte die große Bedeutung des land- und forstlichen Versuchswesens und so konnte initiiert von erfolgreichen Tharandter Untersuchungen im Jahre 1852 in Möckern bei Leipzig die erste landwirtschaftliche Versuchsstation Deutschlands gegründet werden. Daraufhin wurde von Tharandt aus auch empfohlen nach diesem Vorbild ebenso forstliche Versuchsstationen zu schaffen. So kann man sagen, dass zur Zeit des Wirkens von Freiherr von Berg in Tharandt auch die Gründung der heute fest etablierten landwirtschaftlichen und forstlichen Landesanstalten in Deutschland ausging.
Von besonderer Bedeutung ist das literarische Werk von C. E. v. Berg, das fast alle Bereiche der Forstwirtschaft umfasst. Im Gegensatz zu Heinrich Cotta weitete v. Berg seine Reisetätigkeit über große Teile Europas aus, um hier die forstlichen Bedingungen kennenzulernen.
Wie kam es zu der Errichtung der Lehrmeilerstätte im Breiten Grund des Tharandter Waldes durch Prof. von Berg? Freiherr von Berg legte in seiner Amtszeit sehr viel Wert auf Untersuchungen unter Praxisbedingungen und den Erwerb von praktischen Fähigkeiten durch die Studenten. So ist es leicht erklärbar, dass Prof. von Berg als er nach Tharandt kam bereits 1846 an diesem Platz eine Lehrmeilerstätte errichten ließ. Zuvor hatte er sich intensiv mit der Köhlerei beschäftigt und 1830 ein Buch „Anleitung zum Verkohlen des Holzes ein Handbuch für Forstmänner, Hüttenbeamte und Cameralisten“, Darmstadt 1850, herausgegeben. Mit der Verordnung vom 21.1.1846 wird „um die Studierenden im Praktischen der Köhlerei unterweisen zu können nach Erbauung der Köhlerhütte im nahe gelegenen breiten Grunde jährlich ein Meiler verkohlt.“ So steht das Denkmal für diesen verdienten Forstmann, für diesen verdienstvollen Tharandter am richtigen Orte!
Die Festrede kann bei der Geschäftsstelle des Sächsischen Forstvereins angefordert (forstverein.sachsen@t-online.de) bzw. unter www.forstverein.de abgerufen werden.

SFV/Thomas Rother
Der Sächsische Forstverein weihte anlässlich der Mitgliederversammlung 2012 einen Gedenkstein für Freiherr von Berg auf dem Meilerplatz im Breiten Grund bei Tharandt ein. Im Bild v.l.: Silvio Ziesemer (Bürgermeister Tharandt)

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