Die zahlreichen Vorteile von Agroforstsystemen inklusive ihrer positiven Langzeitwirkung für das Klima, die Biodiversität und den Ressourcenschutz stoßen auf breiten öffentlichen Konsens.
|

GAP-Reform: Chancen für Agroforst nicht verspielen!

27. Dezember 2021

Zum Beitrag vom 6. Dezember „Geplante Förderung von Agroforstsystemen entwickelt sich zum Förderflop“ erhielten wir folgende Ergänzungen. Danach würde die frühere Bundesregierung bei der GAP-Reform Chancen auf mehr Klimaschutz und Biodiversität durch Agroforstsysteme verspielen. Weiterer Protest sei nun vorprogrammiert.

Per Eilverfahren wurde am 17. Dezember 2021, kurz vor Weihnachten, der von der ehemaligen Bundesregierung abgesegneten Fassung der GAP-Direktzahlungen-Verordnung (GAPDZV) bei der letzten Plenarsitzung im Bundesrat zugestimmt. Angesichts eines jährlichen Fördervolumens in Milliardenhöhe stellen die Direktzahlungen bislang das einflussreichste Instrument der Agrarförderung dar, so dass den Verordnungstexten eine wichtige Funktion im Hinblick auf die nationale Ausgestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) zukommt. Nach den Vorstellungen der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und ihren Partnern muss die GAP-Reform künftig jedoch viel stärker auf gemeinwohlorientierte Leistungen setzen und die Klimaschutz- und Umweltleistungen landwirtschaftlicher Betriebe angemessen honorieren.

Doch trotz des eindringlichen Appells zahlreicher namhafter Verbände, Stiftungen und Organisationen enthalten die Verordnungstexte ausgerechnet bei der künftigen Agroforstförderung weiterhin eklatante Schwachstellen und unzumutbare Mängel. Dies erscheint mehr als unverständlich, da die zahlreichen Vorteile von Agroforstsystemen inklusive ihrer positiven Langzeitwirkung für das Klima, die Biodiversität und den Ressourcenschutz auf breiten öffentlichen Konsens stoßen.

Daniel Fischer, Agroforst-Beauftragter der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Mitteldeutschland e. V.
|

Daniel Fischer, Agroforst-Beauftragter der AbL Mitteldeutschland und einer der Initiatoren des bundesweiten Aktionsbündnisses zur Agroforstwirtschaft, gibt vor diesem Hintergrund bekannt: „Die bewusste Missachtung der wesentlichen Kernforderungen unseres Aktionsbündnisses zur geplanten Agroforstförderung wirft die Frage auf, ob die erfolgte Verbändebeteiligung beim BMEL zur GAP im Oktober dieses Jahrs nicht reine Makulatur war. Abgesehen von einigen wenigen Detailverbesserungen wurden unsere konstruktiven Änderungsvorschläge leider weder vom BMEL noch vom BMU aufgegriffen und in die Verordnungstexte eingearbeitet. Nun droht die Agroforstförderung in der kommenden GAP-Förderperiode vollkommen ins Leere zu laufen. Entgegen den Beschlüssen des Bundestages (Drucksache 19/24389) und des Bundesrats (Drucksache 420/21) wurden die Förderbedingungen leider so unzureichend ausgestaltet, dass die Zielvorgabe für die Agroforstwirtschaft nicht erreicht werden können. Dies wird u. a. auch vom Deutschen Fachverband für Agroforstwirtschaft (DeFAF) so bekräftigt. Die verantwortlichen Akteure nehmen somit ein Scheitern mit Ansage billigend in Kauf! Das Nachsehen werden nun die Betriebe haben, die zukünftig einen Beitrag für mehr Klimaschutz, mehr Klimaresilienz und mehr Biodiversität mittels Agroforstsysteme leisten wollen. Durch die massive Benachteiligung und offenkundige Diskriminierung der Agroforstwirtschaft wird die Förderung einer enkeltauglichen und klimagerechten Landnutzung somit letztendlich verhindert. Angesichts der großen Herausforderungen unserer Zeit ist dies völlig inakzeptabel. Deutschland wird auch in Zukunft bei der Agroforstwirtschaft weiterhin ein trauriges Schlusslicht in Europa bleiben, wenn jetzt nicht durch weitere Nachbesserungen die Kehrtwende erfolgt!“

Und es bestehen tatsächlich noch Zeichnen der Hoffnung: Neben dem bundesweiten Aktionsbündnis haben sich mittlerweile in nahezu allen Bundesländern Aktionsnetzwerke gebildet, welche die Forderung nach einer unbürokratischen, attraktiven und wirksamen Agroforstförderung nachdrücklich unterstützen. Zugleich haben aufgrund des großen Nachbesserungsbedarfs mehrere Bundesländer Änderungsanträge zur Agroforstwirtschaft eingereicht. Dies könnte gegenwärtig der wichtigste Rettungsanker sein, um den größten Schaden noch abzuwenden und verloren gegangenes Vertrauen wiederzuerlangen. Denn bei der GAP- Reform steht nichts Geringeres auf dem Spiel als die Glaubwürdigkeit im Hinblick auf eine zukunftsfähige Ausgestaltung der künftigen Agrarpolitik. Die letzte Bundesregierung hat diese Chance leider verspielt. Die Bundesländer sowie die neue Bundesregierung sind daher aufgerufen, dem entgegenzutreten.

Daniel Fischer, Agroforst-Beauftragter der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Mitteldeutschland e.V.