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Für betroffene Waldbesitzer ist es fünf vor zwölf

Der Waldzustandsbericht 2019 für Baden-Württemberg bestätigt dramatische Waldsituation. Dazu Jerg Hilt, Geschäftsführer der Forstkammer Baden-Württemberg.

„Der heute vorgestellte Waldzustandsbericht bestätigt das, was wir seit Monaten draußen erleben: unseren Wäldern geht es richtig schlecht“, sagte Jerg Hilt, Geschäftsführer der Forstkammer Baden-Württemberg anlässlich der Veröffentlichung des Waldzustandsberichtes 2019 am 28. Oktober. „Alle Wälder, egal ob in Rein- oder Mischbeständen, leiden unter den dramatischen Klimaveränderungen. Nur noch 25 % der Bäume sind gesund. Bei fast allen Baumarten erreichen die Schäden historische Spitzenwerte.“

Beschleunigte Umsetzung des Notfallplans Wald gefordert

Vor diesem Hintergrund fordert die Forstkammer eine Beschleunigung bei den Hilfen für die betroffenen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer. „Von dem Anfang September vorgestellten Notfallplan Wald von Minister Hauk ist bislang noch nichts bei den Waldbesitzenden angekommen“, stellt der Forstkammer-Geschäftsführer fest. „Die Frustration bei den Betroffenen nimmt zu.“ Der Plan enthalte viele dringend benötigte Maßnahmen und es sei ein wichtiges Signal, dass die Landesregierung die benötigten Gelder bereitstellen will. Vertreter aller Landtagsfraktionen haben den Waldbesitzern Unterstützung zugesagt. „Den Worten müssen jetzt aber endlich Taten folgen“, fordert der Forstkammer-Vertreter.

Hierbei gehe es vor allem um die für 2019 angekündigten Beilhilfen für Aufarbeitung und Entrindung von Schadholz. „Damit die Waldbesitzer, die in diesem Jahr mit viel Einsatz die Ausbreitung der Borkenkäfer verhindert haben, nicht benachteiligt werden, muss die Förderung auch rückwirkend ausgezahlt werden“, fordert Hilt. Auch die Unterstützung von Waldbesitzergemeinschaften, die laut Notfallplan ebenfalls noch im Jahr 2019 kommen soll, müsse jetzt umgesetzt werden. Ganz dringend ist aus Sicht der Forstkammer außerdem die Unterstützung der Waldeigentümer bei der aufwendigen und gefährlichen Beseitigung von abgestorbenen Bäumen an öffentlichen Straßen. Denn durch Frost und Schnee könnte sich das Risiko herabstürzender Äste im Winter noch erhöhen.

Andere Bundesländer wie Bayern und Hessen seien schon längst in der Umsetzung der Fördermaßnahmen. Nicht nur auf der Fläche werde zusätzliches Forstpersonal benötigt. Auch die Verwaltungszentralen müssten gestärkt werden, um eine wirksame Förderpolitik zu gewährleisten.

Klimaschäden nicht hausgemacht

„In Baden-Württemberg wird seit 40 Jahren großflächig naturnah gewirtschaftet“, erläutert der Geschäftsführer. Reinbestände gebe es inzwischen nur noch auf rund 10 % der Waldfläche. 90 % der Wälder verjüngen sich natürlich aus den Samen der Altbäume. „Trotzdem haben wir nun ein solches Ausmaß an Schäden. Die Probleme sind nicht hausgemacht. Der schnelle Klimawandel überfordert ganz einfach die Selbstheilungskräfte der Natur“, so Hilt. Es sei daher die wichtige Aufgabe und Herausforderung für Waldbesitzer und Förster, in dieser schwierigen Situation die Wälder mit all ihren Funktionen zu erhalten und für die Zukunft klimafit zu machen. „Für diese Herkulesaufgabe benötigen die Waldpfleger Rückendeckung und Unterstützung aus Gesellschaft und Politik.“

 

Die Forstkammer Baden-Württemberg vertritt die Interessen der privaten und kommunalen Waldeigentümer des Bundeslandes. In ihrem Eigentum sind ca. 75 % der Waldfläche von Baden-Württemberg, insgesamt über 1 Mio. ha.

Zum Thema: forstpraxis.de-Meldung

Forstkammer Baden-Württemberg

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