Holzernte

Fünfzig Jahre Firma Nuhn

von Oliver Gabriel

Am 8. und 9. September feierte die Firma Nuhn Forstmaschinen in Niederjossa ihr 50-jähriges Gründungsjubiläum. Rund 1 000 Kunden hatte der deutsche John-Deere-Importeur dazu eingeladen. Dazu kamen alle Partnerbetriebe aus Deutschland, Österreich und den Niederlanden sowie wichtige Vertreter der John-Deere-Zentrale in Finnland.

Eigentlich könnte Rudi Geisel sich jetzt entspannt zurücklehnen. Er hat in den Tagen und Wochen zuvor alles getan, was nötig war, um die Hausmesse in Niederjossa vorzubereiten. Jetzt sind die ersten Gäste angekommen, und seine Kollegen stehen bereit, um ihre Fragen zu beantworten. Unterstützt werden sie von den Kollegen der Partnerfirmen Amm, Forex, Haas, DonauWald Forstmaschinen usw. Aus Finnland waren John-Deere-Europachef Timo Ylänen, Produkt-Marketing-Manager Pekka Leppänen und Servicechef Pertti Rauva angereist. Jetzt kann Geisel die Dynamik der kommenden zwei Tage sowieso nicht mehr beeinflussen. Nach Ausruhen ist ihm aber offensichtlich nicht zumute. Noch immer ist viel zu tun. Seine Unrast könnte damit zusammenhängen, dass das 50-jährige Firmenjubiläum die erste Hausmesse seit 2004 ist. Da muss natürlich alles klappen. Damals lebte noch der Firmengründer Johannes Nuhn, der gerade 70 Jahre alt geworden war. Fünf Jahre zuvor hatte sein Sohn Jörg Nuhn die Geschicke des Unternehmens übernommen.

Später am Abend gab er einen kleinen Rückblick auf die Meilensteine der Firma, die wie kaum eine zweite in Deutschland für die Einführung der skandinavischen Kurzholztechnik in Deutschland steht. Der gelernte Sägewerker Johannes Nuhn hatte sich 1967 in Niederjossa als Holzhändler selbstständig gemacht. „Dem anfänglichen Holzhandel gliederte er kurze Zeit später den Holzeinschlag mit eigenem Personal und die Holzbringung mit eigener Technik an“, erinnert sich Jörg Nuhn. Dafür suchte er schon Mitte der 1970er Jahre effektivere Forsttechnik als sie damals in Deutschland verbreitet war. Diese fand er mit Hilfe der Industrie- und Handelskammer in Frankfurt. „Kurz darauf fuhren mein Vater und ich hinaus in die große, neue Welt der nordischen Länder. Wir besuchten Forstmaschinenhersteller, Waldbesitzer und Forstunternehmer – und hatten Glück: Wir waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort, die Eingangstür zum Forstmaschinengeschäft öffnete sich für uns.“ Wie er erzählt, importierte Nuhn 1978 den ersten Fäller-Sammler, den Makeri 33, 1979 folgte der erste Harvester der gleichen Marke und 1980 kam der erste Forwarder der Firma Bruun, die berühme Bruunett Mini 578F, die Ende 1982 vom Nachfolgemodell 678F Turbo abgelöst wurde.

Harte Arbeit

Man liegt wohl nicht falsch in der Annahme, dass die Firma Nuhn in den folgenden 20 Jahren auch Glück gehabt haben muss, dass sie im Zuge der zahlreichen Firmenfusionen und -übernahmen nie ihren Status als Generalimporteur verlor. Von Muisto Laine, Bruun, ÖSA, Rauma Repola und Lokomo, von Timberjack und FMG in Schweden, Finnland und Kanada war es ein langer und verschlungener Weg, bis die Kurzholzmaschinen im Jahr 2000 in den sicheren Hafen des US-amerikanischen Weltkonzern Deere & Company einliefen.

Allein auf Glück kann man den Erfolg des Unternehmens Nuhn aber natürlich nicht zurückführen. Jörg Nuhn betont in seiner Rede mehrmals die unternehmerischen Werte wie Teamwork, Ehrlichkeit, Flexibilität sowie fachliche und menschlische Kompetenz. Ganz sicher war es auch harte Arbeit. Ohne sie wäre das im Laufe der Jahrzehnte gewachsene Geflecht der deutschen Partnerfirmen nicht so stabil geblieben, und ohne sie hätte die Firma Nuhn nicht bis heute ihre führende Stellung behaupten können. 120 Mitarbeiter und acht Partnerbetriebe betreuen bundesweit 2 875 Kurzholzmaschinen. Aber, so schließt Nuhn: „Wir müssen uns weiter in die Riemen legen und rudern, denn 50 Jahre Firma Nuhn sind nicht genug. Wir wollen auch zukünftig unsere Marktposition halten und uns den Herausforderungen stellen.“

Wie er sich das vorstellt, das konnte man auf der Hausmesse erfahren. Neben der anerkannt guten Technik und Ersatzteilversorgung steht heute besonders die weitere Verbesserung der Servicequalität im Blickpunkt. Beispiele sind die vor einiger Zeit geschaffene Position für den After-Sales, der für Kundenanfragen oder Reklamationen zuständig ist. Zudem gibt es mit Thomas Nattermüller mittlerweile einen Technischen Leiter, dessen Spezialität neben der Bordelektronik der Maschinen auch die Aus- und Weiterbildung der Monteure ist.

Daneben ist auch die Unternehmensnachfolge schon ein Thema. Beide Söhne der Eheleute Jörg und Carmen Nuhn können sich vorstellen, eines Tages Verantwortung zu übernehmen. Christopher hat gerade sein Masterstudium Internationales Marketing Management abgeschlossen; er möchte jetzt bei John Deere in Mannheim ein Praktikum absolvieren. Alexander muss in Erfurt dagegen noch sein Studium der Forstwirtschaft beenden, das er mit dem Master für das Management von Forstbetrieben abschließen wird. Auch er will danach noch Erfahrungen außerhalb des elterlichen Betriebes sammeln.

Die Hausmesse

Doch weder die Historie, noch die Zukunft standen bei frühherbstlichem Wetter in Niederjossa im Mittelpunkt des Geschehens. Das war der aktuellen Technik vorbehalten. Ausgestellt waren neue Kundenmaschinen der G-Serie, dazu hatte Firma Haas eine Kombimaschine des Kunden Fautsch mitgebracht, einen 1110E mit hochfahrbarem Heck, Klemmbank und Traktionsseilwinde. Dazu kam ein 1210E von Hartmut Zell mit Krantilt und doppeltem Bogielift. Auch das neueste Produkt des John Deere-Umbauspezialisten war zu sehen: die Three Point Winch, die nach der Hausmesse an die Wiss AG in die Schweiz ging. Zum Ausprobieren hatte Firma Nuhn einen Forwarder 1210G mit der IBC-Steuerung bereitgestellt. Und nicht zuletzt waren die Firmen Pewag, Olofsfors und Clark mit Bogiebändern und WM Technikzentrum mit Gator Transportfahrzeugen von John Deere vor Ort.

Der Höhepunkt des Jubiläums aber war der abendliche Empfang am Freitag. Nach seiner Rede eröffnete Jörg Nuhn das Buffet, und während die Gäste aßen, zog die Band The Speedos mit ihren akustisch dargebotenen Rock´n-Roll-Klassikern von Tisch zu Tisch – ohne dabei die Gespräche abzuwürgen, wie das sonst bei Livemusik nicht selten der Fall ist.

Oliver Gabriel