Newsletter
ABO
Zeitschriften
Service
AGDW – Die Waldeigentümer vertritt als Dachverband für 13 Landesverbände die Interessen der über zwei Millionen privaten und körperschaftlichen Waldbesitzer in Deutschland.

Fundamentalismus prägt Klimaschutzplan 2050 des Bundesumweltministeriums

Der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände kritisiert die Ideologielastigkeit und mangelnde Offenheit im aktuellen Entwurf des Klimaschutzplans 2050 des Bundesumweltministeriums.

Die Bundesregierung erweist dem Klimaschutz einen Bärendienst, wenn sie sich den aktuellen Entwurf des Klimaschutzplans zu eigen macht“, sagte Philipp Freiherr zu Guttenberg, Präsident der AGDW – Die Waldeigentümer.
Mittlerweile liegt ein weiterer Entwurf des Klimaschutzplan 2050 aus dem Bundesumweltministerium vor, der die klimapolitischen Leitplanken für die kommenden Jahrzehnte definiert.
Philipp Freiherr zu Guttenberg kritisierte die Ideologielastigkeit gegenüber der nachhaltigen Waldbewirtschaftung, die sich wie ein roter Faden durch das Kapitel „Klimaschutz in der Landnutzung und Forstwirtschaft“ zieht: „Der Klimaschutzplan zum jetzigen Zeitpunkt spiegelt den Fundamentalismus der Umweltseite in der Bundesregierung wieder. Wer die ökologischen und gesellschaftlichen Folgen des Klimawandels in den kommenden Jahrzehnten meistern will, sollte jedoch offen und sachlichen Argumenten zugänglich sein.“  
Ein großes Defizit im aktuellen Entwurf ist die Planung weiterer Flächenstilllegungen, die über die vereinbarten fünf Prozent der Waldfläche in Deutschland hinausgehen soll. Dies wird als „natürliche Waldentwicklung“ deklariert. Dabei ist es wissenschaftlich erwiesen, dass ein nachhaltig bewirtschafteter Wald einen großen Beitrag zum Klimaschutz leistet, weil erstens Kohlenstoff in Holzprodukten gespeichert wird und zweitens vermehrt neue Bäume nachwachsen können, die noch mehr CO₂ aufnehmen. Ein Wald, der nicht gepflegt wird und sich selbst überlassen bleibt, hat einen wesentlich geringeren Klimaschutzeffekt. Zu Guttenberg: „Frappierend ist die Ignoranz gegenüber der seit mehr als 300 Jahren erfolgreichen nachhaltigen Forstwirtschaft in Deutschland, die auch aufgrund ihres hohen ökologischen Anspruchs weltweit eine Vorbildfunktion hat.“
 
Ebenso kritisch sehen die Waldbewirtschafter die Ankündigungen zum Waldumbau, die vor unwissenschaftlichen Deutungsmustern nur so strotzen. Baumarten wie Douglasie oder Küstentanne stehen noch immer auf einer „Schwarzen Liste“, da sie – wie im Falle der Douglasie – im 19. Jahrhundert aus Nordamerika wiedereingeführt wurden und damit als „invasiv“ und „nicht standortheimisch“ abgestempelt werden. Doch weder das eine, noch – zumindest im Falle der Douglasie – das andere entspricht der Wahrheit. Zudem handle es sich hier, so zu Guttenberg, um Baumarten, die klimaresistent sind, den Wäldern zusätzliche Stabilität geben und das Artenspektrum bereichern. Zwei weitere Pluspunkte sind, dass die Douglasie der Atmosphäre große Mengen CO₂ entzieht und der Holzbranche wertvolles Nadelholz liefert. „Angesichts dieser vielen Qualitäten überrascht uns die mangelnde Toleranz und Willkommenskultur gegenüber Baumarten, die ihren Ursprung im Ausland haben“, sagte der Präsident.
 
Ein weiterer Widerspruch ist die geplante Einschränkung der energetischen Nutzung von Holz. Dabei ist Holz eine wichtige Säule im Rahmen der Energiewende, da zum Beispiel die Wärmeerzeugung mittels Hackschnitzel, Holzpellets oder Biomasse fossile Energieträger wie Kohle oder Öl ersetzt. Zudem verfügt Deutschland immer noch über ein großes nicht genutztes Rohholzpotenzial – ohne dabei die Nachhaltigkeit zu gefährden, könnte also immer noch ein Mehr an Holz aus Deutschlands Wäldern genutzt werden. „Holz ist der nachhaltige Rohstoff schlechthin“, sagte der AGDW-Präsident, „es wird höchste Zeit, dass die Umweltseite der Bundesregierung diese Tatsache anerkennt.“
 

Ergebnis Dialogprozess Klimaschutzplan 2050, März 2016 (4,8 MB)

 
AGDW – Die Waldeigentümer

Auch interessant

von