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Gedanken zum nationalen Waldgipfel

Am 25. September versammelten sich auf Einladung von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner in Berlin fast 200 Vertreter von über 170 Verbänden und Interessengruppen zum Nationalen Waldgipfel. Unmittelbar vor dem Waldgipfel forderte die IG BAU  bei einer Kundgebung vor dem Tagungshotel lautstark zusätzliches Fachpersonal im Forstbereich, um den neuen Herausforderungen gerecht zu werden.

Den Anfang der Veranstaltung machte Julia Klöckner, die ein Diskussionspapier mit Maßnahmen vorstellte, wie akute Schäden bewältigt, zerstörte Flächen wiederbewaldet und die Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel gestärkt werden könnten. Insgesamt wird der Bund die Waldbesitzer  mit 547 Mio. € unterstützen, 478 Mio. € davon werden über die GAK-Förderung verteilt. Über die Kofinanzierung durch die Bundesländer ergeben sich daraus in der Summe rund 800 Mio. €. Diese Mittel sollen innerhalb von vier Jahren für die Räumung von Schadholz und für die Wiederbewaldung eingesetzt werden.

Nicht gesagte Worte

Im Anschluss vertrat Prof Dr. Beate Jessel, die Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz, Bundesumweltministerin Svenja Schulze. In ihrem Grußwort fielen besonders die nicht gesagten Wörter auf. Kein einziges Mal erwähnte sie die Begriffe Forstwirtschaft oder Rohstoff. Hingegen betonte sie ausdrücklich, dass alle öffentlichen Gelder auch für die Öffentlichkeit eingesetzt werden sollten – öffentliches Geld für öffentliche Leistungen.

In ein ähnliches Horn stieß auch Elisabeth Emmert vom Deutschen Naturschutzring (DNR) in ihrem Impulsreferat. Die abgestorbenen Wälder sollten bevorzugt durch Naturverjüngung und Sukzession wiederbewaldet werden. Dies zeugt von Unkenntnis bzw. Missachtung forstlicher Realitäten.

Der Deutsche Forstwirtschaftsrat (DFWR) machte Vorschläge, wie den betroffenen Waldbesitzenden rasch geholfen werden könne. Dazu zählen die Abschaffung des Grundbeitrages der Berufsgenossenschaft sowie die Abschaffung der Beitragspflicht für Forstflächen durch die Wasser- und Bodenverbände. Schirmbeck, Präsident des DFWR: „Diese beiden Maßnahmen sind kurzfristig möglich und entlasten vor allem die Kleinprivatwaldbesitzer, die wir in dieser schwierigen Zeit nicht verlieren dürfen!“

Beitrag zur Berufsgenossenschaft streichen

Mit Blick auf die Kleinprivatwaldbesitzenden schlägt der DFWR weiter vor, dass der Staat vor dem Hintergrund eines kollabierten Holzmarktes die Kosten für die Schadholzräumung übernimmt. Viele Waldbesitzenden hätten keine Reserven mehr die Wiederbewaldung zu stemmen, deshalb müsse auch sie komplett getragen werden, damit der Umbau in klimastabile standortgerechte Mischwälder nicht ins Stocken gerät. Vor diesem Hintergrund appellierte Schirmbeck an Bund und Länder. „Einige Länder müssen jetzt dringend ihre Förderpraxis überdenken und sie so gestalten, dass die bereitgestellten Mittel auch zeitnah abfließen können“.

Hans-Georg von der Marwitz, Präsident der AGDW – Die Waldeigentümer, bewertet die Zusagen der Ministerin als klares Bekenntnis zum Wald und zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung: „Das ist ein starkes Signal, um die Wälder in der Krise zu stabilisieren und den Waldumbau zu unterstützen“, sagte von der Marwitz. „Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat die Forderungen der AGDW mehrheitlich aufgenommen, es hat die Krise erkannt und eine Antwort gefunden.“

Dreißig Jahre Waldumbau

Ein flammendes Plädoyer mit der Vorstellung der verschiedensten Szenarien über den Wald der näheren Zukunft hielt der Leiter der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) Prof. Dr. Hermann Spellmann. Im Gegensatz zu den Darstellungen in den Medien finde bereits seit über 30 Jahre ein aktiver Wandel im Waldbau und bei der Baumartenwahl statt. Nur würden zurzeit die bisher empfohlenen Baumarten durch die Wetterextreme der letzten Jahre wieder infrage gestellt. Auch deswegen empfiehlt Spellmann eine ideologiefreie Analyse der für die Standortbedingungen der Zukunft potenziell tauglichen Baumarten, denn es könne durchaus sein, dass auch z. B. die Buche in vielen Bereichen nicht mehr überlebensfähig sei.

Die anschließende Diskussionsrunde verlief dann sehr lebhaft, bei einer misslungenen Aktion von RobinWood sogar kurz tumultartig. Julia Klöckner rief daraufhin noch einmal eindringlich dazu auf, zu einer sachlichen Diskussion zurückzukehren, da schließlich alle in einem Boot säßen.

CO2-Abgabe

Uneinigkeit herrschte bei der Frage der Frage des CO2-Zertifikatehandels. Ministerin Klöckner möchte vorerst die Forstwirtschaft nicht direkt in den Handel einbinden, da dies auch mit finanziellen Risiken behaftet sei. Für eine CO2-Abgabe sprach sich dagegen der Präsident des Deutschen Holzwirtschaftsrates (DHWR) Steffen Rathke aus. „Holz kann Plastik, Stahl, Beton und Ziegel ersetzen. Dazu muss die Politik die richtigen Weichen stellen und einen klimarelevanten CO2-Preis einführen“, fasst Rathke die Erwartungen an den Waldgipfel zusammen. Eine CO2-Abgabe forderte auch die AGDW. Diese solle auch zur Honorierung der Klimaleistungen des Walds eingesetzt werden. Aus Sicht des AGDW-Präsidenten seien als nächstes drei Dinge wichtig: Erstens müsse alles dafür getan werden, dass die Maßnahmen auch umgesetzt werden.

Dazu zähle, dass verschiedene Hürden abgebaut würden, so von der Marwitz mit Blick auf die Agrarministerkonferenz von Bund und Ländern, die am Donnerstag und Freitag in Mainz tagt. Im Mittelpunkt stünde die Vereinfachung der Förderung (u. a. mittels Erstellung von kurzen und verständlichen Förderanträgen) sowie eine Lösung für die Deckelung der Fördersummen über die De-minimis-Regelung. Auch müsse die Förderung der Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse als Selbsthilfeeinrichtung des Kleinprivatwaldes stärker in den Fokus rücken.

„Bund und Länder müssen jetzt schnell dafür sorgen, dass die Hilfen von den betroffenen Waldbesitzern abgerufen werden können“, sagte der AGDW-Präsident.

Auch wenn man nicht den Eindruck hatte, die knapp 200 Besucher würden mit der selben Meinung die Veranstaltung verlassen, mit der sie gekommen sind – immerhin reden die verschiedenen Interessengruppen miteinander. Wünschenswert wäre allerdings, man würde auch die Notwendigkeit nach einem umweltfreundlich in Deutschland hergestellten Rohstoffs wahr nehmen sowie das Bedürfnis der Waldbesitzer, Förster und Forstunternehmer nach einer Einkommensquelle. Ohne Zweifel gibt es niemanden in der Forstbranche, der sich nicht auch für den Erhalt des Waldes als Lebensraum einsetzt.

Rainer Soppa

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