WaldÖkologie

Gamsbestand in Bayern: Alternative Fakten vom BJV

Bearbeitet von Heinrich Höllerl

Anfang der Woche berichteten wir von einem wildbiologischen Forschungsprojekt der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft LWF, beim dem der Gamsbestand in zwei Versuchsgebieten mit aufwändigen Zählmethoden untersucht wurde. Die Forstministerin Michaela Kaniber hatte sich in einer Pressemitteilung erfreut geäußert, dass es dort nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen eine stabile Population gibt und die Gämse in ganz Bayern mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht gefährdet ist. Zugleich kündigte sie ein neues Projekt, das diese Zählungen in nächster Zeit auf den ganzen Alpenbogen ausweitet.

Kurz darauf äußerte der Bayerische Jagdverband BJV massive Zweifel an den Erkenntnissen. In bester Querdenker-Manier sprach er den angewandten Methoden jegliche Wissenschaftlichkeit ab und bezeichnete die Arbeit eines internationalen Forscherteams als „Schätzungen“. Die Pressemitteilung gipfelt in der Unterstellung, die LWF habe das Ministerium „getäuscht“. Mit 14.000 Individuen in ganz Bayern sei die Gams sehr wohl gefährdet.

Angesichts der haltlosen Vorwürfe liest sich die Antwort der Landesanstalt sehr sachlich: Es wird noch einmal erläutert, dass die Forscher auf insgesamt 125km² Kotproben eingesammelt haben und bei den Analysen knapp 800 Tiere eindeutig identifizieren konnten. Weil man auf dieser gewaltigen Fläche niemals sämtliche Kothäufchen finden kann, erfolgt eine Hochrechnung auf 1350 Tiere für das gesamte beprobte Areal. Die dabei eingesetzten statistischen Methoden sind weltweit anerkannt. Was jedoch völlig unzulässig sei, ist die weitere Rechnung des BJV, daraus eine Population für ganz Bayern zu schlussfolgern. Dies sei schlichtweg falsch und eine solche Aussage habe man von Seiten der LWF auch nie getroffen.

Es bleibt zu hoffen, dass der Jagdverband wenigstens beim Vorliegen der laufenden landesweiten Erhebungen die Arbeit der Wissenschaft anerkennt und nicht weiter Verschwörungstheorien verbreitet.